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Steuern & Recht

Kosten für Neu-und Umbau eines Mehrfamilienhauses keine Werbungskosten


Bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung dürfen Aufwendungen dann nicht als Werbungskosten abgezogen werden, wenn es sich um Anschaffungs- oder Herstellungskosten handelt. In diesem Fall kommt nur eine Berücksichtig im Rahmen der planmäßigen Abschreibung in Frage. Werden wesentliche Teile eines Gebäudes oder eines Teils davon abgerissen und durch neue ersetzt, sind die entsprechenden Aufwendungen Herstellungskosten. Der Grund des Umbaus ist für die Beurteilung nicht ausschlaggebend.

 

 

Veränderung der bebauten Fläche hinsichtlich deren äußerer und innerer Gestaltung

Streitig war vor dem Bundesfinanzhof (BFH), inwieweit Kosten für den Teilabbruch eines vermieteten Mehrfamilienhauses sofort abzugsfähiger Aufwand darstellen. Das vermietete Gebäude bestand im nördlichen Teil aus einer Garage mit Werkstatt, Abstellraum und Treppenaufgang im Erdgeschoss (EG) und einer zusätzlichen dritten Wohnung im Obergeschoss (OG). Im Streitjahr wurden dort erhebliche Baumaßnahmen durchgeführt: Dort befindet sich nunmehr im EG eine neu errichtete Doppelgarage und im OG eine Wohnung, die gegenüber der zuvor vorhandenen Wohnung um ein Zimmer im OG des Gebäudes sowie um eine zuvor nicht vorhandene Dachgaube erweitert ist. Der Zugang zur der Wohnung im nördlichen Gebäudeteil befindet sich jetzt im Treppenhaus des südlichen Gebäudeteils. Am nördlichen Gebäudeteil wurde insbesondere das Fundament erneuert sowie die komplette Geschossdecke zwischen EG und OG und damit zugleich die gesamte ehemalige Wohnung im OG entfernt und erneuert. Der südliche Teil des Gebäudes, indem sich im EG und OG je eine Wohnung befindet, blieb im Wesentlichen bestehen. Die Steuerpflichtige war der Meinung, bei dem gesamten Gebäude handele es sich um ein einheitliches Wirtschaftsgut "Mehrfamilienhaus", das nicht neu hergestellt worden sei. Das Finanzamt hatte die Kosten für den nördlichen Teil als Herstellungskosten behandelt.

 

Keine Umgestaltung bebauter Räume, sondern (Teil-)Neubau

Der BFH sah dies genauso und lehnte die Klage ab. Herstellungskosten sind solche Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes (Wirtschaftsguts), seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Keine Instandsetzungs- und Modernisierungsaufwendungen liegen vor, wenn ein hinsichtlich seiner Größe und Funktion bedeutsamer Gebäudeteil abgerissen und neu errichtet wird. Dabei ist es ohne Belang, ob der Gebäudeteil lediglich im Hinblick auf die veränderten Wohnbedürfnisse der Eigentümer neu erstellt wurde, der Anbau dem persönlichen Geschmack der Nutzenden angepasst werden sollte oder aber der Abbruch wegen verdeckter Mängel erforderlich wurde. Nach Dafürhalten der Richter war von einem Neubau des nördlichen Gebäudeteils auszugehen. Denn die wesentliche Bausubstanz wurde hier ausgetauscht. Es entstanden eine neue Garage und eine Wohnung, die wegen der neuen Raumaufteilung anders und mit der der ursprünglichen Wohnung nicht mehr vergleichbar war. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 7. Dezember 2010 (IX R 14/10), als NV-Entscheidung bekannt gegeben am 15. Juni 2011