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Steuern & Recht

Werbungskosten bei einem Sprachkurs im Ausland


Ob unter der Sonne in Spanien, an der französischen Küste, im Herzen Englands oder im irischen Dublin: Immer mehr Veranstalter haben Sprachkurse für Berufstätige im Programm, die in der Ferne ihre Sprachkenntnisse aufpolieren wollen. Die Kosten der Anreise und Unterkunft können dabei unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Ob und in welchem Rahmen Aufwendungen für Sprachkurse steuerlich geltend gemacht werden können, beschäftigt regelmäßig nicht nur die Finanzverwaltung, sondern auch die obersten Finanzrichter beim Bundesfinanzhof. Mit einem Urteil vom 24. Februar 2011 hat der Bundesfinanzhof nunmehr entschieden, dass die Kosten für einen Sprachkurs im Ausland in der Regel nur anteilig als Werbungskosten abgezogen werden können. Bei der Ermittlung der abziehbaren Kosten kommt es nach dem Urteil nicht auf den zeitlichen Anteil des Sprachunterrichts an der Dauer des Auslandsaufenthalts an.

Die mit einer beruflichen Fortbildung verbundenen Reisekosten sind als Werbungskosten danach uneingeschränkt abziehbar, wenn die Reise ausschließlich oder nahezu ausschließlich der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist. Das ist bei auswärtigen Sprachlehrgängen ebenso wie bei sonstigen Reisen vor allem dann der Fall, wenn ihnen offensichtlich ein unmittelbarer beruflicher Anlass zugrunde liegt und die Verfolgung privater Reiseinteressen nicht den Schwerpunkt bildet. Ist die Reise auch privat mit veranlasst, kann nach der neueren Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) eine Aufteilung der Kosten und der Abzug des beruflich veranlassten Teils der Reisekosten in Betracht kommen. Die Aufteilung ist grundsätzlich nach dem Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile vorzunehmen.

 Sprachkurs im Ausland ist regelmäßig privat mit veranlasst

Der BFH hat nun entschieden, dass ein anderer als der zeitliche Aufteilungsmaßstab in Betracht zu ziehen sei, wenn die beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge nicht zeitlich nacheinander, sondern gleichzeitig verwirklicht würden. Das sei typischerweise bei einer Sprachreise der Fall. Die Wahl eines Sprachkurses im Ausland sei im Übrigen regelmäßig privat mit veranlasst. Im entschiedenen Fall hatte der Kläger, im fraglichen Zeitraum Zugführeroffizier bei der Bundeswehr, an einem Englischsprachkurs in Südafrika teilgenommen. Finanzamt und Finanzgericht ließen in der Folge die mit der Sprachreise verbundenen Kosten nicht zum Werbungskostenabzug zu. Der BFH hob diese Entscheidung auf und verwies die Sache an das Finanzgericht zurück. Die Vorinstanz habe danach erneut die berufliche Veranlassung des streitigen Sprachkurses zu prüfen. In diesem Zusammenhang weist der Senat darauf hin, dass Aufwendungen zum Erwerb von Grundkenntnissen bzw. allgemeinen Kenntnissen in einer Fremdsprache als Werbungskosten anzuerkennen sind, wenn diese Kenntnisse für die berufliche Tätigkeit ausreichen.

Hinweis: Wer beim Werbungskostenabzug auf Nummer sicher gehen will, lässt sich am besten vor Buchung des Sprachkurses vom Arbeitgeber bestätigen, welche Kenntnisse für den Job vertieft werden müssen, um Ihre berufliche Tätigkeit kompetent auszuüben können. Noch mehr überzeugt es das Finanzamt, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeiter gar für den Sprachkurs freistellt, Bildungsurlaub gewährt oder sich sogar an den Kosten beteiligt. (GS)

 Fundstelle

BFH-Urteil vom 24. Februar 2011, Az. VI R 12/10, veröffentlicht am 18. Mai 2011