Solvency II Blog

Update zum vierten EU Stresstest für Versicherungsunternehmen

Am 28. Mai 2018 sowie am 4. Juni 2018 veröffentlichte EIOPA einige Updates zum vierten europäischen Stresstests für Versicherungsunternehmen.

Für die Dokumente

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests,
  • Technische Informationen mit einer Anleitung zur Durchführung des Stresstests und
  • Templates für die Berichterstattung an EIOPA

wurden überarbeitete Versionen zur Verfügung gestellt.

Des Weiteren wurden Antworten zu den von den Stakeholdern gestellten Fragen in zwei Antwort-Sets gegeben (First set of Q&A, Second set of Q&A).

Der Zeitplan des Stresstests sieht, nach dem Einreichungstermin für die teilnehmenden Versicherungsunternehmen bei den nationalen Aufsichtsbehörden im August 2018, die Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse im Januar 2019 vor.

Für Hintergrundinformationen zum Thema siehe Blogbeitrag vom 15. Mai 2018.

BaFin Jahrespressekonferenz 2018

Am 3. Mai 2018 fand die Jahrespressekonferenz der BaFin statt. Mit Blick auf die Versicherungsbranche, hatten die folgenden Aspekte aus den gehaltenen Reden Bezug:

  • Stärkung der Europäischen Union durch effektive und konsistente Finanzaufsicht und Regulierung
  • Schaffung von gemeinsamen Standards ohne der „Überbürokratisierung“
  • Förderung von nachhaltigen Investitionen, die die Risiken aus Klima- und sozioökonomischen Veränderungen berücksichtigen, durch die Aufsicht und Regulierung
  • Auswirkungen der andauernden Niedrigzinsphase auf die Pensionskassen und das Risiko, dass ohne zusätzliches Kapital die Leistungen nicht erbracht werden können
  • Schutzmaßnahmen der BaFin vor Cyberkriminalität und Hackerangriffe

IAIS Updates im Mai

Am 23. Mai 2018 hat der International Association of Insurance Supervision (IAIS) seinen monatlichen Newsletter veröffentlicht. Im Fokus des Mai Newsletter standen die folgenden Themen:

  • Der IAIS möchte sich in Zukunft in seiner Arbeit noch stärker auf die aktuellen Markttrends und Risiken konzentrieren, wie z.B.  FinTechs, Cyberisiken und Klimawandel.
  • Darüber hinaus erfolgt die Vorstellung der Themen, die für das halbjährige „Supervisory Forum“ vorgesehen sind:
    • Cyberrisiken
    • Beaufsichtigung von Finanzkonglomeraten und Rückversicherungsunternehmen
    • Überführung einer Finanzaufsicht auf Makroebene in effektive Versicherungsaufsicht
    • Auswirkungen des Klimawandels auf die Versicherungsaufsicht
  • Der IAIS hat angekündigt, dass eine öffentliche Konsultation zu den  Insurance Core Principle 20 (Public Disclosure) für Juli geplant ist.
  • Im Rahmen des nächsten Steakholder Meetings im September, soll das Thema Sanierung und Abwicklung im Fokus stehen. Updates zu dem Thema sollen dann im Rahmen der nächsten Newsletter veröffentlicht werden. Ebenfalls ist bis Ende 2018 eine Konsultation in dem Zusammenhang geplant.
  • Am 16. Mai hat der IAIS das diesjährige Field Testing für freiwillig teilnehmende Versicherungsgruppen veröffentlicht. Die Datenübermittlung ist bis zum 31. August vorgesehen.
  • Der IAIS arbeitet aktuell an einem Diskussionspapier zum Thema: Anstieg der Nutzung von digitalen Technologien im Versicherungsbereich und die Auswirkungen auf den Verbraucher und die Aufsicht. Bisher gibt es noch keine Info, wann die Veröffentlichung geplant ist.
  • Die geplante ComFrame Konsultation ist auf August 2018 verschoben.
  • Weiterhin ist bis Ende 2018 eine Konsultation zu einem Rahmenwerk zum Thema Minderung von Systemischen Risiken geplant.

