Solvency II Blog

EIOPA veröffentlicht Entwurf zur Taxonomie V2.2.0 für das Solvency II Reporting

Am 01. Juni 2017 veröffentlicht EIOPA einen Entwurf (sog. Public Working Draft) für die Taxonomie 2.2.0 und bittet um Kommentare bis zum 30. Juni 2017. Dieses Release ist die Weiterentwicklung der Taxonomie V2.1.0 vom Juli 2016. Eine finale Version der Taxonomie 2.2.0 soll Mitte Juli 2017 veröffentlicht werden. Diese soll dann für alle Meldeanlässe ab dem Referenzdatum 31.12.2017 Anwendung finden.

Die Veröffentlichung unterteilt sich in die folgenden Themenblöcke:

Draft List of Validations

Im Vergleich zu den bereits bestehenden Validierungsregeln aus Taxonomie 2.1.0 sind insgesamt 20 Validierungsregeln neu aufgenommen und 13 Validierungen gelöscht worden. Von den 20 neuen Validierungen bezieht sich insgesamt 13 auf Cross-Validierungen zwischen QRT S.05.01 (Premium Claims and Expenses by Line of Business) und S.26.05 (Solvency Capital Requirement – Non-Life underwriting risk). Darüber hinaus sind 6 übergreifende Validierungen für alle Templates und eine Cross-Validierung zwischen QRT S.02.01 (Balance Sheet) und S.06.02 (List of Assets) aufgenommen worden. Damit umfasst die Liste an Validierungen aktuell insgesamt 928 Checks.

Change Log

Das Change Log bietet eine detaillierte Übersicht über die vorgenommenen Änderungen im Datenmodell (Data Point Model) z.B. Hierarchien oder Metriken, sowie Änderungen der QRTs, welche auf Zellebene dokumentiert sind.

Die folgenden Änderungen sind hierbei insbesondere hervorzuheben:

  • Die Entry Points .21 und .22, die den jährlichen Public Disclosure QRTs (Solo & Gruppe) zugeordnet sind, wurden in der Taxonomie ergänzt. Davon betroffen sind sieben QRTs, die in der nachfolgenden Tabelle dargestellt sind.
QRT Name .21 (Public Disclosure Solo) .22 (Public Disclosure Group)
Non-life insurance claims S.19.01.21
Impact of long term guarantees measures and transitionals S.22.01.21 S.22.01.22
Own Funds S.23.01.22
Solvency Capital Requirement – for undertakings on Standard Formula S.25.01.21 S.25.01.22
Solvency Capital Requirement – for undertakings using the standard formula and partial internal model S.25.02.21 S.25.02.22
Solvency Capital Requirement – for undertakings on Full Internal Models S.25.03.21 S.25.03.22
Undertakings in the scope of the group S.32.01.22

 

  • Der Entry Point .23 wurde von “adh” (Ad Hoc Reporting) zu “tep” (Technical Entry Point) umbenannt. Da dieser technische Entry Point keinem Berichtsanlass zugeordnet ist, soll auf diese Weise die Flexibilität in der Datenübertragung an die lokalen Aufsichtsbehörden (NCAs) erhöht werden (z.B. Meldung einzelner QRTs).
  • Darüber hinaus wurde Template „T.99.01.01“ in der QRT Übersicht ergänzt. Hierbei handelt es sich um einen „Technical Table“, der allen Berichtsanlässen zugeordnet ist und in Zukunft mit zu melden wäre. Die genaue Funktion dieses Templates geht aus der Veröffentlichung bisher noch nicht hervor.

Erste Erkenntnisse aus den veröffentlichten SFCR

Am 22. Mai 2017 haben die Versicherungsunternehmen zum ersten Mal seit Inkrafttreten von Solvency II ihre Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR) auf Ebene der Einzelunternehmen für das Geschäftsjahr 2016 auf den Unternehmensinternetseiten veröffentlicht (siehe auch Blog-Beitrag vom 22. Mai 2017). Damit sind detaillierte Informationen als bisher über die Solvenzkapitalanforderungen sowie die Auswirkungen der verwendeten Übergangsmaßnahmen öffentlich verfügbar.

