Vergleich von Sanierungsplänen hinsichtlich Belastungsszenarien

Am 8. Dezember 2015 hat die EBA die Ergebnisse einer vergleichenden Studie der Belastungsszenarien verschiedener Sanierungspläne von Kreditinstituten („Recovery planning Comparative report on the approach taken on recovery plan scenarios“) vorgelegt. Die EBA untersucht in dieser Analyse die Ansätze zur Auswahl und Beschreibung der Szenarien, die Auswirkungen der Szenarien auf die Institute sowie das Vorgehen, wie die Banken die Durchführbarkeit und die Plausibilität der eingesetzten Handlungsoptionen in den jeweiligen Szenarien beurteilen. Im Ergebnis zeigen sich viele gute Ansätze, jedoch auch einige Lücken, die noch in den Sanierungsplänen enthalten sind.

Gegenstand und Zielsetzung

Die hinsichtlich der Belastungsszenarien und -analyse untersuchten Sanierungspläne umfassen die Pläne von 19 international agierenden Bankengruppen aus 10 EU-Mitgliedsstaaten. Die 19 analysierten Banken weisen dabei insgesamt Vermögensgegenstände im Wert von über € 12,4 Billionen, d.h. circa ein Drittel des EU-Bankensektors, in ihren Bilanzen aus. Die Sanierungspläne wurden jeweils zwischen Mai 2014 und August 2015 von den Banken verabschiedet, sodass die Pläne teilweise deutlich vor Inkrafttreten der BRRD sowie den finalen Leitlinien über die bei Sanierungsplänen zugrunde zu legende Bandbreite an Szenarien[1] erstellt wurden.[2]

Ziel der Studie war es, einen Einblick in die bisherige Umsetzung der Anforderungen der BRRD zu geben und insbesondere aus Sicht der Aufsicht bestehende Verbesserungspotentiale aufzuzeigen. Zwar analysiert die Studie vor allem die größten Institute der EU mit einer relativ kleinen Anzahl an Plänen, gibt aber gleichwohl auch für kleinere Institute und deren Belastungsszenarien wertvolle Hinweise.

Die Belastungsszenarien wurden von der Aufsicht hinsichtlich der Auswahl und Beschreibung, der Angemessenheit der Sanierungsindikatoren sowie der Effektivität von Handlungsoptionen analysiert. Generell stellte die EBA in ihrer Studie fest, dass bereits einige Institute die Vorgaben der BRRD erfüllen und sich seit der letzten Studie im Jahr 2013 deutliche Verbesserungen gezeigt haben. Jedoch wird noch bei einer größeren Anzahl der Pläne Verbesserungsbedarf gesehen.[3]

Auswahl und Beschreibung der Szenarien

Hinsichtlich der Auswahl der Szenarien sowie deren im Sanierungsplan enthaltene Beschreibung hat die EBA insbesondere die folgenden Punkte näher analysiert:

  • Anzahl und Art der Belastungsszenarien
  • zeitliche Abfolge in den Szenarien
  • Zusammenhang der Belastungsszenarien im Sanierungsplan und inverse Stresstests

Alle Institute beschreiben mindestens drei Szenarien in ihren Sanierungsplänen. Der größte Teil der Sanierungspläne (8 Pläne) beinhaltet vier Szenarien. In einigen Sanierungsplänen besteht nach Auffassung der EBA Verbesserungsbedarf bei der Definition des Szenariotyps, da einige Szenarien nicht korrekt den einzelnen Kategorien „marktweit“, „idiosynkratisch“ und „kombiniert“ zugeordnet wurden. Hierzu hat die Aufsicht die häufigsten Auslöser für die marktweiten und idiosynkratischen Auslöser ausgewertet (siehe Abbildung).

Obwohl in vielen Plänen auf die Verbindung zwischen dem Stresstesting im Risikomanagement und der Belastungsanalyse im Sanierungsplan hingewiesen wurde, war in einigen Fällen diese Verbindung nicht deutlich genug beschrieben. Zudem konnte in nur wenigen Fällen der Rückgriff auf die inversen Stresstests festgestellt werden.

