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Steuern & Recht

Finanzverwaltung konkretisiert Regelung zum häuslichen Arbeitszimmer


Das Bundesfinanzministerium hatte im Dezember 2010 zu den verfahrensrechtlichen Folgerungen aus dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer Stellung genommen. Jetzt hat sich die Verwaltung zum Anwendungsbereich und zu bestimmten Zweifelsfragen geäußert, die sich aufgrund der durch das Jahressteuergesetz 2010 geänderten einschlägigen Fassung des Einkommensteuergesetzes ergeben.

 

Arbeitszimmer als Mittelpunkt der beruflichen Betätigung

Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung dürfen grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Bildet das häusliche Arbeitszimmer jedoch den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, können die Aufwendungen in voller Höhe steuerlich berücksichtigt werden. Steht für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, sind die Aufwendungen bis zur Höhe von 1.250 Euro je Wirtschaftsjahr oder Kalenderjahr als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar. Der Betrag von 1.250 Euro ist kein Pauschbetrag. Es handelt sich um einen objektbezogenen Höchstbetrag, der nicht mehrfach für verschiedene Tätigkeiten oder Personen in Anspruch genommen werden kann.

 

Begriff des Arbeitszimmers

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der nach Lage und Funktion in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist. Das Bundesfinanzministerium (BMF) stellt klar, dass der betreffende Raum vorwiegend zur Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dienen muss, eine untergeordnete private Mitbenutzung von weniger als 10 Prozent sei unschädlich. Die Abtrennung der Räumlichkeit vom übrigen Wohnbereich ist erforderlich. Das BMF erläutert beispielhaft einzelne Abgrenzungsfälle und gibt Hinweise zur Beantwortung der Frage, was konkret unter einem „anderen Arbeitsplatz“ zu verstehen ist. Weiterhin geht das Schreiben auf die Art der betroffenen Aufwendungen ein und beschreibt ausführlich, wann von einem Mittelpunkt der beruflichen Betätigung ausgegangen werden kann. Ausführungen zur Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere Steuerpflichtige oder zu Ausbildungszwecken sowie zu einer nicht ganzjährigen Nutzung runden das Schreiben ab.

 

Zeitliche Anwendung

Die Regelungen sind rückwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2007 anzuwenden. Wird der Gewinn nach einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr ermittelt, ist die Vorschrift ab 1. Januar 2007 anzuwenden. Für den Teil des Wirtschaftsjahres, der vor dem 1. Januar 2007 liegt, ist noch die bis dahin gültige Fassung des Einkommensteuergesetzes maßgebend. (MH)

 

Fundstellen

BMF-Schreiben vom 2. März 2011 (IV C 6 – S 2145/07/10002) zu den praktischen Anwendungsfragen

BMF-Schreiben vom 15. Dezember 2010  zu den verfahrensrechtlichen Fragen