SREP Serie (Teil 9): Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken

Neben dem in den vorhergehenden Beiträgen behandelten ICAAP ist auch der parallel im Baseler Rahmenwerk sowie der CRR / CRD IV verankerte Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP) Gegenstand des SREP. Dabei steht die Beurteilung der Risiko­quantifizierung der Liquiditäts- und Refinanzierungs­risiken sowie des Managements von Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken aus organisatorische Perspektive im Fokus der Aufsicht.

Der Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) sieht explizit eine Beurteilung des Liquiditäts- und Refinanzierungsrisikos sowie des Managements dieser Risiken vor.

Neben der ausreichenden Kapitalausstattung steht unverändert auch die ausreichende Liquiditätsausstattung der Institute im Fokus der aufsichtlichen Vorgaben. So wurde bereits in der überarbeiteten Baseler Rahmenvereinbarung (Basel II, Tz. 741) festgestellt, dass „die Liquidität (…) entscheidend für den dauerhaften Bestand jeder Bank [ist]“.

Analog dem Aufbau des ICAAP wird auch für den ILAAP eine Beurteilung der inhärenten Risiken, im Einzelnen des kurz- und mittelfristigen Liquiditätsrisikos sowie des langfristigen Refinanzierungsrisikos unter Berücksichtigung der Vorgaben der CRR, vorgenommen. Des Weiteren erfolgt ergänzend eine Analyse der organisatorischen Vorkehrungen, wobei die Ergebnisse der Beurteilung zu einer gesamthaften Sichtweise zusammengefasst werden.

Inhärente Liquiditätsrisiken

Die Anforderungen an die Messung, Steuerung und Überwachung der Liquiditätsrisiken sind national in den Anforderungen nach § 25a Abs. 1 KWG sowie insbesondere im Abschnitt BTR 3 des Rundschreibens 10/2012 (BA) Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der BaFin, zuletzt vom 14. Dezember 2012, gebündelt. Des Weiteren ist auch die Liquidity Coverage Ratio (LCR), die auf Basis des Delegated Acts ab Oktober diesen Jahres zu limitieren ist, einzuhalten.

Grundsätzlich sind bei der Bewertung des kurz- und mittelfristigen Liquiditätsbedarfs der Institute auch Stressbedingungen (Schocks) zu berücksichtigen, wobei alle wesentlichen Treiber des Liquiditätsrisikos auf Basis einer Liquiditätsablaufbilanz einzubeziehen sind. Die dabei separat zu betrachtenden drei Zeiträume sind Null bis 30 Tage, 30 Tage bis 3 Monate sowie 3 bis 12 Monate. Ferner sind Umfang, Verteilung auf Lokationen bzw. Einheiten in der Gruppe sowie Währungen zu betrachten.

Aktuell stellt des Weiteren die Ermittlung, Steuerung und Berichterstattung der LCR-Position sowie des hieraus resultierenden Bedarfs an hochliquiden Vermögensgegenständen (HQLA) eine besondere Herausforderung dar, zumal die Struktur und die Vorgaben des Delegated Acts beispielsweise hinsichtlich der Strukturierung der verschiedenen Einlagen deutlich über die bisherigen Vorgaben der MaRisk hinausgehen. Mögliche Veränderungen und Sensitivitäten der LCR während eines moderaten Stressszenarios sind in Überein­stimmung mit den Artikeln 412 Abs. 3 und 414 der CRR durch das Institut bzw. im Rahmen des SREP durch die Aufsicht angemessen zu untersuchen.

Neben dem kurz- und mittelfristigen Zeithorizont wird am kurzen Ende auch die Steuerung und Überwachung des Intraday-Liquiditätsrisikos in die Betrachtung durch die Aufsicht einbezogen. Auch neue Anforderungen wie das Basler Papier BCBS 248 „Monitoring tools for intraday liquidity management“ dessen Umsetzung in europäisches und nationales Recht noch aussteht, werden zukünftig durch die internationale Aufsicht Berücksichtigung finden. Grundsätzlich ist die Intraday-Liquidität aber bereits heute sowohl unter normalen als auch unter Stressbedingungen (z. B. IT-Ausfälle, rechtliche Beschränkungen bei der Übertragung von Mitteln) umfassend durch die Institute zu analysieren, zu überwachen und zu steuern; damit sind die zu Grunde liegenden Prozesse und Strukturen ebenfalls auch von der Aufsicht im Rahmen des SREP zu beurteilen.

Den Liquiditätsrisiken ist jeweils ein angemessener und entsprechend der zeitlichen Restriktion verfügbarer Liquiditätspuffer gegenüber zu stellen. Darüber hinaus muss die Fähigkeit zur Liquidierung finanzieller Mittel (Liquiditätsdeckungspotential) unter besonderen gestressten Bedingungen eingeschätzt werden, um den Liquiditätsbedarf auch während einer Stressperiode abdecken zu können.

Inhärente Refinanzierungsrisiken

In diesem Zusammenhang stehen Risiken aus Änderungen der Refinanzierungsstruktur sowie potentielle Gefahren aus dem Refinanzierungsprofil im Vordergrund. Diese können sich beispielsweise aus strukturellen Laufzeitinkongruenzen, Konzentrationen von Refinanzierungsquellen, einem unverhältnismäßigem Grad von Vermögensbelastungen oder unangemessener oder instabiler Refinanzierung der langfristigen Vermögenswerte verbunden mit einem inakzeptablen Anstieg der Kosten für die Refinanzierung ergeben.

