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Steuern & Recht

Leistungsort bei Buchhaltungsleistungen


Der Leistungsort von Buchhaltungsleistungen war bislang nicht eindeutig definiert. Die Praxis ging zum Teil von Leistungen aus im Sinne des Paragrafen 3 a Absatz 4 Umsatzsteuergesetz: den sogenannten Katalogleistungen, die am Empfängerort steuerbar sind. Der Bundesfinanzhof ist jedoch zu einer anderen Auffassung gelangt. Wie er seine Auffassung begründet hat, fasst der aktuelle Beitrag für Sie zusammen.


Sachverhalt

Die Klägerin, eine inländische GmbH, unterstützte eine in einem Drittland ansässige Schwestergesellschaft entgeltlich bei ihrer Finanzbuchhaltung, indem ein Buchhalter der Klägerin sämtliche Belege der Konzerngesellschaft erfasste und kontierte sowie die Erstellung des Abschlusses vorbereitete. Für diese Tätigkeiten stellte die Klägerin Rechnungen ohne gesonderten Ausweis von Umsatzsteuer. Nach ihrer Auffassung handelte es sich nämlich um eine Katalogleistung nach § 3 a Absatz 4 Umsatzsteuergesetz (UStG, in der Fassung bis einschließlich 2009). Da der Leistungsempfänger im Ausland ansässig gewesen sei, sei folglich die Leistung im Inland nicht steuerbar. Das Finanzamt war anderer Auffassung. Nach seiner Ansicht bestimmt sich der Leistungsort der erbrachten Buchhaltungsleistungen nach § 3 a Absatz 1 UStG (alte Fassung) und richtet sich folglich nach dem Ansässigkeitsort des leistenden Unternehmers. Da die Klägerin im Inland ansässig war, unterlagen die Buchhaltungsleistungen der deutschen Umsatzbesteuerung. Die erbrachten Leistungen wurden daher nachversteuert.

Entscheidung des Bundesfinanzhofs

Der Bundesfinanzhof (BFH) bestätigte in seinem Urteil vom 9. Februar 2012 die Auffassung des Finanzamts.
Zur Begründung seiner Entscheidung führte der BFH aus: Die von der Klägerin erbrachten Buchhaltungsleistungen seien keine typischen Leistungen, die „hauptsächlich und gewöhnlich“ von den in § 3 a Absatz 4 Nummer 3 UStG genannten Berufen erbracht würden. Sie stellten auch keine „ähnlichen Leistungen“ im Sinne dieser Vorschrift dar. Denn als „ähnliche Leistungen“ könnten nach dem BFH nur solche Leistungen gelten, die den in derselben Vorschrift aufgeführten Tätigkeiten ähnlich sind und demselben Zweck dienten.

Belege zu erfassen und zu kontieren sowie die Vorbereitungsarbeiten für die Abschlusserstellung sind nach Auffassung des BFH vielmehr als „routinemäßige Verwaltungsarbeiten“ anzusehen, die sich im Laufe der Zeit ständig wiederholen und eine geringe Komplexität aufweisen. Fertigkeiten in diesem Bereich seien unerlässlich für die Arbeit von zum Beispiel Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, da sie eine Grundlage für deren Tätigkeit bildeten. Jedoch gehörten solche Leistungen nicht zu den berufstypischen Arbeiten eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers. Diese Ausführungen sollten allerdings nicht für die Errichtung der Buchhaltung oder für die Erstellung eines Jahresabschlusses gelten.

Praxishinweis

Die Entscheidung des BFH ist für alle Veranlagungszeiträume seit 2010 – also seit Umsetzung des Mehrwertsteuerpakets – nicht von entscheidender Bedeutung. Denn seither gilt für die Bestimmung des Leistungsorts das sogenannte Empfängerortprinzip. Ist der Leistungsempfänger im Ausland ansässig, bedarf es nun auch für im Drittland ansässige Leistungsempfänger eines Nachweises der Unternehmereigenschaft. Im Falle von in der EU ansässigen Unternehmern war ein Unternehmernachweis schon bislang nötig.

Das Urteil hat indessen Bedeutung für die Veranlagungsräume vor 2010. Wurden für Buchhaltungsleistungen Rechnungen ohne gesonderten Umsatzsteuerausweis ausgestellt, ist es nicht ausgeschlossen, dass das Finanzamt die Umsatzsteuer nacherhebt. Dementsprechend kann es sich empfehlen, solche Rechnungen korrigieren zu lassen. Bitte beachten Sie: Die für Zeiträume vor 2009 geschuldete Umsatzsteuer unterliegt inzwischen der Vollverzinsung zu sechs Prozent pro Jahr.

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Fundstelle

BFH, Urteil vom 9. Februar 2012 (V R 20/11)