Schlagwort: Risikotragfähigkeit

Bleiben Sie auf dem laufenden - der Risikotragfähigkeit RSS-Feed

Sicherstellung der Risikotragfähigkeit bei weniger bedeutenden Instituten (LSI) Range of Practice

Im Februar 2019 hat die Deutsche Bundesbank eine neue Studie zur Risikotragfähigkeit (Range of Practice 2015-2017) vorgelegt. In der Studie werden die Risikotragfähigkeitsmeldungen von weniger bedeutenden Instituten (LSI) auf Basis des aufsichtlichen Meldewesen der Jahre 2015 bis 2017 ausgewertet. Im Ergebnis kommt die Deutsche Bundesbank zum Schluss, dass die deutschen Institute trotz einzelner struktureller Schwächen eine gute Qualität in ihrer Risikotragfähigkeitssteuerung aufweisen. Dennoch stehen die Institute aufgrund des in 2018 veröffentlichten neuen Leitfadens zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte vor bedeutendem Anpassungsbedarf.

Neue Verordnung zur Einreichung von Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationen (FinaRisikoV)

Am 4. Juli 2018 wurde die Verordnung zur Änderung der Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationenverordnung (FinaRisikoV) im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die überarbeitete FinaRisikoV ist damit zum 13. Juli 2018 in Kraft getreten und gilt für die Meldungen der Finanzinstitute. Für die Anwendung der neuen Meldebögen wurde eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2018 gewährt, Erleichterungen können teilweise sofort in Anspruch genommen werden.

Leitfaden zur Risikotragfähigkeit finalisiert

Die deutsche Aufsicht hat am 24. Mai 2018 den überarbeiteten Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“ final veröffentlicht, welcher den bisher gültigen Leitfaden aus dem Jahre 2011 ablöst. Gültig ist der Leitfaden lediglich für die nationale Bankenaufsicht in Deutschland. Somit sind in erster Linie alle nicht von der EZB direkt überwachten Institute von der Neuregelung betroffen. Jedoch orientiert sich der neue Leitfaden in Bezug auf die aufsichtliche Erwartungshaltung eng am aktuellen Entwurf der EZB für einen ICAAP-Leitfaden (siehe Blog „EZB veröffentlicht Entwürfe der ICAAP und ILAAP Leitfäden“ vom 12. März 2018), so dass EZB und nationale Aufsicht in Deutschland hier grundsätzlich gleichgerichtete Anforderungen an die Banken stellen.

MaRisk 2017, neue RTF und BAIT – Viel zu tun!

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat im Herbst die fünfte Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Banken (MaRisk BA RS 09/2017) veröffentlicht. Kurz nach den neuen MaRisk wurden auch die bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT RS 10/2017) veröffentlicht. Zusätzlich steht auch noch die Weiterentwicklung der Regelungen zur Risikotragfähigkeit an. Die Vielzahl der Neuerungen erhöht die Komplexität und führt häufig zu personellen Engpässen. Nachfolgend geben wir noch einmal einen übergreifenden Überblick über zentrale Veränderungen, die erwarteten Umsetzungsfristen und den erforderlichen Handlungsbedarf.

Neuer Leitfaden Risikotragfähigkeit – Konsultation der BaFin

Die BaFin hat – wie schon bei der Vorstellung des nationalen SREP-Konzepts im Mai 2016 bekannt gegeben – den Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“[1] inhaltlich und strukturell überarbeitet und am 6. September 2017 veröffentlicht. Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Neuerungen des Diskussionspapiers mit dem Titel „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung (ICAAP) – Neuausrichtung“. Ausführlichere Analysen, auch im Verhältnis zu den europäischen Regelungen, werden wir in späteren Blogbeiträgen veröffentlichen.

Weitere Details zu den sieben ICAAP-Grundsätzen

Am 20. Februar 2017 hat die EZB-Bankenaufsicht einen Brief bezüglich des mehrjährigen Projekts zur Entwicklung umfassender SSM-Leitfäden zum ICAAP und ILAAP für bedeutende Institute veröffentlicht. Im Zuge dessen hat die EZB detaillierte ICAAP- und ILAAP-Grundsätze herausgegeben, welche die Institute bis zum 31. Mai 2017 kommentieren können (vgl. hierzu unseren Blogbeitrag vom 6. April 2017).

PSI-Methode von BaFin und Bundesbank klassifiziert zusätzliche Institute als potenziell systemgefährdend

In einem Artikel im BaFin-Journal hat die BaFin darauf hingewiesen, dass erstmals 37 deutsche Kreditinstitute als potenziell systemgefährdend identifiziert wurden und künftig zusätzliche aufsichtliche Anforderungen erfüllen müssen[1]. Neben den bereits bestehenden Verfahren zur Identifizierung von G-SRIs (global systemrelevanten Instituten) und  A-SRIs (anderweitig systemrelevanten Instituten) beruht diese Einstufung auf der von BaFin und Bundesbank gemeinsam entwickelten PSI-Methode zur Bestimmung potentiell systemgefährdender Institute.

