Sicherstellung der Risikotragfähigkeit bei weniger bedeutenden Instituten (LSI) Range of Practice

Im Februar 2019 hat die Deutsche Bundesbank eine neue Studie zur Risikotragfähigkeit (Range of Practice 2015-2017) vorgelegt. In der Studie werden die Risikotragfähigkeitsmeldungen von weniger bedeutenden Instituten (LSI) auf Basis des aufsichtlichen Meldewesen der Jahre 2015 bis 2017 ausgewertet. Im Ergebnis kommt die Deutsche Bundesbank zum Schluss, dass die deutschen Institute trotz einzelner struktureller Schwächen eine gute Qualität in ihrer Risikotragfähigkeitssteuerung aufweisen. Dennoch stehen die Institute aufgrund des in 2018 veröffentlichten neuen Leitfadens zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte vor bedeutendem Anpassungsbedarf.

Gegenstand und Umfang der Studie

Mit der Studie „Sicherstellung der Risikotragfähigkeit bei weniger bedeutenden Instituten (LSI) Range of Practice 2015 – 2017“ veröffentlichte die Deutsche Bundesbank Anfang Februar 2019 eine aktualisierte Untersuchung zur Umsetzung der Risikotragfähigkeit deutscher Kreditinstitute.

Die Basis der Untersuchung bildete das Meldewesen zur Risikotragfähigkeit gemäß § 25 KWG der Jahre 2015 bis 2017. Zur besseren Vergleichbarkeit der Institute wurden ausschließlich die konsistenten, schlüssigen Datensätze von LSI in die Untersuchung einbezogen. Der Zeitraum der Untersuchung war bewusst gewählt worden, um Einflüsse aus der Umstellung der Risikotragfähigkeit einzelner Institute entsprechend dem neuen Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung“ vom 24. Mai 2018 in der Studie zu vermeiden.

Die Deutsche Bundesbank unterteilt in ihrer Untersuchung die Kreditinstitute nach Institutsgruppen weitergehend in Genossenschaftsbanken, Sparkassen, Kreditbanken und sonstige Institute. Die sonstigen Institute umfassen insbesondere die meldepflichtigen Institute, deren Geschäftsmodell nicht mit dem üblichen Bankgeschäft gut vergleichbar ist (z. B. Bürgschaftsbanken).

 

Quelle: Vgl. Deutsche Bundesbank, a.a.O., S. 9.

 

Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben zahlenmäßig das eindeutige Übergewicht. Betrachtet man hingegen die Summe aus den Anforderungen für Kreditrisiken, Marktpreisrisiken und operationellen Risiken zeigt sich, dass die größten Einzelinstitute unter den LSI vor allem in der Gruppe der Kreditbanken zu finden sind.

 

Überblick der Risikotragfähigkeitskonzepte

In der Untersuchung der Deutschen Bundesbank wird gezeigt, dass die Fortführungsansätze (Going-Concern-Ansätze alter Prägung) deutlich überwiegen. Das Ergebnis ist insofern wenig überraschend, als dass die Sparkassen und Genossenschaftsbanken überwiegen. Aber auch mit Blick auf die Kreditbanken liegen die Fortführungsansätze deutlich in der Mehrheit, wenngleich der Anteil der Liquidationsansätze deutlich größer ist. Zudem ist nach Erkenntnissen der Deutschen Bundesbank vor allem bei größeren Instituten der Liquidationsansatz stärker verbreitet, wobei jedoch deren Anzahl in der Studie insgesamt sehr gering und damit für statistische Analysen wenig aussagekräftig ist.

Einen Schwerpunkt der Studie bildet die Frage der Konsistenz der jeweils gewählten Steuerungsansätze. Hierzu wurden das Risikotragfähigkeitskonzept nach barwertigen Ansätzen, bilanziellen Ansätzen und Mischformen (barwertig & bilanziell) eingestuft und jeweils vor dem Hintergrund der Zielsetzung von Fortführungs- bzw. Liquidationsansatz untersucht. Während bei den Fortführungsansätzen erwartungsgemäß die bilanziellen Ansätze sehr deutlich überwiegen, finden sich bei den Liquidationsansätzen neben den erwarteten barwertigen Ansätzen auch eine größere Anzahl an bilanziellen Ansätzen bzw. Mischformen. Aus Sicht der Deutschen Bundesbank ist dies insbesondere mit der einfacheren Ermittlung zu begründen (barwertnahes Konzept).