In einigen Plänen wurden lediglich statische Szenarien dargestellt. Diese können der Aufsicht aber keine ausreichende Einschätzung der zeitlichen Abfolge von Ereignissen im Szenario, wie z.B. zum Auslöser, zu der Entwicklung der Indikatoren und zu der Umsetzung der Handlungsoptionen, ermöglichen. Des Weiteren erschwert eine fehlende zeitliche Abfolge die Beurteilung der Governance-Prozesse.

Neben den drei oben genannten Schwerpunkten merkt die EBA noch an, dass in rund einem Drittel der untersuchten Pläne die verwendeten Szenarien im Hinblick auf das Institut nicht spezifisch genug beschrieben worden sind. In nur wenigen Plänen werden explizit die wesentlichen Geschäftsaktivitäten und kritischen Funktionen in die Szenarien einbezogen.

Quantitative Auswirkung der Auslöser in den Szenarien

Die Analyse der Szenarien hinsichtlich der Auswirkungen der Auslöser untersucht die folgenden Sachverhalte:

  • Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz-, Ertrags- und Risikolage des Instituts sowie auf die Geschäftsaktivitäten des Instituts,
  • Auswirkung auf die Indikatoren im Sanierungsplan und
  • Schweregrad der Szenarien, insbesondere ob die Szenarien ohne den Einsatz von Handlungsoptionen zum Ausfall oder Beinahe-Ausfall des Institutes führen.

In nur 8 der 19 Pläne wurden alle Dimensionen zur Vermögens-, Finanz-, Ertrags- und Risikolage sowie zu den Aktivitäten im Rahmen der Szenarien betrachtet. In den übrigen Plänen wurden hingegen lediglich einzelne der Dimensionen, häufig die Auswirkungen auf Kapital und Liquidität, abgedeckt. Die Auswirkungen auf die Geschäftsaktivitäten wurden bei der Mehrheit der untersuchten Pläne nicht analysiert. Ferner wurden in Einzelfällen ergänzend auch die Auswirkungen auf weitere Dimensionen, wie bspw. die Reputation, zusätzlich aufgenommen.

Die EBA stellte des Weiteren fest, dass in etwa zwei Dritteln der Pläne eine quantitative Darstellung der Entwicklung in den Szenarien enthalten ist. Lediglich bei 2 Plänen fehlten die quantitativen Angaben vollständig sowie bei 2 weiteren Plänen war die Entwicklung im Zeitverlauf nicht erkennbar. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass, wie zuvor ausgeführt, nicht in allen Fällen die Palette der geforderten Dimensionen abgedeckt wurde.

Die Verbindung zwischen den Sanierungsplanindikatoren sowie die Szenarien wurde von der EBA insgesamt als eine hervorzuhebende Schwäche bei vielen Plänen identifiziert. Weniger als ein Drittel der Pläne wiesen ein klar definiertes Rahmenwerk zu den Indikatoren, eine eindeutige Verbindung zwischen Indikatoren und Szenarien sowie eine ausreichende Quantifizierung der Indikatoren in den Szenarien, d.h. eine Beschreibung der Unter- bzw. Überschreitung der Schwellenwerte und Einschätzung der Schwere des Trigger-Bruches auf. Insbesondere war nach Aussage der EBA in vielen Fällen aufgrund unterschiedlicher Definitionen, bspw. relative statt absolute Angaben, bzw. ausschließlich qualitativer Beschreibungen des Bruchs der Schwellenwerte ein Nachvollzug nicht möglich. Ähnliches konnte die EBA auch für die Trigger zur Umsetzung von Handlungsoptionen feststellen, die in mehr als der Hälfte der Pläne nicht nachvollziehbar waren.

Umsetzbarkeit und Belastbarkeit der Verprobung der Handlungsoptionen

Der Vergleich der EBA hat sich zudem auch mit der Verprobung der Handlungsoptionen im Szenario befasst. Schwerpunkte dabei waren

  • die Anzahl der Handlungsoptionen, die in den Szenarien getestet werden,
  • die Priorisierung der Handlungsoptionen im jeweiligen Szenario sowie
  • die Berücksichtigung von Hindernisse zu den jeweiligen Handlungsoptionen.

