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Steuern & Recht

Begrenzung der Teilwertabschreibung bei Wertpapieren des Umlaufvermögens


Bei festverzinslichen Wertpapieren des Umlaufvermögens, die eine Forderung in Höhe des Nominalwerts der Forderung verbriefen, ist eine Teilwertabschreibung unter ihren Nennwert allein aufgrund gesunkener Kurse nicht zulässig.

 

Besondere Teilwertermittlung bei festverzinslichen Wertpapieren des Umlaufvermögens

Ein Wirtschaftsgut ist grundsätzlich mit seinen Anschaffungskosten in der Bilanz auszuweisen. Stattdessen kann der Teilwert angesetzt werden, wenn dieser aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung unter den Anschaffungskosten liegt. Eine Genossenschaftsbank hielt in ihrem Umlaufvermögen festverzinsliche Wertpapiere. Die Kurswerte von einigen dieser Wertpapiere waren am Bilanzstichtag unter die Anschaffungskosten gesunken; sie beliefen sich bei verschiedenen Papieren auf mehr und bei anderen auf weniger als die entsprechenden Nominalwerte. In der Zeit bis zur Aufstellung der Bilanz im Januar des Folgejahres hatten sich die Kurse verschiedener Papiere seit dem Bilanzstichtag erholt; bei einzelnen Papieren war es in der Zeit dazwischen zunächst zu Kurserholungen und später zu Kursrückgängen gekommen, durch die die zunächst eingetretenen Wertsteigerungen teilweise rückgängig gemacht worden waren. Die Bank machte eine Teilwertabschreibung wegen dauernder Wertminderung geltend. Das Finanzamt hatte dies insoweit abgelehnt, als die Kurswerte unter deren Nominalwert gefallen waren. Dies sah der Bundesfinanzhof (BFH) genauso und lehnte die Klage ab.

 

Keine Abschreibung der Wertpapiere unter den Nennwert

Ein Absinken des Teilwerts darf nur bis zur Höhe des Nennwerts der betreffenden Papiere steuerlich gewinnmindernd berücksichtigt werden.

Der Begriff der voraussichtlich dauernden Wertminderung bezeichnet im Grundsatz eine Minderung des Teilwerts, die – so der BFH – einerseits nicht endgültig sein muss, andererseits aber nicht nur vorübergehend sein darf. Ob eine Wertminderung voraussichtlich dauernd ist, muss unter Berücksichtigung der Eigenart des betreffenden Wirtschaftsguts beurteilt werden. Im Zusammenhang mit festverzinslichen Wertpapieren ist im Gegensatz zu im Anlagevermögen gehaltenen börsennotierten Aktien zu berücksichtigen, dass sie regelmäßig eine Forderung in Höhe des Nominalwerts des Papiers verbriefen. Der Inhaber eines solchen Papiers hat mithin das gesicherte Recht, am Ende der Laufzeit diesen Nominalwert zu erhalten. Diese Sicherheit hat er an jedem Bilanzstichtag, und zwar unabhängig davon, ob zwischenzeitlich infolge bestimmter Marktgegebenheiten der Kurswert des Papiers unter dessen Nominalwert liegt. Unter diesem Blickwinkel kann, falls kein allgemeines Bonitätsrisiko des Schuldners besteht, ein Absinken des Kurswertes unter den Nominalwert allenfalls nur vorübergehender Natur sein. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 8. Juni 2011 (I R 98/10), veröffentlicht am 17. August 2011