PwC

Russland-News

Russland-News

Russland plant weitere Erleichterungen für ausländische Investoren


Im März 2011 hat die russische Staatsduma einen Gesetzesentwurf angenommen, der strategische Investitionen in den folgenden Sektoren erleichtern soll:

  • Öl-, Gas- und Bergbauindustrie
  • Bankensektor
  • Unternehmen, die bestimmte radioaktive Materialien benutzen
  • Unternehmen, die bestimme Arten von Bakterien zu industriellen Zwecken verwenden

 Öl-, Gas- und Bergbauindustrie

In der Öl-, Gas- und Bergbauindustrie sollen Erhöhungen des Stammkapitals von Unternehmen, die eine Lizenz zur Entwicklung von Bodenschätzen besitzen, erleichtert werden. Insbesondere soll bei solchen Transaktionen keine vorausgehende Zustimmung der russischen Regierungskommission für die Kontrolle ausländischer Investitionen in der Russischen Föderation erforderlich sein. Das gilt, wenn der Anteil der privaten ausländischen Investoren zehn Prozent der stimmberechtigten Aktien oder Geschäftsanteile nicht übersteigt.

Bankensektor

Kreditinstitute in Russland sind verpflichtet, ihre digitalen Daten mit besonderen Verschlüsselungsprogrammen zu schützen. Hierzu bedarf es einer Lizenz des russischen Geheimdienstes. Nach alter Rechtslage fallen auch kleine Banken unter diese Pflicht. Das führt dazu, dass sie als sogenannte strategische Unternehmen angesehen werden. Ausländische Investoren benötigen bei Beteiligungen an solchen Banken ebenfalls erst die Erlaubnis der Regierungskommission, des Föderalen Antimonopoldienstes und der russischen Zentralbank. Das ist sehr zeit- und kostenintensiv.

Die Neuregelungen sollen insbesondere Übernahmen von russischen Banken, an denen der russische Staat nicht beteiligt ist, oder den Erwerb von Mehrheitsbeteiligungen durch ausländische Investoren erleichtern. Für Beteiligungen an Banken, an denen der russische Staat Anteile hält, ist weiterhin eine Zustimmung der Regierungskommission erforderlich.

Radioaktive Materialien

Unternehmen, die radioaktives Material verwenden, müssen Lizenzen hierfür erwerben. Unabhängig davon, wie das verwendete Material nach seinem Gefahrenpotenzial eingestuft wird, gelten Unternehmen, die es verwenden, ebenfalls als "strategische Unternehmen". Das gilt auch für Krankenhäuser mit einer Röntgenabteilung. Das führt mitunter dazu, dass solche Unternehmen im Falle von Beteiligungen durch ausländische Investoren zunächst die Zustimmung der Regierungskommission für die Transaktion benötigen.

Die Vereinfachungen sollen jene Unternehmen betreffen, die radioaktives Material der niedrigsten Gefahrenstufe (Stufe 4) verwenden. Dazu gehören etwa Krankenhäuser. In diesem Fall soll eine Zustimmung der Regierungskommission nicht erforderlich sein.

Bakterien

Analog dazu sollen diejenigen Unternehmen, die Bakterien zu industriellen Zwecken verwenden, von der Pflicht zur Einholung einer Zustimmung für Transaktionen mit ausländischen Investoren befreit werden. Das gilt, wenn sie Bakterien der niedrigen Pathogenitätsgruppe IV verwenden.

Neue verfahrensrechtliche Regelgungen

Neben den neuen materiell-rechtlichen Regelungen sollen auch neue verfahrensrechtliche Regelungen eingeführt werden. Insbesondere sollen dem russischen Verteidigungsministerium und dem Geheimdienst 30 Tage anstatt bisher 20 Tagen zur Prüfung eventueller Risiken der geplanten Transaktionen eingeräumt werden. Ebenfalls soll die Frist für eine Einigung zwischen Geheimdienst und ausländischem Investor auf 30 Tage erhöht werden für den Fall, dass die Regierungskommission gewisse Bedingungen an ihre Zustimmung knüpft.

Die zweite Gesetzesnovelle wird der russischen Staatsduma voraussichtlich am 15. Mai 2011 vorgelegt.

Grundstückskauf in russischen Grenzgebieten – ein Tabu für Ausländer?


Ausländische private und juristische Personen dürfen in Russland grundsätzlich Grundstücke erwerben. Ausnahmen gelten für landwirtschaftliche Grundstücke und Grundstücke in grenznahen Gebieten. Lange war unklar, welche konkreten Gebiete zu "grenznahen Grundstücken" gehören. Eine Anordnung des russischen Präsidenten vom 9. Januar 2011 regelt diese Frage nun.

In welchen Grenzgebieten dürfen Ausländer keine Grundstücke erwerben?

  • Auf der Liste stehen insgesamt 380 Kommunen in zwölf Republiken, sieben Regionen, 24 Gebieten, einem autonomen Gebiet, drei autonomen Kreisen und in St. Petersburg. 
  • Somit sind Grenzgebiete in allen Nordkaukasus-Republiken betroffen und die meisten Gebiete Sibiriens und in Fernost.
  • Nicht betroffen sind das Moskauer Gebiet und benachbarte Gebiete von Mittel-Russland.
  • Im Kaliningrader Gebiet sind von der Anordnung alle Gebiete und die Stadt Kaliningrad außer den mittig liegenden Gebieten Gwardejski, Gusewski und Tschernjachowski Rajon betroffen. 
  • Im Belgoroder Gebiet unterliegen alle neun an die Ukraine grenzenden Gebiete der Beschränkung. Dazu gehört auch die Stadt Belgorod und somit der ganze Süd-Westen des Belgoroder Gebietes. 
  • Auch in der Stadt Sotschi und anderen an das Schwarze Meer und das Asowsche Meer angrenzenden Städten und Gebieten des Krasnodarsker Gebietes im Kaukasus-Vorland dürfen Ausländer keine Grundstücke erwerben. Dazu gehört auch das an Georgien grenzende Mostowsker Gebiet. 

Alternativen für ausländische Investoren

Ein unmittelbarer Grundstückserwerb in grenznahen Gebieten durch ausländische Personen ist nicht zulässig. Auch dürfen russische juristische Personen, deren ausländischer Anteil am Stammkapital mehr als 50 Prozent beträgt, laut Gesetz keine landwirtschaftlichen Grundstücke erwerben. Ausländische Investoren müssen sich bei landwirtschaftlichen Grundstücken mit einer geringeren Beteiligung zufrieden geben. Alternativ können sie ein (landwirtschaftliches) Grundstück durch eine mehrstöckige Beteiligung an einer Enkelgesellschaft erwerben. Zudem besteht auch die Möglichkeit, das Grundstück zu pachten und unter bestimmten Voraussetzungen die darauf stehende Immobilie zu erwerben.