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Steuern & Recht

Bilanzierung von Ablösezahlungen im Profi-Fußball


Bundesligavereine können Ablösezahlungen für Spielerwechsel nicht sofort steuerlich absetzen: Für die Nutzungsmöglichkeit an dem Spieler muss in der Bilanz ein immaterielles Wirtschaftsgut in Höhe der Ablösezahlungen zuzüglich etwaiger Provisionszahlungen an Spielervermittler ausgewiesen und entsprechend der Vertragslaufzeit abgeschrieben werden. Nicht zu aktivieren sind nur solche Provisionen, die im Zusammenhang mit einer ablösefreien Verpflichtung gezahlt werden.

 

Der klagende Verein hatte bisher aktivierte Spielerwerte in seiner Bilanz zum 30. Juni 2000 erstmals in voller Höhe abgeschrieben und künftige Neuzugänge nicht mehr aktiviert. Nach seiner Auffassung ergab sich aus dem Urteil des EuGH aus dem Jahr 1995 (C-415/93, Bosman), dass die Aktivierung von Anschaffungskosten für Spielerlaubnisse unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht gerechtfertigt sei. Der Bundesfinanzhof (BFH) widersprach dieser Einschätzung und bestätigte seine Rechtsprechung aus 1992.

 

Nutzungsmöglichkeit am Spieler als immaterielles Wirtschaftsgut

Die verbandsrechtlich abgesicherte exklusive Einsatzmöglichkeit eines Spielers stellt nach Meinung des Gerichts eine eigenständige Vermögensposition dar, die sich in der Bilanz niederschlagen muss. Bei der (durch Zahlung einer Transferentschädigung) entgeltlich erworbenen Spielerlaubnis handelt es sich um ein konzessionsähnliches Recht und folglich ein immaterielles Wirtschaftsgut, für das ein Aktivposten anzusetzen ist. Die Tatsache, dass die Spielerlaubnis nur dem Spieler gegenüber erteilt wird, schließt dies nicht aus, denn die Spielerlaubnis erstreckt sich auf die Tätigkeit des Spielers für den ihn verpflichtenden Verein und sichert dessen exklusives Einsatzrecht verbandsrechtlich ab. Solange die Verhältnisse auf dem Lizenzspielermarkt selbst nicht rechts- oder sittenwidrig sind, kann eine daran anknüpfende Bilanzierung und Besteuerung auch nicht als Verfassungsverstoß gewertet werden.

 

Keine aktivierungsschädlichen Berührungspunkte mit dem Arbeitsverhältnis

Auch ein Aktivierungsverbot nach den Grundsätzen über schwebende Geschäfte kam für den BFH nicht in Frage: Zwar sei davon auszugehen, dass die Fußballspieler aufgrund der getroffenen arbeitsvertraglichen Regelungen gegenüber dem Verein verpflichtet sind, ihre Arbeitsleistungen ausschließlich für diesen zu erbringen. Dies war jedoch im Lichte des für den Verein darüber hinausgehenden Vorteils nicht entscheidungserheblich, denn durch das organisierte Transfersystem entstand ein Lizenzspielermarkt, woraus sich ein Wertpotential für Spieler etabliert habe.

 

Provisionszahlungen an Spielervermittler sind Anschaffungsnebenkosten

Zu den Anschaffungskosten rechnen alle Aufwendungen des Erwerbers, die in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Anschaffung stehen. Wird eine Ablösevereinbarung getroffen, sind die in diesem Zusammenhang gezahlten Provisionen aktivierungspflichtige Anschaffungsnebenkosten. Denn dies ist eine Aufwendung, die der Verein tätigt, um die Nutzungsmöglichkeit an dem Spieler zu erlangen. Bei ablösefreien Spielern entfällt aber eine Aktivierung, weil die Nutzungsmöglichkeit nicht entgeltlich (nämlich durch Zahlung einer Ablösesumme) erworben wurde. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 14. Dezember 2011 (I R 108/10), veröffentlicht am 1. Februar 2012