Qualitative und quantitative Indikatoren in Sanierungsplänen (EBA Konsultationspapier)

Die BaFin hat mit den Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen (MaSan) bereits am 25.April 2014 auf der Grundlage der §§ 47 und 47a KWG einen flexiblen und praxisnahen Rahmen für die Ausgestaltung von Sanierungsplänen geschaffen.

Neben diesen auf nationaler Ebene einschlägigen Normen werden durch die European Banking Authority (EBA) ebenfalls Regelungen erarbeitet, welche die Anforderungen an Sanierungspläne auf europäischer Ebene kodifizieren. Zielstellung dieser Veröffentlichungen ist es, einen einheitlichen Rahmen für die in der Richtlinie 2014/59/EU (Bank Recovery and Resolution Directive) verankerten gesetzlichen Regelungen zu definieren. In diesem Zusammenhang wurden bereits einzelne Technical Standards und Guidelines veröffentlicht, welche u.a. die in einem Sanierungsplan darzustellenden wesentlichen Inhalte und Informationen (Final Draft EBA/RTS/2014/11) sowie Anforderungen an die in den Sanierungsplänen darzustellenden Szenarien (EBA/GL/2014/06) regeln.

Am 26.September 2014 wurde von Seiten der EBA nunmehr ein Konsultationspapier publiziert (EBA/CP/2014/28), welches Normen zu den in einem Sanierungsplan festzulegenden qualitativen und quantitativen Indikatoren umfasst. Darin wird gefordert, dass Institute mindestens Indikatoren für die Risikodimensionen Kapital, Liquidität, Profitabilität und Asset Quality festzulegen haben. Daneben sollten auch „market based indicators“ sowie „macroeconomic based indicators“ bestimmt werden, sofern diese für das Risikoprofil, die Rechtsstruktur oder in Bezug auf die Institutsgröße relevant sind.

Die übergreifenden Anforderungen an die Indikatoren für die einzelnen Risikodimensionen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Capital indicators

  • sollten in den Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) des Institutes integriert werden
  • die Grenzwerte sollten auf den institutsspezifischen Risiken basieren und den veranschlagten Zeitraum und Wirkungsgrad von Sanierungs-Maßnahmen berücksichtigen

Liquidity indicators

  • beziehen die kurz- und langfristige Liquidität sowie die Funding-Kosten mit ein
  • zusätzlich ist auch weiterer Liquiditäts-Bedarf z.B. durch Intra-Group-Funding zu betrachten
  • sind in die Strategien, Prozesse und Systeme sowie zusätzlich in das Risikomanagement Framework der Institute zu integrieren.

Profitability indicators

  • beziehen sich auf ertragsbestimmende Faktoren, die zu einer zeitnahen Verschlechterung der finanziellen Situation des Institutes führen können
  • beinhalten auch Verluste im Zusammenhang mit operationellen Risiken

Asset Quality indicators

  • zeigen auf, ab welchen Zeitpunkt eine Wertminderung der Aktiva zu einer erheblichen Belastung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Instituts und insofern zu einer möglichen Sanierungsphase führt
  • berücksichtigen ebenfalls off-balance Positionen und non-performing loans

Market based indicators

  • decken die Erwartungen anderer Marktteilnehmer in Bezug auf die Verschlechterung der finanziellen Situation des Institutes ab
  • unterteilen sich in equity based, debt based, portfolio related indicators (weitere relevante Asset Klassen wie Immobilien) und Rating-Abwertungen

Macroeconomic based indicators

  • diese Indikatoren beziehen sich auf eine Verschlechterung des ökonomischen Umfelds
  • setzen sich aus geographischen/geopolitischen sowie branchenspezifischen Indikatoren zusammen

Neben der Festlegung von zu berücksichtigenden Risikodimensionen und die jeweilige Ausgestaltung von Indikatoren werden im Annex I des EBA/CP/2014/28 ebenfalls konkrete Indikatoren für die einzelnen Dimensionen aufgeführt.

Hintergründe zu dem Konsultationspapier können unter folgendem Link auf der Internetseite der EBA abgerufen werden:

EBA Konsultationspapier

Kommentare können der EBA ebenfalls elektronisch bis spätestens 2. Januar 2015 zugesendet werden.

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