EIOPA Stellungnahme zu Auswirkungen des Brexit auf Solvency II

Am 18. Mai 2018 hat EIOPA eine Stellungnahme zu den möglichen Auswirkungen des Brexit auf Solvency II veröffentlicht. Die Stellungnahme richtet sich an die nationalen Aufsichtsbehörden, welche sicherstellen sollen, dass sich die ihrer Aufsicht unterliegenden Versicherer angemessen auf den Brexit am 30. März 2019 vorbereiten.

Mit dem Austritt aus der Europäischen Union würde Großbritannien zukünftig unter Solvency II als Drittstaat behandelt. Aufgrund der weiterhin bestehenden Unsicherheit hinsichtlich möglicher Übergangsphasen bleiben diese von EIOPA bei der veröffentlichten Stellungnahme unberücksichtigt. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sich Versicherer mit den Konsequenzen einer Drittstaatenbehandlung Großbritanniens auseinander setzen müssen.

EIOPA weist unter anderem darauf hin, dass das Risikomanagement von Versicherern sich mit den Auswirkungen des Brexit für das Unternehmen und den Risiken, die dadurch entstehen könnten, beschäftigen soll. Insbesondere innerhalb des ORSA sollen (mögliche) Auswirkungen und Risiken für das Unternehmen in einem Brexit-Szenario identifiziert, analysiert und letztlich berichtet werden.

Teilweise wird bei der Ermittlung des SCR, der versicherungstechnischen Rückstellungen und der Eigenmittel zwischen innerhalb und außerhalb der EU unterschieden. In der Stellungnahme führt EIOPA insbesondere folgende Punkte auf, die von einer Drittstaatenbehandlung Großbritanniens betroffen sein könnten:

  • Risikomindernde Wirkung von durch britische Banken und Investmentfirmen herausgegebene Derivate
  • SCR Berechnung für das Spreadrisiko, Marktkonzentrationsrisiko und Gegenparteiausfallrisiko auf Basis von Ratings von britischen Ratingfirmen
  • Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen für Verträge in Großbritannien
  • Rückversicherungsforderungen gegenüber britischen Rückversicherern
  • Berechnung der Matching- und Volatilitätsanpassung
  • Anrechenbarkeit von Akkreditiven und Garantien von britischen Kreditinstituten als Tier-2-Eigenmittel
  • Behandlung von Beteiligungen an britischen Finanz- und Kreditinstituten als Eigenmittel
  • Spreadrisiko und Marktkonzentrationsrisiko für britische Staatsanleihen
  • Risikomindernden Effekte von Rückversicherung durch britischen Versicherer
  • Behandlung von britischen SPVs (Special Purpose Vehicles)
  • Scope bei der Gruppenaufsicht
  • Genehmigung zur Anwendung eines internen Modells einer britischen Muttergesellschaft

Start des vierten EU Stresstests: Europäische Versicherungsgruppen im Fokus

Am 14. Mai 2018 war Start des vierten europäischen Stresstests für Versicherungsunternehmen. Der Stresstest 2018 legt dabei den Fokus auf große europäische Versicherungsgruppen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Insgesamt werden 42 Gruppen, davon die folgenden fünf aus Deutschland, teilnehmen:

  • Allianz SE
  • HDI V.a.G.
  • HUK-Coburg Versicherungsgruppe
  • MunichRe
  • R+V Versicherung

Neben der Zeitplanung stellt EIOPA zur Durchführung des Stresstests weitere Spezifikationen und Templates bereit:

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests
  • Technische Informationen mit einer Anleitung zur Durchführung des Stresstests
  • Templates für die Berichterstattung an EIOPA
  • Q&A Templates zur Einreichung von Fragestellungen an EIOPA
  • Hintergrundinformationen zum Stresstest
  • FAQs

Ziel des im Zeitraum 14. Mai bis 16. August 2018 durchgeführten Stresstests ist es die Widerstandsfähigkeit und Anfälligkeit der Gruppen auf mögliche unerwartete Entwicklungen zu bewerten und deren Maßnahmen zu beurteilen. Bis zum Ende der Frist müssen die teilnehmenden Gruppen ihre Berichtsformulare an die nationalen Aufsichtsbehörden übermitteln. Diese werden nach anschließender Validierung im September 2018 an die EIOPA zur Auswertung weitergeleitet.