Erkenntnisse aus aufsichtlichen Prüfungen konkretisieren die Anforderungen an Risikotragfähigkeit und Stresstests

Nachdem unsere Reihe von Beiträgen bereits verschiedene (Schwerpunkt-)Themen des MaRisk-Konsultationsentwurfs vom 19. Februar aufgegriffen hat (Beitrag vom 22. Februar 2016) , soll dieser Beitrag die wesentlichen – zur Diskussion stehenden – Änderungen bei der Risikotragfähigkeit und den Stresstests beleuchten. Während die Institute dabei im Rahmen der Risikotragfähigkeit vor allem vor die Herausforderung gestellt werden, Intragruppenforderungen angemessen abzubilden, wird das Stresstest­universum um die Durchführung von Stresstests für das Gesamtrisikoprofil auf Instituts- und Gruppenebene ergänzt.

Die Auslastung der Risikotragfähigkeit kann steigen – die Qualität jedoch auch

Die Änderungen des AT 4.1 („Risikotragfähigkeit“) im MaRisk-Konsultationsentwurf sind überschaubar und lassen sich im Wesentlichen als „Best Practice-getriebene“ Konkreti­sierungen und Erläuterungen beschreiben. Eine der größten Änderungen ist die – nun an zentraler Stelle im AT 4.1 Tz. 9 u. 10 untergebrachte – komplexitätsinduzierte umfas­sende Validierung einzelner Komponenten der Risikotragfähigkeitsrechnung, bei der künftig eine angemessene (prozessuale und organisatorische) Trennung zwischen Methodenentwicklung und Validierung gewährleistet sein soll. Hiermit ist nicht zwingend eine „neutrale Stelle“ oder ein anderer Bereich gemeint; Mindestvoraussetzung aus Sicht der deutschen Aufsicht ist, dass unterschiedliche Personen mit Validierung und Entwicklung der Verfahren betraut sind. Seitens der europäischen Bankenaufsichtsbehörden lassen sich allerdings (zumindest für Säule 1-relevante Modelle) mittelfristig weitergehende Anforderungen an die Trennung zwischen Methodenentwicklung und Validierung erkennen (siehe z.B. auch das EBA-Konsultationspapier EBA/CP/2014/36 vom 12. November 2014).

Daneben werden die bestehenden Anforderungen an Daten aus anderen/externen Quellen für die Berechnung der Risikotragfähigkeit fixiert. Es soll nachvollziehbar sein, warum verwendete externe Daten die institutsindividuellen Verhältnisse wiedergeben.

Größere Änderungen bringt AT 4.5 („Risikomanagement auf Gruppenebene“). Die neu geforderte Überprüfung der Wesentlichkeitseinstufung bei zusammengefasster Betrachtung aller unwesentlichen Risiken für nachgeordnete Unternehmen, dürfte noch überschaubar sein. Die Einbeziehung von Intragruppenforderungen führt ggf. zu einem erhöhten Aufwand. Dieser ergibt sich aus dem Ansatz von (internen) Preisen, die sich an denen des externen Marktes orientieren müssen. Somit ist das jeweilige Ausfallrisiko anzusetzen. Sofern Institute die Intragruppenforderungen in ihren Berechnungen bislang nicht berücksichtigen, kannje nach Größe und Rating der Engagements – die Auslastung in der Risikotragfähigkeit steigen. Hierzu ist eine Analyse der eigenen Bestände notwendig, inwieweit die erforderlichen Daten erhoben werden können und welche Beträge in der Risikoermittlung anzusetzen sind.

Die in AT 4.1 Tz. 2 geforderte Berücksichtigung beider Zielsetzungen – Fortführung des Instituts und Schutz der Gläubiger in der Risikotragfähigkeit – i.V.m. dem Verweis auf den „Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“ vom 7. Dezember 2011 wird vor dem Hintergrund der laufenden europäischen Diskussion und der SREP-Anforderungen diskutiert (s. auch Risk-Blog-Beitrag vom 24.Mai 2016). In diesem Zusammenhang ist auch eine Novellierung des vorgenannten Rundschreibens im Nachgang zu der MaRisk-Novelle 2016 zu erwarten.

Eine weitere Konkretisierung mit potenziellen Auswirkungen auf die Risikotragfähigkeit hat die BaFin im BTR 2.3 Tz. 6 für Zinsänderungsrisiken (Marktpreisrisiken des Anlagebuchs) vorgenommen. Hiernach kann bei der Bestimmung der Risiken auf die Auswirkungen von Zinsänderungen auf das handelsrechtliche Ergebnis oder die Markt- bzw. Barwerte als primär steuerungsrelevantes Verfahren abgestellt werden. Die Auswir­kungen des jeweils anderen Verfahrens sind angemessen zu berücksichtigen. Sofern sich daraus weitergehende bedeutende Zinsänderungsrisiken ergeben, sind diese in die Risikosteuerungs- und –controllingprozesse sowie die Risikotragfähigkeit einzu­be­ziehen. Dies trägt auch zum Teil den Anforderungen der “EBA Guidelines on the Manage­ment of interest rate risk arising from non-trading activities” (EBA/GL/2015/08) Rechnung. Auch in diesem Zusammenhang ist eine weitere Konkretisierung der Anforde­rungen der Aufsicht – z.B. in Form einer Allgemeinverfügung – alsbald zu erwarten (s. auch Blog-Beitrag vom 20. November 2015).