Faktoren, welche die Stabilität des Refinanzierungsprofils beeinträchtigen können sind – wie auch Konzentrationen in den Refinanzierungsquellen – im Hinblick auf die Tragfähigkeit des Refinanzierungsprofils zu untersuchen. Dabei sind auch der tatsächliche Marktzugang, aktuelle und zukünftige Barrieren zu diesem sowie erwartete Änderungen der Refinan­zierungs­risiken auf Basis des Refinanzierungsplans des Instituts zu beurteilen.

Management von Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken

Neben den Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken selbst wird auch das Management des Liquiditäts- und Refinanzierungsrisikos der Banken durch die Aufsicht beurteilt. Im Einzelnen sind in diesem Zusammenhang die folgenden Aspekte einzubeziehen:

  • Liquiditätsrisikostrategie und Liquiditätsrisikotoleranz,
  • Organisatorisches Rahmenwerk, schriftlich fixierte Ordnung und Beschreibung von Abläufen (Prozessbeschreibungen),
  • Implementierter Risikomanagementkreislauf mit Identifizierung, Messung, Steuerung, Überwachung und Berichterstattung,
  • Vorgaben und Implementierung spezifischer Stresstest,
  • Internes Kontrollumfeld für das Risikomanagement,
  • Institutsspezifische Notfallplanung sowie Fundingplanung.

Für ein umfassendes Verständnis des Liquiditäts- und Refinanzierungsrisikoprofils müssen in der Governance die verschiedenen vorgenannten Aspekte angemessen implementiert und integriert werden. So werden entsprechende organisatorische Rahmenbedingungen auch hinsichtlich ausreichender personeller und technischer Ressourcen und Einklang mit der Größe, Komplexität, Risikobereitschaft und dem Liquiditätsdeckungspotential des Instituts von der Aufsicht im Rahmen des SREP überprüft.

Ein besonderes Augenmerk sollte – unter Berücksichtigung des Proportionalitätsgedankens – auf die Gestaltung von Stressszenarien, insbesondere die unterschiedlichen Zeithorizonte und die Anzahl der Schocks in den Szenarien gelegt werden.

Hinsichtlich des Liquiditäts-Notfallplans werden die Grundsätze, Verfahren und erforderlichen Aktionen als Reaktion auf potentielle schwere Störungen weiter spezifiziert. Zudem wird die Machbarkeit des Refinanzierungsplans in Bezug auf Art, Umfang und Komplexität der Bank, ihrer aktuellen und geplanten Aktivitäten und des Liquiditäts- und Refinanzierungsprofils in den Mittelpunkt der Betrachtungen gerückt. Insgesamt ist von den Instituten auf die Qualität der Prozesse zur Umsetzung des Refinanzierungsplans sowie die Fähigkeit, auf Abweichungen zeitnah reagieren zu können abschließend ein besonderes Augenmerk zu richten.

Fazit

Mit der SREP-Richtlinie konkretisiert die europäische Bankenaufsicht in erster Linie ihre Erwartungshaltung an die Aufsichtsbehörden bei der Beurteilung von Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken. Allerdings lassen sich daraus unmittelbar auch die folgenden Handlungsempfeh­lungen für betroffene Institute ableiten:

  • Festlegung einer auf der Unternehmensstrategie basierenden Liquiditätsrisikotoleranz sowie Ableitung einer Liquiditätsrisikostrategie.
  • Fokus hinsichtlich der Bewertung von Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken sowie deren Steuerung schärfen. Allokation der Liquiditätskosten, -vorteile und -risiken („Funds Transfer Pricing“)
  • Berücksichtigung der Liquiditätsablaufbilanz und Sicherstellung eines angemessenen Liquiditätspuffers.
  • Angemessenheit der Kennzahlen und Limite zur Identifizierung, Messung, Überwachung und Steuerung der Liquiditätsrisiken sowie ein regelmäßiges Reporting.
  • Definition und Diversifizierung der Finanzierungsquellen innerhalb eines Finanzie­rungs­plans.
  • Entwicklung und Durchführung entsprechender Stresstests sowie Entwicklung einer Notfallkonzeption als Antwort auf die Stressszenarien.
  • Umfassende Dokumentation über Strategie, Grundsätze, Verfahren, Prozesse und Systeme für die Steuerung von Liquiditätsrisiken sowie klare Zuständigkeiten und Verantwortungen.

Insgesamt hebt der SREP die besondere Bedeutung des ILAAP als integrierten, umfassenden Prozess zur Steuerung und zum Management von Liquiditätsrisiken hervor. Vor diesem Hintergrund bedürfen gerade neue Anforderungen, wie es exemplarisch die LCR und NSFR für viele Institute darstellen, einer kritischen Analyse, wobei auch bisher auf Basis der MaRisk gewohnte Methoden und geübte Prozesse auf den Prüfstand zu stellen sind.

 

SREP Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken

 

 

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