Bis zum 14. Juni 2018 können die deutschen Teilnehmer Fragen zu den Unterlagen des Stresstest an die BaFin richten. Fragen mit europaweiter Bedeutung werden ebenfalls bis Mitte Juni regelmäßig auf der Internetseite der EIOPA beantwortet und veröffentlicht.

Bereits 2016 wurde ein Stresstest mit dem Fokus auf Lebensversicherungsunternehmen durchgeführt (siehe Blog-Beitrag vom 27. Mai 2016). Die Ergebnisse des EIOPA-Stresstest 2016 wurden in einem Abschlussbericht im Dezember 2016 veröffentlicht (siehe Blog-Beitrag vom 19. Dezember 2016). Einen entsprechenden Abschlussbericht zum diesjährigen Stresstest plant EIOPA im Dezember 2018 / Januar 2019 zu veröffentlichen.

Zweiter jährlicher Termin zur Veröffentlichung des SFCR

Heute, am 7. Mai 2018, sind die Versicherungsunternehmen zum zweiten Mal, nach der erstmaligen Berichterstattung im vergangenen Jahr (siehe Blog-Beitrag vom 22. Mai 2017), dazu aufgerufen den Bericht über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR) für das Geschäftsjahr 2017 zu veröffentlichen. Der SFCR soll im Laufe des Tages zur freien Verfügung auf der jeweiligen Homepage des Versicherers zu finden sein. Neben der Veröffentlichung des SFCR über die unternehmenseigene Homepage ist dieser bei der BaFin einzureichen. Darüber hinaus sind der Regular Supervisory Report (RSR) sowie die QRTs für die Jahresmeldung des Geschäftsjahres 2017 ebenfalls einzureichen.

EIOPA finalisiert Berichtspflichten für europäische Pensionsfonds

Am 10. April 2018 hat EIOPA ihre Entscheidung zu den Berichtspflichten für Pensionsfonds veröffentlicht. Darin detailliert EIOPA, welche Berichtspflichten in Zukunft auf die sog. „Institutions for Occupational Retirement Provision“ (IORP) und die zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden zukommen. In diesem Zusammenhang veröffentlicht EIOPA das finale Set an Reporting Templates, die von Juli bis Ende September 2017 Bestandteil der Konsultation von EIOPA und EZB waren (Siehe Blog-Beitrag vom 28. Juli 2017).

Das Ziel dieser Berichtspflichten ist es, den europäischen Sektor für betriebliche Altersversorgung durch einheitliche Berichtspflichten effektiv und konsistent zu überwachen. In diesem Zusammenhang sollen auch (mögliche) Auswirkungen des Sektors auf die europäische Finanzmarktstabilität analysiert werden.

Die zu übermittelnden Informationen beziehen sich auf drei Bereiche:

  1. Übermittlung von Informationen hinsichtlich der unterschiedlichen Positionen der Bilanz.
  2. Bereitstellung von Informationen zu angewandten Methoden und getroffenen Annahmen bei der Bewertung der Bilanzpositionen. Grundsätzlich sollen Vermögenswerte zu aktuellen Marktpreisen bewertet werden und Verbindlichkeiten nach national geltenden Standards. Dabei sollen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten unter Berücksichtigung des Going-Concern-Prinzips bewertet werden.
  3. Identifizierung von möglichen Trends im Sektor zwischen zwei Berichtsperioden.

Die Informationsübermittlung ist sowohl jährlich als auch vierteljährlich gefordert. Die vierteljährliche Berichterstattung ist im Umfang etwas reduziert. So müssen beispielsweise keine detaillierten Informationen über versicherungstechnische Rückstellungen übermittelt werden. Die vierteljährige Berichterstattung startet erstmalig ab dem dritten Quartal 2019, die jährliche Berichterstattung ist für das Berichtsjahr 2019 gefordert. Die Übersendung hat im XBRL Format zu erfolgen.

