Erkenntnisse aus aufsichtlichen Prüfungen konkretisieren die Anforderungen an Risikotragfähigkeit und Stresstests

Nachdem unsere Reihe von Beiträgen bereits verschiedene (Schwerpunkt-)Themen des MaRisk-Konsultationsentwurfs vom 19. Februar aufgegriffen hat (Beitrag vom 22. Februar 2016) , soll dieser Beitrag die wesentlichen – zur Diskussion stehenden – Änderungen bei der Risikotragfähigkeit und den Stresstests beleuchten. Während die Institute dabei im Rahmen der Risikotragfähigkeit vor allem vor die Herausforderung gestellt werden, Intragruppenforderungen angemessen abzubilden, wird das Stresstest­universum um die Durchführung von Stresstests für das Gesamtrisikoprofil auf Instituts- und Gruppenebene ergänzt.

Die Auslastung der Risikotragfähigkeit kann steigen – die Qualität jedoch auch

Die Änderungen des AT 4.1 („Risikotragfähigkeit“) im MaRisk-Konsultationsentwurf sind überschaubar und lassen sich im Wesentlichen als „Best Practice-getriebene“ Konkreti­sierungen und Erläuterungen beschreiben. Eine der größten Änderungen ist die – nun an zentraler Stelle im AT 4.1 Tz. 9 u. 10 untergebrachte – komplexitätsinduzierte umfas­sende Validierung einzelner Komponenten der Risikotragfähigkeitsrechnung, bei der künftig eine angemessene (prozessuale und organisatorische) Trennung zwischen Methodenentwicklung und Validierung gewährleistet sein soll. Hiermit ist nicht zwingend eine „neutrale Stelle“ oder ein anderer Bereich gemeint; Mindestvoraussetzung aus Sicht der deutschen Aufsicht ist, dass unterschiedliche Personen mit Validierung und Entwicklung der Verfahren betraut sind. Seitens der europäischen Bankenaufsichtsbehörden lassen sich allerdings (zumindest für Säule 1-relevante Modelle) mittelfristig weitergehende Anforderungen an die Trennung zwischen Methodenentwicklung und Validierung erkennen (siehe z.B. auch das EBA-Konsultationspapier EBA/CP/2014/36 vom 12. November 2014).

Daneben werden die bestehenden Anforderungen an Daten aus anderen/externen Quellen für die Berechnung der Risikotragfähigkeit fixiert. Es soll nachvollziehbar sein, warum verwendete externe Daten die institutsindividuellen Verhältnisse wiedergeben.

Größere Änderungen bringt AT 4.5 („Risikomanagement auf Gruppenebene“). Die neu geforderte Überprüfung der Wesentlichkeitseinstufung bei zusammengefasster Betrachtung aller unwesentlichen Risiken für nachgeordnete Unternehmen, dürfte noch überschaubar sein. Die Einbeziehung von Intragruppenforderungen führt ggf. zu einem erhöhten Aufwand. Dieser ergibt sich aus dem Ansatz von (internen) Preisen, die sich an denen des externen Marktes orientieren müssen. Somit ist das jeweilige Ausfallrisiko anzusetzen. Sofern Institute die Intragruppenforderungen in ihren Berechnungen bislang nicht berücksichtigen, kannje nach Größe und Rating der Engagements – die Auslastung in der Risikotragfähigkeit steigen. Hierzu ist eine Analyse der eigenen Bestände notwendig, inwieweit die erforderlichen Daten erhoben werden können und welche Beträge in der Risikoermittlung anzusetzen sind.

Die in AT 4.1 Tz. 2 geforderte Berücksichtigung beider Zielsetzungen – Fortführung des Instituts und Schutz der Gläubiger in der Risikotragfähigkeit – i.V.m. dem Verweis auf den „Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“ vom 7. Dezember 2011 wird vor dem Hintergrund der laufenden europäischen Diskussion und der SREP-Anforderungen diskutiert (s. auch Risk-Blog-Beitrag vom 24.Mai 2016). In diesem Zusammenhang ist auch eine Novellierung des vorgenannten Rundschreibens im Nachgang zu der MaRisk-Novelle 2016 zu erwarten.

Eine weitere Konkretisierung mit potenziellen Auswirkungen auf die Risikotragfähigkeit hat die BaFin im BTR 2.3 Tz. 6 für Zinsänderungsrisiken (Marktpreisrisiken des Anlagebuchs) vorgenommen. Hiernach kann bei der Bestimmung der Risiken auf die Auswirkungen von Zinsänderungen auf das handelsrechtliche Ergebnis oder die Markt- bzw. Barwerte als primär steuerungsrelevantes Verfahren abgestellt werden. Die Auswir­kungen des jeweils anderen Verfahrens sind angemessen zu berücksichtigen. Sofern sich daraus weitergehende bedeutende Zinsänderungsrisiken ergeben, sind diese in die Risikosteuerungs- und –controllingprozesse sowie die Risikotragfähigkeit einzu­be­ziehen. Dies trägt auch zum Teil den Anforderungen der “EBA Guidelines on the Manage­ment of interest rate risk arising from non-trading activities” (EBA/GL/2015/08) Rechnung. Auch in diesem Zusammenhang ist eine weitere Konkretisierung der Anforde­rungen der Aufsicht – z.B. in Form einer Allgemeinverfügung – alsbald zu erwarten (s. auch Blog-Beitrag vom 20. November 2015).

Konkretisierende Regelungen bei Stresstests auf Instituts- und Gruppenebene

Die bestehende Anforderung zur Durchführung der Stresstests auf Gesamtinstitutsebene unter AT 4.3.3 Tz. 1 MaRisk wird in dem aktuellen MaRisk-Entwurf durch eine neue Tz. 2 konkretisiert. Regelmäßige und ggf. anlassbezogene Stresstests sind nun für das Gesamt­risikoprofil des Instituts durchzuführen. Darüber hinaus sind zusätzlich die potenziellen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Risikoarten kombiniert in einer Weise darzustellen, welche die Wechselwirkungen zwischen den Risikoarten berücksichtigen. Gleichzeitig hat die BaFin im MaRisk-Entwurf die Durchführung der regelmäßigen und ggf. anlass­bezogenen Stresstests auch für das Gesamtrisikoprofil auf Gruppenebene aufge­nommen (AT 4.5 Tz. 5). Während die konkretisierenden Anforderungen auf Institutsebene überwiegend einen eher niedrigen Aufwand darstellen, dürften die Anforderungen auf Gruppenebene bei einigen Häusern mit einer höheren Komplexität verbunden sein.

Fazit

Die Herausforderungen und Auswirkungen auf die Institute stellen sich zusammen­gefasst wie folgt dar:

  • Die bestehenden Validierungs-/Plausibilisierungsprozesse in der Risikotragfähigkeitsrechnung sind um eine Repräsentativitätsanalyse aller externen Daten zu ergänzen. Für umfas­sende Validierungen komplexer Verfahren ist eine angemessene Funktionstrennung zwischen Modellentwicklung und Validierung einzurichten.
  • Die Bewertung der Intragruppenforderungen ist an einer externen Betrachtung auszurichten, d. h. es ist insbesondere das jeweilige Ausfallrisiko zu berücksichtigen.
  • Es ist zu überprüfen, ob alle wesentlichen Risiken in den bestehenden Gesamtbankstresstest einbezogen werden. Darüber hinaus muss der Gesamtbank­stresstest geeignet sein, um die Wechselwirkungen der Risiken abzubilden. Auf Gruppenebene sind regelmäßige und ggf. anlassbezogene Stresstests für das Gesamtrisikoprofil durchzuführen.

 

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