Auf Basis einer Auswahl von jeweils zehn deutschen Lebens-, Kranken- und Schaden-/Unfallversicherern haben wir eine erste Analyse der Solvabilitätsquoten, jeweils mit und ohne die verwendeten Übergangsmaßnahmen vorgenommen. In der gewählten Stichprobe kommt ein Internes Modell bei einem Lebens-, drei Kranken- und einem Schaden-/Unfallversicherer zur Anwendung. Ein weiterer Schaden-/Unfallversicherer nutzt ein partielles internes Modell. Alle übrigen Unternehmen berechnen ihre Solvabilitätskapitalanforderung mit der Standardformel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lebensversicherer in dieser Erhebung kamen auf eine Solvabilitätsquote von 341 % im Median, unter Berücksichtigung aller Übergangsmaßnahmen (einschließlich Volatilitätsanpassung). Bei den Krankenversicherungen lag die Solvabilitätsquoten zum 31. Dezember 2016 im Median bei 444 %. Die Schaden-/Unfallversicherer erreichten eine Quote von 222 %. Bei keinem der jeweils zehn Kranken- und Schaden-/Unfallversicherern in dieser Erhebung finden Übergangsmaßnahmen Anwendung.

Zieht man zum Vergleich das EIOPA Risk Dashboard aus April 2017 (Basis: 4. Quartal 2016¹) heran, kann man feststellen, dass die deutschen Lebensversicherer in dieser kleinen Stichprobe eine deutlich höhere Solvabilitätsquote als ihre europäischen Wettbewerber (208 %) haben. Bei den Schaden-/Unfallversicherer verhält es sich umgekehrt: Hier haben die deutschen Unternehmen eine niedrigere Solvabilitätsquote als ihre europäische Vergleichsgruppe (259 %).

Von den zehn Lebensversicherungsunternehmen in dieser Auswertung nutzen acht Unternehmen Übergangsmaßnahmen: Die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (Rückstellungstransitional) kommt bei sieben Unternehmen zur Anwendung; die Volatilitätsanpassung wenden acht Unternehmen an. Sechs Unternehmen verwenden sowohl die Übergangsmaßnahme für die versicherungstechnischen Rückstellungen als auch die Volatilitätsanpassung an. Die Übergangsmaßnahme bei Zinssätzen sowie Matching-Anpassungen werden von keinem Lebensversicherer verwendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Solvabilitätsquote der Lebensversicherer lag im Median bei 341 % unter Berücksichtigung aller Übergangsmaßnahmen. Ohne die Verwendung der Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (aber mit der Volatilitätsanpassung) sinkt der Median auf 150 %; ohne die Volatilitätsanpassung (aber unter Verwendung des Rückstellungstransitional) auf 292 %.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Verteilung der Solvabilitätskapitalanforderung (ohne Diversifikationseffekte) zeigen sich, je nach der betriebenen Sparte, Unterschiede. In der Stichprobe wurden zur besseren Vergleichbarkeit nur Unternehmen, welche die Standardformel anwenden, berücksichtigt: Während die Lebens- und Krankenversicherer im (arithmetischen) Mittel mit rund 58 % am stärksten gegenüber dem Marktrisiko exponiert sind, so kommt es für die Nichtlebensversicherer mit 39 % nur an zweiter Stelle.

Die stärkste Exponierung liegt hier mit rund 52 % beim versicherungstechnischen Risiko vor.  Für die Krankversicherer macht es fast 35 % der Solvabilitätskapitalanforderung aus, bei den Lebensversicherern sind es 39 %. Das Gegenparteiausfall- sowie das operationelle Risiko sind für alle Sparten von untergeordneter Bedeutung, da sie nur einen Anteil von 0,5 % bis 6 % an der Solvabilitätskapitalanforderung haben.

Die ersten Erkenntnisse werden wir auf Basis einer ausgeweiteten Stichprobe und weiterer Kennzahlen detaillieren.

 

¹Jährliches und YE-Berichtswesen haben die gleiche Datenbasis, jedoch werden unter Umständen im vierteljährlichen Berichtswesen vereinfachte Bewertungsmethoden angewendet.

