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Steuern & Recht

Kosten für häusliches Arbeitszimmer keine Werbungskosten


Bei einem Hochschullehrer und einem Richter ist das häusliche Arbeitszimmer grundsätzlich nicht der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, ein Werbungskostenabzug folglich nicht möglich. Der Bundesfinanzhof hat in zwei Urteilen damit erstmals zur rückwirkend ab 2007 geltenden Neuregelung der Abzugsbeschränkung  entschieden.

 

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, sowie die Kosten der Ausstattung sind grundsätzlich keine Werbungskosten. Sofern jedoch für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, können bis zu 1250 Euro steuerlich abgezogen werden. Die Beschränkung der Höhe nach gilt jedoch wiederum nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. Soweit die im Zuge des Jahressteuergesetzes 2010 aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken bereinigte Gesetzeslage. Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte nun in zwei Urteilen Gelegenheit, erstmals zur Neuregelung der Abzugsbeschränkung Stellung zu nehmen.

 

Prägende berufliche Tätigkeit findet außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers statt

Für die Berufsgruppen der Hochschullehrer (Urteil vom 27. Oktober 2011, VI R 71/10) und Richter (Urteil vom 8. Dezember 2011, VI R 13/11) bildet das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung – ein Abzug der Kosten als Werbungskosten scheidet folglich auch nach neuem Recht aus. Im Detail hat der BFH entschieden, dass der Mittelpunkt der gesamten Betätigung qualitativ und unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung zu bestimmen ist. Dies umso mehr, als die betreffenden Steuerpflichtigen jeweils lediglich eine einzige berufliche Tätigkeit ausübten. So ist bei einem Richter das häusliche Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt der Tätigkeit, weil die eigentliche richterliche Tätigkeit im Gericht ausgeübt wird und sich in Sitzungen und mündlichen Verhandlungen manifestiert. Entsprechendes gilt für den Hochschullehrer: Auch hier ist das häusliche Arbeitszimmer grundsätzlich nicht der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, weil die wesentliche Tätigkeit, nämlich die Lehre, in der Universität stattfinden muss. Auch eine zeitlich weit überwiegende Nutzung des Arbeitszimmers, so der BFH, könne keine Verlagerung des Mittelpunkts bewirken, da die das Berufsbild prägende Tätigkeit in jedem Fall außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers stattfindet. (MH)

 

Fundstellen

BFH-Urteile vom 27. Oktober 2011 (VI R 71/10) und 8. Dezember 2011 (VI R 13/11), veröffentlicht am 25. Januar 2012