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Steuern & Recht

Einheitliche Abschreibung für Wirtschaftsgüter eines Windparks


Ein Windpark besteht zwar aus mehreren selbständigen Wirtschaftsgütern. Wegen ihrer technischen Abstimmung aufeinander und der einheitlichen Bau-und Betriebsgenehmigung muss die Nutzungsdauer aller Wirtschaftsgüter des Windparks einheitlich bestimmt werden. Sie richtet sich dabei nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer der Windkraftanlagen.

 

Einheitlicher Nutzungs- und Funktionszusammenhang aller Wirtschaftsgüter

Bei einem Windpark handelt es sich nicht um ein unteilbares Wirtschaftsgut, sondern um mehrere selbständige Wirtschaftsgüter in Gestalt der einzelnen mit Fundament sowie interner Verkabelung einschließlich des jeweiligen Kompakttransformators, externer Verkabelung, Übergabestation und Zuwegung ausgestatteten Windkraftanlagen. Diese Windkraftanlagen bestehen aus Turm, Rotor und Generatorgondel einschließlich der mechanischen und elektrischen Bauteile. Fundiert und anhand technischer Einzelheiten verdeutlicht der Bundesfinanzhof (BFH) in seinem Urteil auch für Laien verständlich die Funktionsweise der Windkraftanlagen und erklären so, warum die einzelnen Bauteile nur mittels der technischen Verbundenheit ihren bestimmungsgemäßen betrieblichen Einsatz, die Einspeisung des mit Hilfe der Windenergie erzeugten Stroms in das öffentliche Stromnetz, erfüllen können und warum es somit an einer selbständigen Nutzungsfähigkeit der einzelnen Teile fehlt. Die genannten Wirtschaftsgüter haben nach den offiziellen AfA-Tabellen unterschiedliche Nutzungsdauern. Wegen ihrer technischen Abstimmung aufeinander und wegen der einheitlichen Bau- und Betriebsgenehmigung muss die Nutzungsdauer aller Wirtschaftsgüter des Windparks einheitlich bestimmt werden. Sie richtet sich nach der Nutzungsdauer der den Windpark prägenden Turbinen. Diese kann zwischen 12 und 16 Jahre betragen.

 

Kein Komponentenansatz nach IFRS

Eine darüber hinausgehende Aufteilung der Windkraftanlagen in weitere Komponenten, wie dies aufgrund des Komponentenansatzes nach den International Accounting Standards beziehungsweise den International Financial Reporting Standards möglich wäre, ist nach Meinung des BFH nicht geboten. Der Komponentenansatz beschreibt grundsätzlich die Zerlegung des physischen Vermögensgegenstandes für Zwecke der bilanziellen Bewertung in einzelne Bestandteile. Diese Standards haben für die steuerliche Gewinnermittlung jedoch keine Bedeutung und seien deshalb nicht geeignet, den für den steuerlichen Wirtschaftsgutbegriff maßgeblichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang zu ersetzen. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 14. April 2011 (IV R 46/09), veröffentlicht am 1. Juni 2011