Erstmaliger Termin zur Veröffentlichung des SFCR heute

Heute ist eine wichtige Deadline für alle, die sich in den vergangen Jahren mit Solvency II beschäftigt haben – die Veröffentlichung der Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR). Damit wird erstmalig umfassend über sehr viele unternehmensspezifische Themen berichterstattet und somit die öffentliche Transparenz massiv erhöht.

Bis zum Ende des heutigen Tages müssen alle deutschen Versicherungsunternehmen ihre SFCRs auf Ebene der Einzelunternehmen für das Geschäftsjahr 2016 auf den unternehmenseigenen Internetseiten veröffentlicht haben. Ebenso müssen der Bericht über Solvabilität und Finanzlage, der Regelmäßige Aufsichtliche Bericht (Regular Supervisory Report – RSR) sowie die jährlichen quantitativen Meldebögen (Quantitative Reporting Templates – QRTs) über das MVP-Portal an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) übermittelt werden. Für die Übermittlung der genannten Dokumente auf Gruppenebene sowie der Veröffentlichung des Gruppen-SFCR oder eines einzigen SFCR (sog. Single-SFCR) haben die Versicherungsunternehmen in Deutschland noch bis zum 3. Juli 2017 Zeit.

Ein erster Blick in die Berichte zeigt teilweise doch unterschiedliche Detaillevel in denen Versicherer Einblicke in die erforderlichen Themen (bspw. Umsetzung des Risikomanagements, potentielle Auslagerungspolitik, unternehmenseigenes Risikoprofil und insbesondere Angemessenheit des Governance Systems) geben.

EIOPA startet EbAV-Stresstest 2017

Am 18. Mai 2017 wurde zum zweiten Mal (vgl. auch Blog-Beitrag vom 21. Mai 2015) der europaweite EIOPA-Stresstest für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) gestartet. Die teilnehmenden Einrichtungen müssen ihre Ergebnisse bis zum 13. Juli 2017 bei den nationalen Aufsichtsbehörden einreichen, welche ihrerseits die gesammelten Rückmeldungen bis zum 22. August 2017 bei der EIOPA einreichen müssen.

Das Ziel des Stresstests ist eine Abschätzung der Belastbarkeit der europäischen EbAV unter adversen Kapitalmarktszenarien mit einheitlichen Methoden. Zudem soll analysiert werden, wie die Pensionskassen und Pensionsfonds den unter adversen Kapitalmarktszenarien entstehenden Schock auf die Realwirtschaft und Finanzmärkte übertragen.

Einbezogen in den Stresstest werden alle Länder des EWR, in denen der EbAV-Sektor 500 Millionen Euro an Kapitalanlagen überschreitet. Dabei setzte sich EIOPA zum Ziel, dass mindestens die Pensionskassen und Pensionsfonds, die für 50% der Gesamtkapitalanlagen im EbAV-Sektor des jeweiligen Landes verantwortlich sind, am Stresstest teilnehmen. In Deutschland nehmen laut BaFin-Angaben ausgewählte Pensionskassen und Pensionsfonds am Stresstest teil, allerdings werden die Namen der teilnehmenden Einrichtungen sowie der Unternehmen, die diese finanzieren, nicht bekanntgegeben.

Der Stresstest enthält ein sogenanntes „Double-Hit“ Stress-Szenario, das von EIOPA in Kooperation mit dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken entwickelt wurde. Dieses Stress-Szenario besteht zum einen aus einer Senkung der risikolosen Zinssätze, was tendenziell die Höhe der Verpflichtungen der EbAV erhöht. Die zweite Komponente ist ein Rückgang der Marktwerte der Kapitalanlagen. Dadurch wird erreicht, dass sich der Schock auf beiden Seiten der Bilanz niederschlägt. Der Stresstest erfolgt sowohl nach nationalen Bewertungsregeln, als auch nach einer von EIOPA entwickelten europaweit einheitlichen, marktkonsistenten Bewertungsmethodik.

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung am 18. Mai 2017 in Frankfurt stellte EIOPA den Teilnehmern praktische Informationen zur Testdurchführung bereit und bot Mitarbeitern der EbAV, der nationalen Aufsichtsbehörden sowie Vertretern anderer Interessengruppen die Möglichkeit, sich zu diesem Thema auszutauschen.

