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Steuern & Recht

Kosten für häusliches Arbeitszimmer bei mehreren Tätigkeiten


Die zur Frage der Abzugsfähigkeit von Kosten für ein Arbeitszimmer ergangenen Urteile sind zahlreich. Letztlich muss der Bundesfinanzhof (BFH) immer anhand des Einzelfalls prüfen, ob die häusliche Tätigkeit den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt. Ob nun Lehrer, Studenten, Richter oder Dozenten – sie alle müssen die kritische Prüfung des höchsten Steuergerichts über sich ergehen lassen. 
 

Keine volle Abzugsfähigkeit für häusliches Arbeitszimmer bei Dozenten

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind generell nur bis zu 1.250 Euro abzugsfähig, wenn dem Steuerpflichtigen für seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Sie können jedoch uneingeschränkt geltend gemacht werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt bzw. den Schwerpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. Letzteres ist im Rahmen einer umfassenden Wertung der Gesamttätigkeit festzustellen. So geschehen auch im Fall eines selbständigen Dozenten, der seine Seminare im häuslichen Arbeitszimmer vorbereitete und dort zusätzlich schriftstellerisch und beratend tätig wurde. Darüber hinaus nutzte er das Arbeitszimmer auch zur Fortbildung und zur Erstellung steuerjuristischer Fachgutachten und Fachaufsätzen sowie zur Kommentierung von Steuergesetzen. Des weiteren erstellte er Unterrichtsmaterialien für einen Fernlehrgang und war zudem als deutscher Korrespondent für eine Zeitschrift tätig, für die er unentgeltlich etwa zwei Zeitschriftenbeiträge pro Jahr verfasste. Trotzdem bildete das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit.
 

Beruflicher Mittelpunkt bei Vortrags- und Lehrtätigkeit am jeweiligen Veranstaltungsort

Übt ein Steuerpflichtiger mehrere Tätigkeiten aus, ist der Mittelpunkt anhand einer Gesamtbetrachtung aller ausgeübten Tätigkeiten zu bestimmen. Allein der Umstand, dass die Tätigkeiten im Arbeitszimmer zur Erfüllung der außerhäuslichen Tätigkeit – ob vor- oder nachbereitend – erforderlich sind, genügte für eine prägende Bedeutung der häuslichen Tätigkeit nicht. Und zwar auch, soweit sich die vorbereitenden Tätigkeiten auf Seminare bezogen, in denen sich die Mitwirkung auf eine nur organisatorische und auf eine (die jeweiligen Referenten) einführende Tätigkeit beschränkte. Der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit lag auf der Seminar- und Vortragstätigkeit und damit außerhalb seines Arbeitszimmers, nämlich an den jeweiligen Veranstaltungsorten.
 

Ausarbeitung von Vortrags- bzw. Lehrgangsunterlagen lediglich Vorbereitungshandlungen

Den Einwand, der hohe zeitliche Aufwand in seinem Arbeitszimmer für die Planung und Vorbereitung der Seminare und Vorträge präge zusammen mit den reinen Autorentätigkeiten seine Gesamttätigkeit, lies der BFH nichtgelten. Die außerhalb der Vortrags- und Seminarvorbereitungen im Arbeitszimmer ausgeübten sonstigen Autorentätigkeiten waren schon nach ihrem Anteil von nicht mehr als 15 % an den Gesamteinnahmen und circa 1 % im Folgejahr nicht geeignet, gegenüber den Vortrags- und Seminartätigkeiten mit einem Anteil von 85 % in dem einen bzw. 99 % im nächsten Jahr an den Gesamteinnahmen den Schwerpunkt der Gesamttätigkeit bilden zu können. Insoweit lässt der BFH das Verhältnis der Einnahmen aus unterschiedlichen Tätigkeiten durchaus als Indiz für die Bestimmung der Haupttätigkeit und damit des Mittelpunktes der gesamten Tätigkeit zu. (MH)
 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 9. August 2012 (VIII R 5/09), als NV-Urteil veröffentlicht am 30. Mai 2012