Neuer Leitfaden Risikotragfähigkeit – Konsultation der BaFin

Die BaFin hat – wie schon bei der Vorstellung des nationalen SREP-Konzepts im Mai 2016 bekannt gegeben – den Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“[1] inhaltlich und strukturell überarbeitet und am 6. September 2017 veröffentlicht. Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Neuerungen des Diskussionspapiers mit dem Titel „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung (ICAAP) – Neuausrichtung“. Ausführlichere Analysen, auch im Verhältnis zu den europäischen Regelungen, werden wir in späteren Blogbeiträgen veröffentlichen.

Neue Perspektiven in der Risikotragfähigkeit

In Annäherung an die von der EZB veröffentlichten Erwartungen an die Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP (vgl. unseren Blogbeitrag vom 23. Mai 2017) hat die nationale Aufsicht mit dem Diskussionspapier einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Risikotragfähigkeitsrechnung unterbreitet. Dies betrifft insbesondere die Einführung einer normativen Perspektive und die Nachjustierung der ökonomischen Perspektive.

Im Sinne der europäischen Leitlinien wird von der deutschen Aufsicht explizit ein Bezug zu den neuen Perspektiven (normativ intern und ökonomisch intern) hergestellt: Die Betrachtung der normativen Perspektive folgt vorwiegend dem Ziel der „Fortführung des Instituts“ und die Betrachtung der ökonomischen Perspektive dem Ziel der Sicherung der Substanz des Institutes sowie dem Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht.

Normative Perspektive:

Das Risikodeckungspotenzial besteht überwiegend aus regulatorischen Eigenmitteln und die Risikoquantifizierung folgt regulatorischen Vorgaben. Entsprechend ergibt sich die Messung der Adress- und Marktpreisrisiken sowie operationellen Risiken aus der CRR. Die Erwartung, alle wesentlichen Risiken der Institute in der normativen Perspektive zu berücksichtigen, wird zudem dadurch umgesetzt, dass eine Analyse der Auswirkungen weiterer identifizierter und wesentlicher Risiken aus der ökonomischen Perspektive hinsichtlich der möglichen Belastung der Gewinn- und Verlustrechnung, der regulatorischen Eigenmittel und der Risikopositionen erfolgen soll.

Ökonomische Perspektive:

Das Risikodeckungspotenzial ist grundsätzlich unabhängig von der Abbildung in der externen Rechnungslegung zu ermitteln. Bei barwertiger Ermittlung sind dabei sämtliche Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und außerbilanzielle Positionen zu berücksichtigen.[2] Unter Anwendung des Proportionalitätsprinzips besteht die Möglichkeit, von Bilanz- und GuV-Größen auszugehen, wobei dann jedoch das bilanzielle Eigenkapital um stille Lasten und Reserven zu bereinigen ist. Im Gegenzug sollen die Risiken konsistent zur Bestimmung des Risikodeckungspotenzials konservativ ermittelt werden, wobei grundsätzlich eine Anlehnung an die internen Modelle der Säule 1 erfolgen soll (Konfidenzniveau von 99,9%).

Die Aufsicht erwartet außerdem eine enge Verknüpfung der beiden Perspektiven. Aufgrund der neuen Abgrenzung des Begriffs „ICAAP“ als Prozess zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit mit den wesentlichen Komponenten Risikotragfähigkeitsrechnung, Kapitalplanung und Stresstests ergeben sich für die Verknüpfung der Perspektiven diverse Schnittstellen und prozessuale Neuerungen.

Auch zukünftig soll das übergeordnete Ziel des ICAAP aus Sicht der deutschen Aufsicht die langfristige Fortführung der Unternehmenstätigkeit auf Basis der eigenen Substanz und Ertragskraft sein. Sie erwartet, dass das Institut beiden Schutzzielen (Ziel der Fortführung des Instituts und Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht) weiterhin Rechnung trägt. Deshalb soll das Institut explizit intern dokumentieren, wie beide Perspektiven in der Steuerung des Instituts berücksichtigt werden.

Die BaFin erachtet die Weiternutzung der bestehenden Going Concern-Risikotragfähigkeitskonzepte – so genannte „Going-Concern Ansätze alter Prägung“ – jedoch bis auf weiteres als zulässig, entsprechend werden die bisher geltenden Anforderungen in einen gleichnamigen Annex überführt.

Herausforderungen – auf den ersten Blick

Die aktuellen Vorschläge der deutschen Aufsicht erfordern eine grundlegende Neugestaltung der Risikotragfähigkeitsrechnung und damit implizit auch der Kapitalplanung sowie der Stresstests. Dies wird in weiten Teilen andere als die bisher bekannten und gelebten Prozesse erfordern. Die Kombination der normativen und der ökonomischen Perspektive hat darüber hinaus Auswirkungen auf die Steuerung der Institute, da voraussichtlich steuerungsrelevante Informationen anders verknüpft werden müssen als bislang.

Zu analysieren ist dabei insbesondere auch, in welchem Umfang die neuen Risikotragfähigkeitskonzepte zu höheren ökonomischen Kapitalanforderungen führen werden. Hier empfehlen wir im Sinne einer vorausschauenden Kapitalplanung die Durchführung umfassender Auswirkungsanalysen.

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[1] Die BaFin gibt in ihrem Leitfaden einen Überblick über Kriterien für die Überprüfung der internen Risikotragfähigkeitskonzepte unter Berücksichtigung unterschiedlicher Steuerungskreise, die in der aufsichtlichen Praxis angewandt werden. Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2011): Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte vom 07.12.2011, Bonn.

[2] Geplantes Neugeschäft ist ausdrücklich nicht anzusetzen.

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