MaRisk Novelle 2017: Unser Marktüberblick über den Umsetzungsstand und die aktuellen Praxisherausforderungen für deutsche Institute

Am 27. Oktober 2017 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nach längerer Konsultation die Novellierung der Mindestanforderungen für das Risikomanagement (MaRisk) final veröffentlicht. Hierbei unterscheidet die Aufsicht – ohne weitere Details zu nennen – in die folgenden Umsetzungsfristen:

  • Klarstellungen: keine Umsetzungsfrist,
  • AT 4.3.4 (Datenmanagement, Datenqualität und Aggregation von Risikodaten): Umsetzungsfrist von drei Jahren ab dem Zeitpunkt der Einstufung als (anderweitig) systemrelevantes Institut (global systemrelevante Institute haben diese Anforderungen bereits seit Januar 2016 zu erfüllen) und
  • Neuerungen, d.h.. alle sonstigen Änderungen: Umsetzungsfrist bis zum 31. Oktober 2018.

Über die inhaltlichen Änderungen haben wir bereits in unseren Artikeln vom 27. Oktober 2017 und vom 28. November 2017 berichtet.

In diesem Blogbeitrag wollen wir Ihnen einen kurzen Marktüberblick und unsere Einschätzung über die bisherigen Umsetzungsaktivitäten der Institute in Deutschland geben, die wir aus div. Umsetzungsprojekten, Gesprächen und Prüfungen in den letzten Wochen gewonnen haben.

Warten auf eine Klarstellung der Aufsicht hinsichtlich der im Detail geltenden Umsetzungsfristen

Insgesamt wartet die Branche auf die angekündigte Klarstellung der Aufsicht hinsichtlich der konkret im Einzelnen geltenden Umsetzungsfristen. Diese würde die bestehende Unsicherheit in der Branche verringern und die teilweise unterschiedlichen Interpretationen der Institute, Verbände und Jahresabschlussprüfer hinsichtlich der jeweils anzuwendenden Umsetzungsfristen beseitigen.

Unser Marktüberblick und Einschätzung über den Umsetzungsstand und aktuelle Aktivitäten der Institute in Deutschland

Lange vor der finalen Veröffentlichung der MaRisk haben sich die Institute bereits mehr oder weniger mit den existierenden Diskussionspapieren und Verlautbarungen beschäftigt. Einige Institute haben relativ früh mit der entsprechenden Analyse und der Identifikation möglicher GAPs begonnen, während andere Häuser relativ spät interne Aktivitäten gestartet haben. Inzwischen wurden bei fast allen Instituten detaillierte Gap-Analysen durchgeführt und mit der Umsetzung, d.h. Schließung, von existierenden Lücken begonnen. Teilweise warten Institute noch auf Vorgaben ihrer Mutter­gesellschaften bzw. Verbände – diese sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt oft noch nicht in dem gewünschten Detaillierungsgrad verfügbar. Vor dem Hintergrund der relativ kurzen Umsetzungsfrist für Neuerungen bis Ende Oktober 2018 und den Herausforderungen in der Praxis wie z.B. Urlaubszeiten der Mitarbeiter sollten sich jedoch nach unsere Einschätzung bereits alle Institute mitten in der MaRisk-Umsetzung befinden. Wenn dies noch nicht der Fall ist, ist Eile geboten.