Für die Durchführung des Stresstests stellt EIOPA auf ihrer Webseite mehrere Spezifikationen und Templates bereit:

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests
  • Quantitative und qualitative Fragebögen
  • Templates für die Einreichung der Ergebnisse an EIOPA
  • Technische Informationen zu Inputdaten (EIOPA-Zinsstrukturkurven)
  • Berechnungs-Tool sowie
  • Hintergrundinformationen zum Stresstest

Darüber hinaus will EIOPA regelmäßig Fragen der teilnehmenden Versicherungsunternehmen und die dazugehörigen Antworten veröffentlichen.

Die Veröffentlichung des Stresstest-Berichts, in dem die Ergebnisse von EIOPA in Zusammenarbeit mit nationalen Aufsichtsbehörden analysiert werden sollen, ist für Dezember 2017 angedacht.

BaFin veröffentlicht Rundschreiben zu Änderungen an internen Modellen

Die BaFin hat am 27. April 2017 das Rundschreiben 4/2017 mit Hinweisen zu Änderungen am internen Modell von Versicherungsunternehmen unter der Aufsicht der BaFin veröffentlicht (zur Konsultationsphase vgl. Blog-Beitrag vom 21. November 2016).

Das Rundschreiben gilt für alle Erst- und Rückversicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen, die gem. §§ 111, 262 VAG bei der Berechnung der Solvenzkapitalanforderungen ein von der BaFin genehmigtes (partielles) internes Modell verwenden.

Das Rundschreiben gliedert die Hinweise in folgende Anwendungsbereiche:

  • Modellgenehmigung und -erweiterung
  • Größere Modelländerungen (inkl. Akkumulierung kleinerer Änderungen zu einer größeren)
  • Kleinere Modelländerungen
  • Änderungen der internen Leitlinie für Modelländerungen
  • Modellaktualisierungen

Das Rundschreiben wurde im Vergleich zur Konsultationsphase hinsichtlich folgender Punkte inhaltlich spezifiziert:

Änderungen aufgrund neuer Gesetze, aufsichtlicher Auslegungsentscheidungen oder Bewertungsmethoden unterliegen – auch bei kurzfristigem Umsetzungsbedarf – denselben Anforderungen an größere bzw. kleinere Modelländerungen. Sofern sich daraus Inkonsistenzen der Methoden für die Ermittlung der Solvabilitätsübersicht und der Kapitalanforderung ergeben, sind die Auswirkungen isoliert und in Kombination zu betrachten bzw. zu beurteilen sowie ggf. der BaFin unverzüglich anzuzeigen und mittels Modelländerungsantrag einzureichen.

Modellaktualisierungen dürfen in sehr engem Rahmen außerhalb der Anforderungen an Modelländerungen erfolgen (z.B. Parameteränderungen, vgl. Tz.1.19 Leitlinie 6 der Leitlinien zur Verwendung interner Modelle, EIOPA-BoS-14/180 DE).

Für die Akkumulierung kleinerer Modelländerungen gilt der Zeitpunkt der Antragstellung (für größere Modelländerung/-en) als neuer Bezugspunkt für eine erneute Kombination der ab diesem Zeitpunkt vorgenommenen kleineren Modelländerungen. Dieser Zeitpunkt gilt mit Genehmigung der Antragstellung (für größere Modelländerung/-en).

EIOPA veröffentlicht Vorschläge zur Anpassung der QRTs

Am 21. April 2017 veröffentlichte die EIOPA eine Reihe von wichtigen Änderungen im Bezug auf die technischen Durchführungsstandards für die Berichterstattung und Offenlegung. Diese beziehen sich zum einen auf die Übermittlung von Informationen an die Aufsichtsbehörden (ITS on Reporting), zum anderen auf die Verfahren, Formate und Meldebögen für den Bericht über die Solvabilität und Finanzlage (ITS on Disclosure). Neben den technischen Durchführungsstandards sind ebenso die Leitlinien über die Berichterstattung zum Zwecke der Finanzstabilität sowie die Leitlinien für die Beaufsichtigung von Zweigniederlassungen von Versicherungsunternehmen aus Drittländern von den Änderungen betroffen.

