SREP Serie (Teil 10): Beurteilung der Liquiditätsausstattung

Einen zentralen Baustein des SREP bildet die Gesamtbeurteilung der Liquidität inklusive der Angemessenheit der Liquiditätsausstattung der Institute. Die Ergebnisse zum Assessment der Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken sowie des Liquiditätsmanagements bilden neben dem institutsspezifischen ILAAP, der Benchmark der Aufsichtsbehörden sowie anderer Erkenntnisse der Aufsicht die Basis der Gesamtbeurteilung. Insgesamt präzisieren die Vorgaben der EBA damit die Anforderungen zur Liquidität der Institute und setzen zentrale Maßstäbe.

Grundlagen zur Beurteilung der Liquidität

Als Bestandteil des Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) ist die Angemessenheit der Liquiditätsausstattung durch die Aufsichtsbehörden zu beurteilen.

Die Beurteilung zur Liquidität folgt dabei einer ganzheitlichen Sichtweise, die unter anderem auf den Erkenntnissen aus den Assessments zu den Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken sowie dem Liquiditätsmanagement aufbauen. Des Weiteren bilden die Erkenntnisse aus dem ILAAP des Institutes sowie anderen Quellen, wie aufsichtlichen Vor-Ort-Prüfungen, aufsichtlichen Stresstests und Peer Group Vergleichen, die Basis der Beurteilung durch die Aufsichtsbehörde.

Analyse der Liquiditätsausstattung und des institutionellen Rahmens für die Liquidität

Ein zentrales Element der Beurteilung der Liquidität ist die Analyse und Bewertung des vom Institut implementierten Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP). Hierbei werden die ILAAP-Berechnungen und -Methoden hinsichtlich Belastbarkeit und Nachvollziehbarkeit hinterfragt, um insbesondere Lücken in der Risikoabdeckung offenzulegen. Darüber hinaus soll über eine transparente Darstellung der Komponenten der Risikoberechnung auch die Nachvollziehbarkeit der Ermittlung gewährleistet werden.

Neben der Beurteilung des institutionellen Rahmens für die Liquidität sind vor allem die vorgehaltenen Liquiditätsreserven des Instituts im Hinblick auf die eingegangenen Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken zu bewerten.

Die Analyse hat insofern Konzentrationen (z.B. bei Refinanzierungsquellen, bei den Liquiditätsreserven bzw. bestimmten Produkten), festgestellte Refinanzierungslücken in bestimmten Laufzeitbändern oder einzelnen Währungen sowie die Ergebnisse von Stresstests mit einzubeziehen. Daneben sind auch „Cliff Effects“ wie z.B. der Verlust der Emissionsfähigkeit am Kapitalmarkt durch eine Ratingverschlechterung zu berücksichtigen.

Zusätzliche Liquiditätsanforderungen

Die Beurteilung der spezifischen Liquiditätsanforderungen erfolgt unter Berücksichtigung des Geschäftsmodells und der Geschäftsstrategie, des ILAAPs und der aufsichtlichen Bewertung der Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken. Ferner fließt der Liquidity Score, der die Angemessenheit der Liquiditätsausstattung als auch der eingegangenen Risiken des Instituts widerspiegelt, auch in die Gesamtbeurteilung zur Überlebensfähigkeit der Institute ein.

Die Aufsichtsbehörden können zudem im Rahmen der Beurteilung der Liquidität weitergehende institutsspezifische quantitative Liquiditätsanforderungen festlegen. So werden im Rahmen des SREP die folgenden Ansätze zur Behebung von festgestellten Mängeln vorgeschlagen:

  • Höhere Vorgaben zur LCR über das aufsichtsrechtliche Minimum hinaus, um zusätzliche Risiken des Instituts abzudecken,
  • Verschärfung der Vorgaben zur Survival Period, wie Verlängerung des einzuhaltenden Zeitraums, Limitierung einzelner Laufzeitbänder oder Vorgaben zur Zusammensetzung der Liquiditätsdeckungspotentiale, insbesondere wenn die Risiken durch die LCR nicht adäquat abgebildet werden,
  • direkte Vorgaben u.a. zur Höhe, Zusammensetzung und Verfügbarkeit der vom Institut dauerhaft vorzuhaltenden Liquiditätsdeckungspotentiale, wie beispielsweise das Vorhalten bestimmter freier besicherter Linien bei Zentralbanken.

Dies bedeutet, dass die aufsichtlichen Anforderungen an Institute deutlich über die bisherigen Mindestanforderungen hinausgehen können, falls die Aufsichtsbehörden bei der Liquidität entsprechende Mängel feststellen. Zudem ist sogar die Vorgabe einer Mindest-NSFR vorgesehen, soweit dies zur Begegnung von unangemessen hohen Refinanzierungsrisiken erforderlich erscheint.

Fazit

Insgesamt ist durch den SREP mit deutlich höheren Anforderungen an das Liquiditätsmanagement und die Liquiditätsausstattung zu rechnen. Aufgrund der Vorgaben zur Liquidität, die bereits heute durch die LCR, NSFR und das Funds Transfer Pricing unmittelbar auf die Geschäftsmodelle von Banken wirken, ist eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den potentiellen Anforderungen aus dem SREP anzuraten. Dabei sind zusammengefasst die folgenden Aspekte hervorzuheben:

  • Die Verfahren, Methoden und Ermittlungsprozesse zum Liquiditätsmanagement sind hinsichtlich Belastbarkeit und Transparenz rechtzeitig zu überprüfen und ggf. zu verbessern, um zusätzliche Anforderungen aus dem SREP für LCR, Survival Period oder NSFR zu vermeiden.
  • Zudem sollte die entsprechende Aufbau- und Ablauforganisation und das IKS überprüft und gestärkt werden.
  • Die vorgestellten Kriterien der Aufsicht sollten im Hinblick auf das eigene Portfolio analysiert werden und z.B. im Hinblick auf Konzentrationen bei bestimmten Adressen und Produkten oder bei den Reserven und den zur Verfügung stehenden Refinanzierungsquellen optimiert werden.
  • Hinsichtlich der Quellen der aufsichtlichen Beurteilung gewinnt das Benchmarking weiter an Bedeutung. Die Aufsichtsbehörde hat insbesondere die geschäftsmodell­spezifischen Besonderheiten der Institute zu berücksichtigen. Hier könnten die Institute vorbereitend eine Positionsbestimmung der eigenen Liquiditätsausstattung im Vergleich zu den Peers vorzunehmen.

 

SREP - Gesamtbeurteilung der Liquidität

 

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