Konkretisierende Regelungen bei Stresstests auf Instituts- und Gruppenebene

Die bestehende Anforderung zur Durchführung der Stresstests auf Gesamtinstitutsebene unter AT 4.3.3 Tz. 1 MaRisk wird in dem aktuellen MaRisk-Entwurf durch eine neue Tz. 2 konkretisiert. Regelmäßige und ggf. anlassbezogene Stresstests sind nun für das Gesamt­risikoprofil des Instituts durchzuführen. Darüber hinaus sind zusätzlich die potenziellen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Risikoarten kombiniert in einer Weise darzustellen, welche die Wechselwirkungen zwischen den Risikoarten berücksichtigen. Gleichzeitig hat die BaFin im MaRisk-Entwurf die Durchführung der regelmäßigen und ggf. anlass­bezogenen Stresstests auch für das Gesamtrisikoprofil auf Gruppenebene aufge­nommen (AT 4.5 Tz. 5). Während die konkretisierenden Anforderungen auf Institutsebene überwiegend einen eher niedrigen Aufwand darstellen, dürften die Anforderungen auf Gruppenebene bei einigen Häusern mit einer höheren Komplexität verbunden sein.

Fazit

Die Herausforderungen und Auswirkungen auf die Institute stellen sich zusammen­gefasst wie folgt dar:

  • Die bestehenden Validierungs-/Plausibilisierungsprozesse in der Risikotragfähigkeitsrechnung sind um eine Repräsentativitätsanalyse aller externen Daten zu ergänzen. Für umfas­sende Validierungen komplexer Verfahren ist eine angemessene Funktionstrennung zwischen Modellentwicklung und Validierung einzurichten.
  • Die Bewertung der Intragruppenforderungen ist an einer externen Betrachtung auszurichten, d. h. es ist insbesondere das jeweilige Ausfallrisiko zu berücksichtigen.
  • Es ist zu überprüfen, ob alle wesentlichen Risiken in den bestehenden Gesamtbankstresstest einbezogen werden. Darüber hinaus muss der Gesamtbank­stresstest geeignet sein, um die Wechselwirkungen der Risiken abzubilden. Auf Gruppenebene sind regelmäßige und ggf. anlassbezogene Stresstests für das Gesamtrisikoprofil durchzuführen.

 

WP StB Michael Maifarth

Telefon    +49 69 9585 2318

Mobil       +49 170 786 5727

michael.maifarth@de.pwc.com

WP Matthias Eisert

Telefon    +49 69 9585 2269

Mobil       +49 160 895 3260

matthias.eisert@de.pwc.com

Dr. Daniel Mantzel

Telefon    +49 40 6378 1646

Mobil       +49 151 1501 6010

daniel.mantzel@de.pwc.com

WP Dieter Lienland

Telefon    +49 211 981 4929

Mobil       +49 171 553 2631

dieter.lienland@de.pwc.com

 

EBA und EZB Stresstests 2016

Kürzlich veröffentlichte die EBA ein umfangreiches Dokumentenpaket zum anstehenden EBA Stresstest 2016. Darin enthalten sind auch die für den gleichzeitigen EZB Stresstest verwendete finale Methodik, die Szenarien sowie die allgemeinen FAQs. Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick über den anstehenden Supervisory Stresstest und stellt die Herausforderungen im Vergleich zum EBA/EZB Stresstest 2014 heraus.

Meldungen zur Risikotragfähigkeit konkretisiert

Ab 2015 müssen Kreditinstitute und übergeordnete Unternehmen erstmals Informationen zu ihrer Risikotragfähigkeit und den Verfahren zur Ermittlung der Risikotragfähigkeit an die Deutsche Bundesbank melden. Zur Konkretisierung der Pflichten wurde am 19. Dezember 2014 die FinaRisikoV (Verordnung zur Einreichung von Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationen nach dem Kreditwesengesetz) erlassen, die die bisherige FinaV (Finanzinformationenverordnung) ersetzt. Im Februar 2015 hat die Aufsicht ergänzend eine Allgemeinverfügung zur Einreichung von Informationen zur Risikotragfähigkeit (BaFin) sowie ein Merkblatt für die Meldungen gemäß §§ 10, 11 FinaRisikoV (Deutsche Bundesbank) veröffentlicht. Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die Inhalte der Regelungen.

/* */