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Steuern & Recht

Studienreisen nicht automatisch als Werbungskosten abziehbar


Der Bundesfinanzhof hat klargestellt, dass durch den Beschluss des Großen Senats aus 2009 zum Aufteilungs- und Abzugsverbot bei Auslandsreisen keine generelle Änderung der Rechtsprechung hinsichtlich der Beurteilung von Auslandsgruppenreisen eingetreten ist. Es ist weiterhin erforderlich, dass neben einer fachlichen Organisation das Reiseprogramm auf die besonderen beruflichen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten und der Teilnehmerkreis im Wesentlichen homogen ist.

 

Kein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot von Reisekosten

Der Große Senat des Bundesfinanzhofes (BFH) hatte in 2009 seine Rechtsprechung zur Beurteilung gemischter, d.h. beruflich und privat veranlasster Aufwendungen gelockert und diese in größerem Umfang als bisher zum Abzug zugelassen: Sind berufliche und private Veranlassungsbeiträge einer Reise jeweils nicht von untergeordneter Bedeutung, kommt ein Abzug der auf den beruflich veranlassten Anteil entfallenden Aufwendungen in Betracht. Eine Lehrerin für die Fächer Mathematik, Geographie, Biologie und Kunst/Keramik/kreatives Gestalten konnte diese Vorgaben nicht erfüllen. Sie nahm u.a. an einer vom Landesinstitut für Schule und Ausbildung in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung angebotenen und organisierten Studienreise nach China und einer Studienreise nach Paris teil.

 

Teilnahme an Auslandsgruppenreise nicht unmittelbar beruflich veranlasst

Der BFH lehnte den Werbungskostenabzug ab. Begründung: Neben einer fachlichen Organisation ist für eine berufliche Veranlassung vor allem maßgebend, dass das Programm auf die besonderen beruflichen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten und der Teilnehmerkreis im Wesentlichen gleichartig (homogen) ist. Von Bedeutung ist auch, ob die Teilnahme freiwillig ist oder ob der Steuerpflichtige einer Dienstpflicht nachkommt. Kann die berufliche Veranlassung einer Reise nicht festgestellt werden, so gehen Zweifel zu Lasten des Steuerpflichtigen. Für den BFH ließ die Ausgestaltung der Reisen eher auf die Befriedigung allgemeiner Bildungsinteressen schließen, während es an hinreichend konkreten Bezügen zur beruflichen Tätigkeit der Lehrerin fehlte.

 

Reisen ohne spezifischen Bezug zur beruflichen Tätigkeit

Werden Reisen von beruflichen Organisationen angeboten, so sind die hierfür angefallenen Aufwendungen nur dann steuerlich zu berücksichtigen, wenn die Reisen auch inhaltlich, d.h. nach ihrem Reiseprogramm und der tatsächlichen Durchführung, die Kriterien für eine beruflich veranlasste Fortbildungsreise erfüllen. Wird eine Reise durch einen Fachverband angeboten und beworben, dann jedoch – wie im Streitfall – im Wesentlichen durch einen kommerziellen Reiseveranstalter durchgeführt, so scheidet ein Werbungskostenabzug aus, wenn die Reise nach Programm und Ablauf einer allgemeinbildenden Studienreise entspricht. Auch hinsichtlich der Reise nach Paris kam eine Aufteilung nicht in Betracht, weil für den BFH keine Anhaltspunkte für das Vorliegen eines spezifischen Bezugs zur beruflichen Tätigkeit als Lehrerin ersichtlich waren. (MH)

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 19. Januar 2012 (VI R 3/11), veröffentlicht am 4. April 2012