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Steuern & Recht

Fahrtkosten bei Vollzeitbildungsmaßnahme und Vollzeitstudium unbeschränkt abziehbar


Der Bundesfinanzhof (BFH) revidiert seine Rechtsprechung: Er hat einer Studentin Fahrtkosten zur Hochschule im Rahmen eines Zweitstudiums als vorweggenommene Werbungskosten zuerkannt. In einem zweiten Fall wurden Aufwendungen eines Zeitsoldaten für Fahrten zur Ausbildungsstätte, die im Rahmen einer vollzeitigen Berufsförderungsmaßnahme angefallen waren, ebenfalls in tatsächlicher Höhe als Werbungskosten zugelassen.

 

Arbeitgeberfremde Bildungseinrichtung keine regelmäßige Arbeitsstätte

In Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung hat der BFH die Fahrtkosten einer Studentin zur Hochschule (Universität) im Rahmen eines Zweitstudiums als vorweggenommene Werbungskosten zum Abzug zugelassen (Urteil VI R 44/10). In dem Verfahren VI R 42/11 hat er Aufwendungen eines Zeitsoldaten für Fahrten zur Ausbildungsstätte, die im Rahmen einer vollzeitigen Berufsförderungsmaßnahme angefallen waren, ebenfalls in tatsächlicher Höhe berücksichtigt. Betroffen von der Rechtsprechungsänderung sind in erster Linie Steuerpflichtige in einer Zweitausbildung oder Steuerpflichtige, bei denen das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet.

Grundsätzlich sind Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte nur beschränkt, nämlich in Höhe der Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehbar. Als regelmäßige Arbeitsstätte hatten die höchsten Steuerrichter bislang auch Bildungseinrichtungen (z.B. Universitäten) angesehen, wenn diese über einen längeren Zeitraum zum Zwecke eines Vollzeitunterrichts aufgesucht werden. Fahrtkosten im Rahmen einer Ausbildung waren deshalb nicht in tatsächlicher Höhe, sondern nur beschränkt abzugsfähig. Hieran hält der BFH nicht länger fest. Auch wenn die berufliche Aus- oder Fortbildung die volle Arbeitszeit des Steuerpflichtigen in Anspruch nimmt und sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, ist eine Bildungsmaßnahme regelmäßig vorübergehend und nicht auf Dauer angelegt. Wie bei einer Auswärtstätigkeit habe in einem solchen Fall der Steuerpflichtige typischerweise nicht die Möglichkeiten, seine Wegekosten gering zu halten.

Aufwendungen für Dienstreisen können allerdings (auch bei Inanspruchnahme der Kilometerpauschale) steuerlich nur berücksichtigt werden, wenn der Steuerpflichtige Fahrtaufwand tatsächlich getragen hat. Bei Anwendung der Entfernungspauschale kommt es darauf nicht an. (MH)

 

Fundstellen

BFH-Urteile vom 9. Februar 2012 (VI R 42/11 und VI R 44/10), veröffentlicht am 28. März 2012