Die betroffenen Dokumente wurden bereits überarbeitet und der Öffentlichkeit in einer vorläufigen Version zur Verfügung gestellt. Bis Montag, den 8. Mai 2017, haben alle Interessierten die Möglichkeit, die vorgeschlagenen Änderungen zu kommentieren.

Die vollständigen Unterlagen können hier heruntergeladen und eingesehen werden und umfassen die folgenden Dokumente:

  • Draft amendment of the ITS on Reporting
  • Draft amendment of the ITS on Disclosure
  • Draft Impact Assessment of the draft amendment of the ITS on Reporting
  • Revised Annex 1, 2 and 3 of the ITS on Reporting
  • Draft amendment of the Guidelines on Reporting for Financial Stability Purpose
  • Draft amendment of the Guidelines on the Supervision of Branches of Third-Country Insurance Undertakings

Die Änderungen bestehen sowohl aus redaktionellen als auch aus inhaltlichen Korrekturen, wie beispielsweise der Bezeichnung von einzelnen QRT-Zellen, Referenzen zu anderen QRT-Zellen sowie detaillierteren Ergänzungen für die Beschreibung der QRT-Zellen, um somit zukünftig Unklarheiten zu vermeiden.

Auslegungsentscheidung zu vorhersehbaren Dividenden

Die BaFin hat am 19.04.2017 eine Auslegungsentscheidung zu vorhersehbaren Dividenden veröffentlicht. Darin wird klargestellt, dass vorhersehbare Dividenden von den Eigenmitteln abzuziehen sind, sofern die Höhe der zu zahlenden Dividenden:

  • bis zum Vorlagezeitpunkt  der jährlichen Berichterstattung (Ablauf der Frist), bzw.
  • zur Berichterstattung zum vierten Quartal

vorhersehbar ist.

Dividenden gelten als vorhersehbar, wenn diese von der Geschäftsleitung festgestellt bzw. genehmigt wurden. Eine etwaige Genehmigung durch die Hauptversammlung ist diesbezüglich unbeachtlich.

Die Abzugspflicht gilt auch für die vierteljährliche Berichtserstattung.

Auch wenn die Vorsehbarkeit spät eintritt, gilt die Abzugspflicht und löst ggf. eine Neuübermittlung der mit Meldebögen übermittelten Informationen aus.

Im SFCR (Bericht zur Solvenz- und Finanzlage) ist auf die in Abzug zu bringenden auszuschüttenden Dividenden hinzuweisen.

Auslegungsentscheidung zur Behandlung von Staatenrisiken

Die BaFin hat am 7. April 2017 eine Auslegungsentscheidung zur Behandlung von Staatenrisiken, d.h. Risiken, die sich aus der Anlage in Anleihen oder Darlehen gegenüber Zentralstaaten sowie gegenüber regionalen und lokalen Gebietskörperschaften ergeben, unter Solvency II veröffentlicht.

Die Auslegungsentscheidung richtet sich an alle inländischen Erst- und Rückversicherungsunternehmen. Ausgenommen sind Sterbe- oder Pensionskassen sowie kleine Versicherungsunternehmen i.S.d. VAG. Darüber hinaus sind Hauptadressaten Unternehmen, die die Standardformel anwenden, da wesentliche Staatenrisiken bei internen Modellen bereits individuell Berücksichtigung finden.

Nach den Anforderungen von Solvency II sind Versicherungsunternehmen insbesondere im Rahmen des Grundsatzes der unternehmerischen Vorsicht (Prudent Person Principle), innerhalb der unternehmensindividuellen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA) und im Rahmen der eigenen Kreditrisikobewertung zur intensiven Auseinandersetzung mit genannten Staatenrisiken und anderen Risiken verpflichtet. So zeigt die Auslegungsentscheidung diesbezüglich Grundsätze und Prozesse auf, die als „Good-Practice-Ansätze“ der BaFin zu verstehen sind und unter Berücksichtigung der Proportionalität als Orientierung zum Umgang mit Staatenrisiken und anderen Risiken im Risikomanagement dienen sollen.

