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Steuern & Recht

Keine Ableitung des gemeinen Werts aus Verkäufen bei geplantem Börsengang


Der gemeine Wert nicht börsennotierter Aktien kann nicht aus Verkäufen abgeleitet werden, wenn nach den Veräußerungen aber noch vor dem Bewertungsstichtag weitere objektive Umstände hinzutreten, die dafür sprechen, dass diese Verkäufe nicht mehr den gemeinen Wert der Aktien repräsentieren und es an objektiven Maßstäben für Zu- und Abschläge fehlt, um von den festgestellten Verkaufspreisen der Aktien auf deren gemeinen Wert zum Bewertungsstichtag schließen zu können.

 

Ableitung aus Verkäufen nicht immer als Bewertungsmaßstab geeignet

In dem vom Bundesfinanzhof (BFH) entschiedenen Fall ging es um die Bewertung des verbilligten Sachbezugs aufgrund im Rahmen einer Kapitalerhöhung erworbener Aktien. Wenige Monate nach dem Erwerb durch den Arbeitnehmer erfolgten weitere Kapitalerhöhungen sowie der Börsengang des Arbeitgebers. Zu dieser Zeit lag der Unternehmenswert deutlich über dem Wert, der sich aus den unmittelbar vor Erwerb getätigten Verkäufen ergab.

Der gemeine Wert ist zwar grundsätzlich aus Verkäufen abzuleiten. Dies, so der BFH, gilt allerdings nicht uneingeschränkt, insbesondere wenn – allerdings noch vor dem Bewertungsstichtag – weitere objektive Umstände hinzutreten, die dafür sprechen, dass diese Verkäufe nicht mehr den gemeinen Wert der Aktien zum Bewertungsstichtag repräsentieren, und es an objektiven Maßstäben für Zu- und Abschläge fehlt, um von den festgestellten Verkaufspreisen der Aktien auf deren gemeinen Wert schließen zu können. In diesem Fall lässt sich aus den zuvor erfolgten Verkäufen innerhalb des Jahreszeitraums ebenso wenig der gemeine Wert der Aktien zum betreffenden Zeitpunkt ableiten, wie aus Verkäufen, die mehr als ein Jahr zurückliegen, um entsprechend den bewertungsrechtlichen Grundsätzen von den festgestellten Verkaufspreisen auf den gemeinen Wert als Ausdruck der Wertbestätigung am Markt schließen zu können. Bereits bei Präsentation des Börsengangs war die konsortialführende Bank von einer höheren Bewertung der Anteile ausgegangen. Da insofern die früheren Verkaufspreise keine objektiv korrekte Wertbestimmung ermöglichten, war der gemeine Wert der Aktien daher unter Berücksichtigung des Vermögens und der Ertragsaussichten der Aktiengesellschaft zu schätzen. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 29. Juli 2010 (VI R 30/07), veröffentlicht am 27. Oktober 2010