Die EBA beobachtet im Rahmen ihres Vergleichs, dass alle Institute regelmäßig mehrere Handlungsoptionen in den Belastungsszenarien angewendet haben. Jedoch variiert die Anzahl stark zwischen 2 und 22 Maßnahmen. Einige Banken haben in ihren Szenarien zudem mehr als 70% der vorhandenen Handlungsoptionen getestet. Soweit Handlungsoptionen nicht berücksichtigt wurden, stellt sich die Frage nach deren Zweckmäßigkeit. Darauf aufbauend hat lediglich ein Institut eine Priorisierung der angewendeten Handlungsoptionen in den Sanierungsplan aufgenommen. Ein weiterer Sanierungsplan definiert zwar allgemeine Grundsätze zur Priorisierung der Handlungsoptionen, eine Rangfolge der einzelnen Handlungsoptionen ist jedoch nicht vorgesehen.

In lediglich 4 von 19 Plänen wurden die Hindernisse zur Durchführung der Handlungsoptionen nach Auffassung der EBA ausreichend identifiziert. Die weiteren Pläne beinhalten lediglich eine allgemeinere Beschreibung oder eine Beschreibung für einen Teil der Szenarien. Insoweit ist eine Beurteilung der Gesamtsanierungskapazität nicht möglich.

Darüber hinaus hat die EBA festgestellt, dass lediglich eine kleine Anzahl von Plänen eine klare Verknüpfung der Wirkung von Handlungsoptionen zu den Sanierungsindikatoren darstellt. Die Pläne, die eine solche Beschreibung enthalten, zielen jedoch oft nur auf wenige Sanierungsindikatoren, wie bspw. die CET1 und CT1, ab.

Fazit

Insgesamt stellte die EBA in ihrer Studie fest, dass im Vergleich zur ersten Analyse von 2013 deutliche Verbesserungen bei der Ausgestaltung der Szenarien in den untersuchten Sanierungsplänen zu verzeichnen sind. Gleichwohl besteht in einer Vielzahl an Plänen für eine vollumfängliche Erfüllung der Anforderungen aber weiterer Verbesserungsbedarf.

Aus den Erkenntnissen des EBA-Vergleichs lässt sich daher insbesondere der folgende Handlungsbedarf für die Kreditinstitute ableiten:

  • Die Institute sollten die Beschreibung der Szenarien hinsichtlich der ausreichenden Tiefe, insbesondere hinsichtlich der Darstellung der Annahmen, überprüfen und auf die Auswirkungen auf wesentliche Geschäftsaktivitäten und kritische Funktionen in den Szenarien eingehen.
  • Die Szenarien sind einer Analyse zu unterziehen, ob diese schwerwiegend genug ausgestaltet sind. Ferner sind insbesondere die inversen Stresstest angemessen einzubeziehen.
  • Die Institute sollten bei der Ausarbeitung der Szenarien auf eine ausreichend plausible und nachvollziehbare Abfolge der Ereignisse achten. Zudem sollten die geforderten Dimensionen anhand des definierten Indikatorensets vollständig abgebildet werden.
  • Hinsichtlich der Beschreibung zu den Handlungsoptionen sollten die Institute sicherstellen, dass die Hindernisse zur Implementierung nachvollziehbar dargestellt werden. Zudem sollte die Darstellung auch eine Ableitung der Gesamtsanierungskapazität sowie Priorisierung vor dem Hintergrund des jeweiligen Szenarios erlauben.

 

Link:

https://www.eba.europa.eu/documents/10180/950548/Report+on+benchmarking+scenarios+in+recovery+plans.pdf

http://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/sanierungs-und-abwicklungsplanung.html

 

Grafiken EBA-Vergleich Szenarien

 

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[1] https://www.eba.europa.eu/documents/10180/984909/EBA_2014_DE.pdf/89ceced9-c03b-4a0c-8180-18d0999fab24

[2] https://www.eba.europa.eu/documents/10180/950548/Report+on+benchmarking+scenarios+in+recovery+plans.pdf, S. 5.

[3] https://www.eba.europa.eu/documents/10180/950548/Report+on+benchmarking+scenarios+in+recovery+plans.pdf, S. 7 ff.

 

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