Staatenrisiken und der Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht

Nach dem Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht dürfen Versicherungsunternehmen ausschließlich in Vermögenswerte investieren, deren Risiken sie hinreichend identifizieren, bewerten, überwachen, steuern, kontrollieren und in ihre Berichterstattung einbeziehen können und bei der Beurteilung des unternehmenseigenen Risikoprofils im Rahmen des ORSA angemessen berücksichtigen können. Die BaFin listet eine Reihe von Kriterien auf, welche als Hilfe bei der Entwicklung unternehmenseigener Risikoindikatoren für die Bewertung von Staatenrisiken verwendet werden können (vgl. EIOPA-Leitlinie 27 zum Governance System). Diese umfassen beispielsweise:

  • qualitative Aspekte wie z.B. rechtliche, politische, wirtschaftliche und finanzielle Situation des Schuldners, relevante volkswirtschaftliche Kennzahlen, Wettbewerbsfähigkeit des Staates, Situation des Arbeitsmarktes und Inflation, sowie
  • quantitative Faktoren wie z.B. Eintrittswahrscheinlichkeiten für den Ausfall der Anleihe eines Staates unter Berücksichtigung der Ansteckungsgefahr.

Gemäß dem Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht sollen die Unternehmen einen individuellen Grad an anzustrebender Sicherheit, Qualität, Liquidität, Rentabilität und Verfügbarkeit des Gesamtportfolios sowie Maßnahmen zu deren Erreichung festlegen und im Rahmen der Risikomanagementleitlinien zum Anlagerisiko dokumentieren. Zur Vermeidung von Risikokonzentrationen sowie der Auseinandersetzung mit dem Finanzmarktumfeld und mit eventuellen Zielkonflikten zwischen einzelnen Anlagegrundsätzen sind weitere Maßnahmen zur Mischung und Streuung im internen Anlagekatalog festzulegen. So auch in Bezug auf Staatsanleihen und Darlehen.

Staatenrisiken in der unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA)

Im Rahmen des ORSA sollen Unternehmen für Risiken aus Staatsanleihen und Darlehen in „ausreichend breitem Spektrum“ unternehmensindividuelle Stresstests oder Szenarioanalysen aufsetzen und den unternehmenseigenen Solvabilitätsbedarf für einzelne Staaten separat bestimmen. Hierbei können vergleichbare Staaten in Gruppen zusammengefasst und mit einem einheitlichen Unterlegungsfaktor gewichtet werden.

Die BaFin hebt im Zusammenhang mit der Bewertung zu Staatenrisiken nochmal die Anforderungen an die Analyse des unternehmenseigenen Risikoprofils und der Analyse von Abweichungen zu Annahmen der Standardformel hervor (vgl. Auslegungsentscheidung zum ORSA). Hierbei haben Unternehmen ein eigenes Konzept, insb. zur Wesentlichkeit aufzusetzen, wobei sie sich an Schwellenwerten der Level 2 Vorschriften (Delegierte Verordnung 2015/35/EG) orientieren können.

Staatenrisiken und die eigene Kreditrisikobewertung

Im Rahmen der unternehmenseigenen Kreditrisikobewertung haben Unternehmen die Auslegungsentscheidung mit Hinweisen der BaFin aus 2013 zu berücksichtigen. Darüber hinaus macht die BaFin deutlich, dass für die Überprüfung externer Staatsratings eigene Kriterien zur Bewertung im Rahmen der Risikomanagementleitlinie für das Anlagerisiko festzulegen sind. Hierzu verweist sie auf die Anforderungen im Rahmen des Grundsatzes der unternehmerischen Vorsicht.

BaFin veröffentlicht aktualisierte Hinweise zum Berichtswesen

Die BaFin hat am 29. März 2017 mit den Hinweisen zum Solvency-II-Berichtswesen für Erst- und Rückversicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen eine aktualisierte Fassung ihres Merkblatts zum Berichtswesen vom 16. Oktober 2015 veröffentlicht (vgl. unseren Blog-Beitrag vom 28. Januar 2016).

