Erkenntnisse aus dem EZB-Stresstest 2017

Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld weiter auf der Agenda der Aufsicht. Entsprechend hat die EZB im Frühjahr dieses Jahres eine Sensitivitätsanalyse zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch gestartet, an der 111 Institute teilgenommen haben (vgl. unseren Blogbeitrag vom 10. März 2017). Die Ergebnisse der Analyse wurden kürzlich veröffentlicht. Nachfolgend fassen wir diese kurz zusammen und leiten etwaigen Handlungsbedarf ab.

Gegenstand der Analyse waren sechs Zinsszenarien entsprechend den Anforderungen in den „Standards for Interest Rate Risk in the Banking Book” (BCBS 368), deren Auswirkungen sowohl barwertig als auch zinsergebnisbezogen untersucht wurden.

Wie bereits in der Niedrigzinsumfrage 2017 von Dt. Bundesbank und BaFin stellt sich als kritischstes Szenario ein weiteres starkes Absinken der Zinsen dar, was gemäß den Analysen in den nächsten drei Jahren zu einem weiteren Absinken der Zinsergebnisse der Institute führen würde.

Das Szenario eines in der Branche erhofften Zinsanstiegs würde je nach Intensität der Steigerung bei den meisten Instituten zu einem steigenden Zinsergebnis (Net Interest Income / NII) aber zu sinkenden Bankbuchbarwerten (Economic Value of Equity / EVE) führen. Ein Fünftel der Institute müsste jedoch sowohl einen Rückgang im Zinsergebnis als auch in den Bankbuchbarwerten verkraften. Dies betrifft insbesondere Institute, die langfristige festverzinsliche Darlehen, wie Immobilienfinanzierungen, ausgeben.

Aus den Analysen hat die Aufsicht jedoch nicht nur Erkenntnisse zur Positionierung und zur Bilanzstruktur der Institute gewonnen, sondern auch zur Bedeutung bzw. Wirkung von Annahmen für die vorzeitige Tilgung auf der Aktivseite und für die Modellierung der Kundeneinlagen auf der Passivseite. Die Festlegung der Annahmen für die Zinsrisikosteuerung und -messung erfolgt üblicherweise auf Basis der Analyse von Daten aus der Vergangenheit. Da in den letzten zehn Jahren ein sinkendes Zinsumfeld herrschte basieren die Modelle nun je nach Länge der verwendeten Historie vollständig oder zu einem großen Teil auf den Erfahrungen mit dem Kundenverhalten in einem sinkenden Zinsumfeld.

Beobachtungen, wie sich Kunden tatsächlich im Fall eines Zinsanstiegs verhalten gehen dagegen somit nicht oder nur in geringem Umfang in die Modelle ein. Dies kann zu einem erheblichen Modellrisiko führen, wenn das Kundenverhalten bei einem Wiederanstieg der Zinsen falsch eingeschätzt wird. Daraus leitet die EZB entsprechend einen aufsichtlichen Schwerpunkt in der Beaufsichtigung der Institute ab. In diesem Zusammenhang wird für die Institute eine große Herausforderung darin bestehen entweder Modelle zu entwickeln, die trotz der fehlenden Beobachtungen in der Vergangenheit eine Aussage über das Verhalten bei einem Wiederanstieg der Zinsen prognostizieren oder alternativ das entsprechende Modellrisiko abzuschätzen.

Darüber hinaus hat die EZB die Verwendung von Zinsderivaten in der Banksteuerung analysiert. Diese werden zur Reduzierung von Zinsänderungsrisiken, zur Absicherung bzw. zum Hedging oder zur Veränderung der Zinsposition genutzt. Da Zinsänderungsrisiken im Bankbuch oftmals auch wesentliche Risiken begründen, wird die Aufsicht künftig stärker prüfen, inwieweit die tatsächliche Verwendung von Zinsderivaten zum Risikoappetit des Institutes passt und ob die erforderlichen Rahmenbedingungen in der Bank (Governance) hierfür angemessen sind.

Die Ergebnisse des Stresstests haben für die betroffenen Institute aufgrund der Integration in den Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) auch Auswirkungen auf Kalibrierung der institutsspezifischen Säule-2-Empfehlungen (Pillar two Guidance / P2G) in Höhe von +/- 25 bp, wobei auch noch weitere qualitative Faktoren in die Bewertung einbezogen wurden.

Fazit

Die Aufsicht hat zwei Handlungsfelder identifiziert: (1) Potenzielle Modellrisiken aus der Bestimmung der Annahmen auf Basis von Vergangenheitsdaten und (2) die Verwendung von Zinsderivaten zur Steuerung im Einklang mit dem institutseigenen Risikoappetit und der Governance im Institut. Je nachdem wann die nächste (Sonder-)Prüfung zu diesem Thema ansteht, empfiehlt es sich die identifizierten Punkte bankintern zu überprüfen und ggf. zeitnah zu überarbeiten.

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