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Steuern & Recht

Erwerb von Hotelgutscheinen als Anzahlung umsatzsteuerpflichtig


Das bei Ausgabe von Hotelgutscheinen bezahlte pauschale Entgelt unterliegt als Anzahlung für die vereinbarte Vermittlungsleistung im Inland der Umsatzsteuer. Führt die Vermittlung hingegen später zu einer Hotelbuchung im Ausland, ist die Leistung nicht steuerbar: Entgelt und Steuerbetrag müssen dann berichtigt werden.

 

Verkauf der Hotelgutscheine als Vermittlungsleistung

Eine Ticketagentur vertrieb so genannte Hotelgutscheine (Hotelschecks). Der Kunde erwarb diese für einen Betrag von 49,90 EUR sowie einen Hotelkatalog, in dem über 2 500 Hotels im In- und Ausland aufgeführt waren. Die Hotels stellten das Hotelzimmer nicht gesondert in Rechnung, sofern der Kunde pro Kopf und Tag einen je nach Qualität des Hotels unterschiedlichen Betrag für Frühstück und Abendessen entrichtete. Den im Katalog für das betreffende Hotel angegebenen Betrag für die Mahlzeiten hatte der Gast in jedem Fall zu entrichten, auch wenn er die Mahlzeiten nicht einnahm. Das Hotelzimmer musste beim Vertragshotel selbständig gebucht werden. Das Finanzamt ging von einem steuerpflichtigen Leistungsaustausch (Leistungsort am Sitz der Agentur im Inland) aus, da der Kunde mit dem Erwerb das Recht erworben habe, die Hotelzimmer im Rahmen der Verfügbarkeit zu begünstigten Konditionen in Anspruch zu nehmen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) beurteilte dies differenzierter, indem er von einer Vermittlungsleistung ausging. Die Agentur hatte sich gegenüber den Erwerbern der Gutscheine verpflichtet, ihnen die Buchung von drei kostenlosen Übernachtungen in einem der im Katalog genannten Hotels unter den dort genannten Bedingungen zu ermöglichen. Dadurch bestand ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Vermittlungsleistung und Entgelt. Die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Ausgabe der Gutscheine noch nicht feststand, ob der Erwerber von dem Angebot Gebrauch macht und welches Hotel er wählt, erachtete der BFH dabei als unwesentlich.

 

Abweichender Leistungsort bei Umsätzen im Zusammenhang mit Grundstücken

Das gezahlte pauschale Entgelt unterlag als Anzahlung der Umsatzsteuer. Steht im Zeitpunkt der Anzahlung zwar die Art der Leistung fest – nämlich die Vermittlung einer Beherbergungsleistung in einem Hotel -, aber nicht, wo sie erbracht wird, unterliegen die Vermittlungsleistungen zunächst an dem Ort, von dem aus der Unternehmer sein Unternehmen betreibt, der Umsatzsteuer. Dies war im Inland. Da sich im vorliegenden Fall die vermittelte Leistung auf Hotelgrundstücke bezog, wird auch die Vermittlungsleistung am Belegenheitsort des betreffenden  Grundstücks ausgeführt. Aber: Sofern es zum Abschluss eines Beherbergungsvertrages mit einem ausländischen Hotel kommt, ist die Vermittlung im Inland nicht steuerbar und Bemessungsgrundlage und Steuerbetrag müssen nach § 17 Umsatzsteuergesetz berichtigt werden. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 8. September 2011 (V R 42/10), veröffentlicht am 11. Januar 2012