Operationelle Resilienz und Risiken in der Covid-19 Pandemie: Lessons learned

Das im August 2020 vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (im Folgenden: der Ausschuss) veröffentlichte Konsultationspapier „Principles for operational resilience“ konkretisiert die Anforderung an Kreditinstitute, dass sie sich stärker mit ihrer Krisenresilienz inkl. den Auswirkungen externer Ereignisse auf ihr Geschäftsmodell und ihre Risikosituation auseinander sollen. Der Ausschuss erwartet insbesondere einen weiteren Anstieg technologiebedingter Gefahren und leitet daraus ab, dass die Belastbarkeit der Institute in diesem Kontext weiter erhöht werden muss – zentral dafür seien auch die Verfahren und Prozesse zum Umgang mit operationellen Risiken.

Hintergrund

Im Laufe der aktuellen Covid-19 Pandemie hat der Ausschuss festgestellt, dass Finanzinstitute erhebliche Anpassungen an ihrer operativen Struktur und an ihren Prozessen vornehmen mussten, um den Auswirkungen der Pandemie entgegentreten zu können. Diese Beobachtung deckt sich mit der schon vor dem Ausbruch der Pandemie aufgestellten Hypothese zu möglichen Defiziten in der operativen Resilienz und Struktur der Institute. Die Pandemie hat nun einen Anlass geschaffen, die operative Resilienz vor dem Hintergrund weiterer möglicher Stressszenarien (z.B. Cyber Risk, Versagen von Technologien, Naturkatastrophen) zu überdenken und einen prinzipienbasierten Lösungsansatz zur Verbesserung jener zu erarbeiten. Die Basis hierzu stellt die Überarbeitung des Konsultationspapiers „Principles for operational resilience“ dar. Operationelle Resilienz wird vom Ausschuss als die Fähigkeit einer Bank definiert, wesentliche Geschäftsaktivitäten auch in disruptiven (Stress-)Situationen weiterhin fortführen zu können. Sie wird als das Resultat eines profunden, operativen Risikomanagements angesehen.

Überblick über die wesentlichen Inhalte und Anpassungsvorschläge

Die wachsende Abhängigkeit der Finanzindustrie von Technologien und deren Infrastrukturen wird als problematisch angesehen, da hieraus für die Institute (neue) Risiken erwachsen. Schließlich sind die von den Instituten angebotenen Finanzdienstleistungen mehr und mehr von Technologie und Infrastruktur abhängig. Dies birgt operative Risiken für die Institute, welche in den Anpassungen der „Principles for operational resilience“ und der „Principles for the sound management of operational risk“ (PSMOR) gewürdigt werden.

Die sieben „Principles for operational resilience” beziehen sich auf die Themen „Governance“, „Operationelles Risikomanagement“, „BCM“, „Einflussfaktoren auf wesentliche Geschäftsaktivitäten und deren Zusammenhänge“, „Abhängigkeit von Dritten“, „Management disruptiver Ereignisse“ und „ICT inkl. Cyber Security“. Die Befolgung der neuen Prinzipien soll die Auswirkungen von signifikanten Stressszenarien auf Banken abmildern, indem die Institute dazu befähigt werden, diesen standzuhalten, sich an die Stresssituation anzupassen und sich von den Auswirkungen zu erholen.

Vor dem Hintergrund der bestehenden Wechselwirkung zwischen operativer Resilienz und operativem Risikomanagement fußen die „Principles for operational resilience“ auf den überarbeiteten PSMOR. Der Ausschuss ist der Ansicht, dass das operationelle Risikomanagement und die damit einhergehenden Prozesse die Basis und Grundvoraussetzung für die operationelle Resilienz eines Instituts darstellen.

Dabei sollen

  1. die PSMOR an das aktuelle Basel III Rahmenwerk zu operationellen Risiken anpasst,
  2. wo notwendig, die Handlungsempfehlungen im Bereich des „Change Managements“ und ICT (information and communication technology) angepasst und
  3. die Trennschärfe und Genauigkeit der Prinzipien verbessert werden.

Fazit

Der Ausschuss reagiert mit den Ausarbeitungen auf die gegenwärtigen Entwicklungen in der Finanzindustrie, die im Rahmen der Covid-19 Pandemie offensichtlich wurden, und entwickelt das regulatorische Rahmenwerk insbesondere hinsichtlich des Umgangs mit operativen und technologischen Herausforderungen weiter. In einem immer dynamischeren und im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung komplexer und vernetzter werdenden (Markt-)Umfeld stellen diese Schritte wichtige Maßnahmen zur Stärkung der Stabilität der Finanzdienstleistungsindustrie dar.

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