Während die Hinweise zur bisherigen Berichterstattung einschließlich der Erläuterungen zur Day 1-Berichterstattung nun nicht mehr enthalten sind, hat die BaFin ihre Erwartungen an die quantitative (QRT) und qualitative (SFCR, RSR, ORSA-Bericht) Berichterstattung nochmals konkretisiert und geht gegenüber der letzten Fassung auf weitere regulatorische Anforderungen näher ein. Weiterhin sind Abschnitte zu den Besonderheiten der Berichterstattung über die Solvenzkapitalanforderung bei Anwendern genehmigter Interner Modelle und zur Berichterstattung zum Zwecke der Finanzstabilität in der Veröffentlichung der BaFin enthalten, welche allerdings gegenüber der vorherigen Fassung kaum verändert wurden.

Als Aktualisierung im Hinblick auf die quantitative Berichterstattung ist beispielhaft der Umgang mit Leerformularen, leeren QRT-Zellen oder Vorzeichen in den QRTs zu nennen. Darüber hinaus gibt die BaFin nähere Erläuterungen zu den QRTs, beispielsweise wie gewisse Positionen den Zellen in den QRTs zuzuordnen sind.

Für die qualitative Berichterstattung nennt die BaFin beispielsweise die exakten Kontaktdaten, welche Versicherungsunternehmen bei Angabe der zuständigen Aufsichtsbehörde im SFCR nennen müssen. Als weiteres Beispiel ist der Hinweis der BaFin anzuführen, dass in aller Regel ein Hinweis im Kapitel E.2 „Solvenzkapitalanforderung und Mindestkapitalanforderung“ des SFCR erforderlich sein wird, dass der endgültige Betrag der Solvabilitätskapitalanforderung noch der aufsichtlichen Prüfung unterliegt, da es der Aufsichtsbehörde aufgrund der Fristenregelung normalerweise zeitlich kaum möglich sein wird, vor der Veröffentlichung des SFCR eine Prüfung der Berechnung der Solvenzkapitalanforderung vorzunehmen.

EU Kommission: Konsultation zur Wirksamkeit und Effizienz der europäischen Finanzaufsicht

Die Europäische Kommission hat am 21. März 2017 eine öffentliche Konsultation über die EU-Finanzaufsichtsbehörden (European Supervisory Authorities, ESAs) gestartet. Die Konsultation endet am 16. Mai 2017.

Im Rahmen der Konsultation soll untersucht werden, in welchen Bereichen die Wirksamkeit und Effizienz der Aufsicht für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA), der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) sowie der Wertpapieraufsicht (ESMA) gesteigert werden kann. In diesem Zusammenhang erfolgt eine umfängliche Überprüfung der europäischen Finanzaufsichten, die bereits in den EU-Verordnungen zur Gründung der Aufsichtsbehörden im Zuge der Finanzkrise vorgesehen war.

Die Konsultation umfasst insgesamt 32 Fragen, die die folgenden Themenfelder abdecken:

  • Optimierung der bisherigen Aufgaben und Befugnisse in Hinblick auf die aufsichtsrechtliche Konvergenz, Umgang mit rechtlich nicht-bindenden Maßnahmen der ESAs wie Leitlinien und Empfehlungen, Schutz von Konsumenten und Investoren, Durchsetzungsbefugnisse, Zugriff auf Daten sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Berichterstattung.
  • Neue Befugnisse für Aufsichtsrechtliche Aufgaben für Banken und Versicherungen, insbesondere auch die Genehmigung interner Modelle unter Solvency II.
  • Governance der ESAs, wie beispielsweise die Ausrichtung der Aufsichtsstruktur auf die aktuellen Herausforderungen der Finanzindustrie.
  • Finanzierung der ESAs.

Neben den ESAs richtet sich die Konsultation auch an die Behörden und Unternehmen, die eng mit den ESAs zusammenarbeiten. Hierbei handelt es sich vor allem um Finanzinstitute, nationale Aufseher und Ministerien, europäische Institutionen sowie weitere Marktteilnehmer, auf die sich die ESA-Regulierungen direkt oder indirekt auswirken. Darüber hinaus können auch Privathaushalte an der Konsultation teilnehmen.

Ausführliche Informationen zu der Konsultation hat die Europäische Kommission auf ihrer Website zusammengestellt.