Ob eine Umsetzung in der fachlich verantwortlichen Linienfunktion oder in einem separaten MaRisk-Projekt erfolgt, ist immer institutsindividuell und in Bezug auf den einzelnen Sachverhalt bzw. bereits existierende Initiativen (BCBS 239-Projekte, IT-Projekte, IRRBB-Projekte, etc.) zu entscheiden. Zudem spielt die Institutsgröße eine Rolle. Je größer die Institute sind, desto häufiger und effizienter sind übergreifende Projekte bzw. Initiativen – in Teilbereichen werden aber auch hier einzelne Änderungen in der Linie bearbeitet. Insgesamt zeigt sich aktuell ein sehr heterogenes Bild in der Umsetzungs-Praxis der Banken. Die gewählte Vorgehensweise sollte jedoch immer durch die individuelle Situation des Instituts und das jeweilige Themengebiet Dritten gegenüber begründbar sein.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im Rahmen der Gap-Analysen einzelne Banken Verbesserungspotential auch in Bereichen identifiziert haben bzw. potentiell identifizieren werden, die von der BaFin nur redaktionell angepasst worden sind und daher ggf. keine Umsetzungsfristen haben. Dies zeigt auch, dass Institute regelmäßig Ihre Prozesse hinterfragen und hinsichtlich Effizienz und regulatorischer Konformität überprüfen sollten.

Aktuelle Praxisherausforderungen und Fokusthemen der Institute in Deutschland

Nach unseren Beobachtungen / Befragungen existieren insbesondere in folgenden Bereichen (Reihenfolge entsprechend der Häufigkeit) ein erhöhter Anpassungsbedarf sowie größere Praxisherausforderungen:

  • Weiterentwicklung und Optimierung des Auslagerungsmanagements (MaRisk AT 9).
  • Überarbeitung der Prozesse, Verfahren und Konzepte im Zusammenhang mit der Risikotragfähigkeitsrechnung (MaRisk AT 4.1 und den Diskussionspapieren der EZB und deutschen Aufsicht – normative und ökonomische ICAAP Perspektive).
  • Weiterentwicklung und Optimierung des Liquiditäts(risiko)managements (BTR 3).
  • Analyse und Weiterentwicklung des Managements der IT-Risiken und IT-Systeme (MaRisk AT 7.2 i.V.m. BAIT).
  • Implementierung und Weiterentwicklung der Risikokultur (MaRisk AT 3 und AT 5).
  • Weiterentwicklung und Optimierung der Risikoberichterstattung (MaRisk BT 3).
  • Weiterentwicklung der existierenden Stress-Test Aktivitäten (MaRisk AT 4.3.3).
  • Initiativen & Projekte im Zusammenhang mit den neuen Anforderungen zum Neu-Produkt-Prozess (MaRisk AT 8.1).

Darüber hinaus beschäftigen sich die größeren Institute (SI) seit längerer Zeit mit der Umsetzung der Anforderungen an das Datenmanagement, die Datenqualität und die Aggregation von Risikodaten (MaRisk AT 4.3.4 und BCBS 239). Nicht signifikante Institute (LSI) beschäftigen sich hingegen sehr häufig noch nicht mit dem Thema. Da die Aufsicht mehrfach betont hat, dass alle Institute hier „besser“ werden sollten, ist festzustellen, dass kleinere Institute dieser Erwartungshaltung derzeit meist noch nicht gerecht werden. Wir empfehlen allen Instituten dieses Thema nicht auszublenden und vor dem Hintergrund des Proportionalitätsprinzips aktiv anzugehen. Dies umfasst ebenso die weitere Verbesserung der „Zeitnähe der Risikoberichterstattung“ und angemessene sowie entscheidungsrelevante Inhalte beim Risikoreporting (MaRisk BT 3).

Fazit

Alle Institute beschäftigen sich bereits mehr oder weniger intensiv mit der MaRisk-Novelle 2017. Vor dem Hintergrund der laufenden Projekte und Initiativen wäre eine möglichst kurzfristige Klarstellung der Umsetzungsfristen im Detail durch die Aufsicht wünschenswert, jedoch sind alle Änderungen mit Ausnahme von MaRisk AT 4.3.4 ohnehin bis Ende Oktober 2018 umzusetzen. Somit muss unabhängig hiervon die Umsetzung weiter vorangetrieben werden. Sofern dies noch nicht bzw. nicht in allen Bereichen geschehen ist, sind Institute gut beraten hiermit unverzüglich anzufangen.

Profitieren Sie von unserer Praxiserfahrung und sprechen uns gerne zu den MaRisk und einer effizienten sowie praxisnahen Umsetzung an.

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