 

Analyse des Risikodeckungspotenzials

Die Deutsche Bundesbank hat in der Studie die Ableitung des Risikodeckungspotenzials differenziert nach bilanziellen und barwertigen Größen näher analysiert. Für die bilanzielle Ableitung wird überwiegend die Rechnungslegung nach HGB genutzt, wobei im Fortführungsansatz vor allem das bilanzielle Eigenkapital, der Fonds für allgemeine Bankrisiken und die Reserven nach § 340f HGB eine wichtige Rolle spielen. Als Abzugspositionen vom Risikodeckungspotenzial nach HGB im Fortführungsansatz sind insbesondere das aufsichtlich erforderliche Eigenkapital (CRR Mindestanforderung), die Kapitalpufferanforderungen sowie der SREP-Zuschlag zu nennen. Die seltener genutzten, barwertigen Ansätze zur Ableitung des Risikodeckungspotenzials im Liquidationsansatz werden vor allem vom jeweiligen Nettovermögenswert bestimmt.

Einen wichtigen Aspekt in der Studie nimmt die Untersuchung der Allokation des vorhandenen Risikodeckungspotenzials ein. In Verbindung mit der jeweiligen Verteilung auf die einzelnen Risikoarten ist die Allokation für die Frage der Steuerungsrelevanz der Risikotragfähigkeit entscheidend. Eine zu enge Setzung von Limiten mit hoher Auslastung führt zu häufigen Limitbrüchen, während bei zu geringen Limitauslastungen diese keine begrenzende steuernde Wirkung entfalten. Zudem weist die Deutsche Bundesbank darauf hin, dass ein ausschließlich risikoartenübergreifendes Gesamtbanklimit, d. h. der Verzicht auf eine Limitierung auf Ebene der einzelnen Risikoarten, regelmäßig für eine effektive Steuerung nicht ausreicht.

Als Ergebnis der Studie ist mit der Allokation des Risikodeckungspotenzials und Limitierung bei einer großen Anzahl an Instituten die Voraussetzung für eine effiziente Steuerung gegeben. Im Einzelfall besteht aber auch noch Verbesserungsbedarf bei der Steuerungsrelevanz.

 

Auswertung zu den Risikoarten

In der Studie werden zudem die Risikoarten näher analysiert, wobei die Deutsche Bundesbank nach Adressrisiken, Marktpreisrisiken, operationellen Risiken und sonstige Risiken differenziert.

Die jeweiligen Risikodefinitionen und Messmethoden sind für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken deutlich von der jeweiligen Verbandszugehörigkeit geprägt. So sind die tendenziell höheren Marktpreisrisiken bei Sparkassen gegenüber den Genossenschaftsbanken insbesondere auf die unterschiedliche Zuordnung der Credit-Spread-Risiken zurückzuführen.

 

Quelle: Vgl. Deutsche Bundesbank, a.a.O., S. 38.

 

In den sonstigen Risiken sind auch die Refinanzierungsrisiken enthalten, die von LSI wohl häufig über Puffer abgedeckt werden. Insoweit konnten diese nicht separat ausgewiesen werden, obwohl diese bei einer Vielzahl an LSI vermutlich wesentlich sind.

