PwC

Steuern & Recht

Auflösungsgewinn bei Beteiligung in ausländischer Währung


Zur Berechnung des Auflösungsgewinns einer in ausländischer Währung angeschafften und veräußerten Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft sind sowohl die Anschaffungskosten als auch der Veräußerungspreis zum Zeitpunkt ihres jeweiligen Entstehens umzurechnen. Eine Umrechnung lediglich des Ergebnisses (Saldos) am Tag der Veräußerung bzw der Aufgabe ist nicht möglich.

 

In Fremdwährung angeschaffte und veräußerte wesentliche Beteiligung

Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) ging es um die Frage, wie der Erlös aus einer in Fremdwährung erworbenen Beteiligung bei Auflösung der ausländischen Kapitalgesellschaft steuerlich berechnet werden muss. Die Steuerpflichtige hielt eine wesentliche Beteiligung nach § 17 Einkommensteuergesetz (EStG) an einer Limited (Bahamas). Der an sie ausgekehrte Liquidationserlös bestand aus Wertpapieren (inkl. Stückzinsen) und diversen Geldüberweisungen, die beide sowohl auf US$ als auch auf Euro lauteten. Die Steuerpflichtige war der Meinung, bei einem einheitlichen Vorgang, nämlich Anschaffung und Veräußerung in Fremdwährung, sei erst der Saldo (Veräußerungsgewinn) umzurechnen. Andernfalls würde der Auflösungsgewinn rein rechnerisch erhöht, obwohl ein Wechselkursgewinn tatsächlich niemals über den Markt realisiert worden sei. Die Berechnung des Finanzamts, nach der sowohl die Anschaffungskosten als auch der Erlös aus der Auflösung jeweils in deutsche Währung umgerechnet werden, hielt auch der BFH für zutreffend.

 

Sowohl Anschaffungskosten als auch Veräußerungspreis umzurechnen

Der Veräußerungs- bzw. Auflösungsgewinn i.S. von § 17 EStG ist grundsätzlich in dem Zeitpunkt zu ermitteln, in dem er entstanden ist. Die für die Ermittlung des Aufgabegewinns maßgebenden Bemessungsgrundlagen (Anschaffungskosten, Veräußerungspreis, Veräußerungskosten) waren folglich im Zeitpunkt ihrer jeweiligen Entstehung in DM/Euro umzurechnen. Der Entstehenszeitpunkt ist auch maßgeblich für die Umrechnung der im Zeitpunkt der Anschaffung in ausländischer Währung entstandenen – historischen – Anschaffungskosten. Dabei ist es unerheblich, ob Anschaffung und Veräußerung/Liquidation in gleicher ausländischer Währung erfolgten oder nur einer der beiden Vorgänge.

 

Währungskursschwankungen mit Liquidationserlös zu verrechnen

Auch die Währungskursschwankungen gehörten in dem betreffenden Streitjahr zum steuerbaren Bereich, da sie unter den Veräußerungstatbestand nach § 17 EStG fallen und sich insofern auf die Höhe des steuerlichen Gewinns auswirken. Hiermit werde – so die Richter – nicht etwa eine nicht realisierte Vermögensmehrung besteuert. Um eine Beteiligung in fremder Währung anzuschaffen, muss diese Fremdwährung nämlich erst angeschafft, d.h. deutsche Währung eingetauscht werden. Die wirtschaftliche Belastung besteht in dem in deutscher Währung dafür investierten oder umgerechneten Betrag. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 24. Januar 2012 (IX R 62/10), veröffentlicht am 4. April 2012