EIOPA Risk Dashboard – Viertes Quartal 2017

EIOPA hat am 27. April 2018 das Risk Dashboard für das vierte Quartal 2017 veröffentlicht (siehe hierzu auch Blog-Beiträge vom 26. Januar 2018 und 27. Oktober 2017). Wesentliche Erkenntnisse sind:

  • Das Risikoexposure für die Versicherungsbranche blieb im vierten Quartal 2017 stabil.
  • Trotz positiver makroökonomischer Entwicklungen sind niedrige Zinsen nach wie vor eine wesentliche Risikoquelle für Versicherer.
  • Kredit- und Marktrisiko liegen weiterhin auf mittlerem Niveau. Spreads verringerten sich weiter und Bedenken hinsichtlich potenzieller Risiko-Fehlbewertungen blieben bestehen. Die Volatilität der Aktienkurse ist gestiegen.
  • Die Medianwerte für alle Rentabilitätsindikatoren liegen weitgehend auf dem gleichen Niveau im Vergleich zum 4. Quartal 2016. Die Solvenzquoten blieben sowohl für Gruppen als auch für Einzelunternehmen hoch.
  • Die Auswirkungen der im dritten Quartal 2017 beobachteten Naturkatastrophen halten die versicherungstechnischen Risiken auf mittlerem Niveau.
  • Die Markteinschätzung war uneinheitlich: Aktien der Versicherer entwickelten sich besser als der Markt, gleichzeitig verschlechterten sich jedoch die externen Ratingaussichten für einige Versicherungsgruppen.

Die folgende Tabelle stellt die Bewertung und den Trend zusammengefasst dar. Diese wird quartärlich aktualisiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die folgenden Graphen zeigen die Entwicklung der Solvency II Quoten aller Versicherungs­unternehmen im Solvency II Regime zwischen Q1 2016 und Q4 2017. Als Mittelwert wurde der Median gewählt (Quelle: EIOPA Risk Dashboard).

IAIS Updates im April

Am 25. April 2018 hat der International Association of Insurance Supervision (IAIS) seinen monatlichen Newsletter mit den wesentlichen Updates zu den aktuellen Konsultationen, Berichten und den Aktivitäten der einzelnen Komitees veröffentlicht. Die folgenden Themen stehen im Fokus des April Newsletters:

  • Am 30. März 2018 wurde vom IAIS ein Entwurf eines Themenpapiers zur Konsultation veröffentlicht, das sich mit den Risiken durch den Klimawandel für den Versicherungssektor befasst. Die Kommentare konnten  bis zum 29. April 2018 eingereicht werden. Die Veröffentlichung der finalen Version ist für Juli 2018 geplant.
  • Der IAIS plant eine umfassende Konsultation zu ComFrame in Juli 2018 zu veröffentlichen, mit einer anschließenden Konsultationsphase von 90 Tagen. Die Konsultation soll dabei die folgenden Themen umfassen:
  1. Überarbeitetes ComFrame Material aus der Konsultation vom März – Juni 2017 (Insurance Core Principles – ICPs – 5, 7, 8, 9, 10, 12 und 25)
  2. Überarbeitetes ComFrame Material aus der Konsultation vom November 2017 – Januar 2018 (ICPs 8, 15, 16)
  1. Neues ComFrame Material, mit Bezug auf ICP 23, das sich auf die Identifizierung von international tätigen Versicherungsgruppen bezieh
  2. Insurance Capital Standards (ICS) Version 2.0
  • Am 17. Mai 2018 berichtet die „Accounting and Auditing Working Group“ des IAIS im Rahmen einer öffentlichen Konferenz zu seinen aktuellen und anstehenden Aktivitäten. Thema wird ebenfalls die geplante Überarbeitung des ICP 20 Public Disclosure sein, die voraussichtlich in Juli 2018 zur Konsultation veröffentlicht wird.

Schwerpunkte der Versicherungsaufsicht in 2018-2019

EIOPA und BaFin haben im Laufe des Aprils ihre Schwerpunkte der Versicherungsaufsicht für die kommenden Jahre 2018-2019 bekannt gegeben:

Schwerpunkte der EIOPA

Im Rahmen des veröffentlichten „Supervisory Convergence Plan for 2018-2019“ hebt EIOPA zunächst das übergeordnete Ziel der Versicherungsaufsicht hervor: den Schutz des Versicherungsnehmers sowie die Aufrechterhaltung der Finanzmarktstabilität durch effektive, effiziente und konsistente Aufsicht innerhalb Europas.