Das Konfidenzniveau im Fortführungsansatz beträgt regelmäßig mindestens 95 %, bei Liquidationsansätzen mindestens 99 %. Mit Blick auf die Höhe der Konfidenzniveaus in der Risikotragfähigkeit hat die Aufsicht in ihrer Untersuchung ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Institutsgruppen festgestellt. Während bei Genossenschaftsbanken der Anteil der Institute, die die Risiken im Fortführungsansatz mit ≥ 99,0 % messen, mit rd. 71 % am höchsten ist, beträgt dieser Anteil bei den Sparkassen lediglich rd. 36 %. Bei den Sparkassen ist der Anteil, die im Fortführungsansatz ein Konfidenzniveau von ≤ 95 % anwenden, mit rd. 64 % höher als bei allen übrigen Institutsgruppen. Die Haltedauer entspricht häufig dem Risikohorizont in der Risikotragfähigkeit. Aufgrund des hohen Validierungsaufwands und der geforderten Stabilität ist es wenig überraschend, dass nur noch sehr wenige Institute Diversifikationseffekte zwischen den Risikoarten ansetzen (Inter-Risikodiversifikation). Bezüglich der Intra-Risikodiversifikation, d.h. der Effekte innerhalb einer Risikoart, gibt es jedoch keine Aussage in der Studie, da diese nicht im Meldebogen erfasst werden. Weitere Faktoren, wie bspw. die eingesetzten Methoden und Verfahren sowie deren Kalibrierung, die ebenfalls Auswirkungen auf die Höhe der gemessenen Risiken haben können, sind in der Studie nicht behandelt worden.

Allgemein lässt sich festhalten, dass vor allem größere Institute komplexere Messmethoden verwenden und daher das Prinzip der Proportionalität hierin Bestätigung findet. Komplexere Methoden erfordern grundsätzlich eine umfangreichere Validierung, sodass hiermit unmittelbar ein höherer Aufwand verbunden ist. Ferner ist auch ein Zusammenhang mit Liquidationsansätzen, in denen bei größeren Instituten ebenfalls eher komplexere Methoden zur Anwendung kommen, erkennbar.

Im Hinblick auf die einzelnen Risikoarten kommt die Aufsicht zu dem Schluss, dass die Adressrisikomessung stark von den Verbänden und deren zentral bereitgestellten Methoden und Verfahren beeinflusst wird. Ferner hat bei den Marktpreisrisiken die integrierte Risikomessung, d. h. die Messung aller Risikoausprägungen in einem einheitlichen, konsistenten Verfahren, zugenommen. Zudem hat die Deutsche Bundesbank festgestellt, dass in Einzelfällen bei den Marktpreisrisiken für Genossenschaftsbanken neben einfachen Verfahren auch komplexere Methoden Anwendungen finden. Dieses Ergebnis führt die Aufsicht auf die Nutzung zugelieferter Risikokennziffern von Fondsgesellschaften zurück. An dieser Stelle sei neben der Herausforderung zur Integration solcher Kennzahlen in die Gesamtbanksteuerung ebenfalls auf die besonderen Validierungsanforderungen bei der Nutzung externer Daten hingewiesen.

 

Zusammenfassung

Insgesamt kommt die Deutsche Bundesbank in ihrer Studie zum Ergebnis, dass die untersuchten Institute über eine gute Qualität in der Gesamtbanksteuerung verfügen. Nichtsdestoweniger wird in der Studie aber auch darauf hingewiesen, dass bestimmte Konzepte, wie Mischformen aus bilanziellen und barwertigen Komponenten innerhalb eines Steuerungskreises, regelmäßig nicht den aufsichtlichen Anforderungen an Konsistenz und Steuerungseffizienz entsprechen. Zudem war bei einer nennenswerten Anzahl an Meldungen auch die Datenqualität zu hinterfragen. Insoweit besteht aus Sicht der Aufsicht punktuell deutlicher Handlungsbedarf.

Vor dem Hintergrund der weiten Verbreitung der Fortführungsansätze und des neuen Leitfadens zur Risikotragfähigkeit sollten alle Institute das Thema Risikotragfähigkeit auf ihre Agenda setzen. Zu Recht weist die Aufsicht in ihrem Ausblick auf die Wirkung von SREP-Zuschlägen und dem grundlegenden Problem der Doppelanrechnung von Risiken im Fortführungsansatz hin. Eine Befassung mit dem neuen Leitfaden erscheint daher sinnvoll und notwendig.

 

Quelle: Eigene Darstellung

 

Wir verfügen über vielfältige Erfahrung in der Erarbeitung und Umsetzung von Risikotragfähigkeitsansätzen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Anpassung und Weiterentwicklung Ihres Risikotragfähigkeitskonzeptes.

 

Link: https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/studien/sicherstellung-der-risikotragfaehigkeit-bei-weniger-bedeutenden-instituten–lsi–776116

 

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