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Voraussichtlich dauernde Wertminderung bei festverzinslichen Wertpapieren im Umlaufvermögen


Bei festverzinslichen Wertpapieren des Umlaufvermögens, die eine Forderung in Höhe des Nominalwerts der Forderung verbriefen, ist eine Teilwertabschreibung unter ihren Nennwert allein aufgrund gesunkener Kurse nicht zulässig. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 8. Juni 2011. In einer aktuell veröffentlichten Verwaltungsanweisung äußert sich das Bundesfinanzministerium nunmehr, inwieweit die Grundsätze dieses BFH-Urteils über den Einzelfall hinaus anzuwenden sind.


Der Begriff der voraussichtlich dauernden Wertminderung bezeichnet im Grundsatz eine Minderung des Teilwerts, die – so der BFH in der Begründung des vom BMF zitierten Urteils – einerseits nicht endgültig sein muss, andererseits aber nicht nur vorübergehend sein darf. Ob eine Wertminderung voraussichtlich dauernd ist, muss unter Berücksichtigung der Eigenart des betreffenden Wirtschaftsguts beurteilt werden. Im Zusammenhang mit festverzinslichen Wertpapieren ist im Gegensatz zu im Anlagevermögen gehaltenen börsennotierten Aktien zu berücksichtigen, dass sie regelmäßig eine Forderung in Höhe des Nominalwerts des Papiers verbriefen. Der Inhaber eines solchen Papiers hat mithin das gesicherte Recht, am Ende der Laufzeit diesen Nominalwert zu erhalten. Diese Sicherheit hat er an jedem Bilanzstichtag, und zwar unabhängig davon, ob zwischenzeitlich infolge bestimmter Marktgegebenheiten der Kurswert des Papiers unter dessen Nominalwert liegt. Unter diesem Blickwinkel kann nach Auffassung der obersten Finanzrichter, falls kein allgemeines Bonitätsrisiko des Schuldners besteht, ein Absinken des Kurswertes unter den Nominalwert allenfalls nur vorübergehender Natur sein. Fazit der BFH-Richter: Bei festverzinslichen Wertpapieren, die eine Forderung in Höhe des Nominalwerts der Forderungen verbriefen, ist eine Teilwertabschreibung unter ihren Nennwert allein wegen gesunkener Kurse regelmäßig nicht zulässig. Dies gelte auch, wenn die Wertpapiere zum Umlaufvermögen gehören.

Hinweis: Lesen Sie hierzu auch den Beitrag „Begrenzung der Teilwertabschreibung bei Wertpapieren des Umlaufvermögens“ unter https://blogs.pwc.de/steuern-und-recht/2011/08/17/begrenzung-der-teilwertabschreibung-bei-wertpapieren-des-umlaufvermogens/

Nach dem aktuellen BMF-Schreiben sind die Grundsätze dieses Urteils über den entschiedenen Einzelfall hinaus anwendbar, wenn es sich
– um festverzinsliche Wertpapiere im Umlaufvermögen handelt,
– kein Bonitäts- und Liquiditätsrisiko hinsichtlich der Rückzahlung der Nominalbeträge besteht und
– die Wertpapiere bei Endfälligkeit zu ihrem Nennwert eingelöst werden können.

Für die Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren im Umlaufvermögen bedeutet dies, dass die neuen Anweisungen frühestens in der ersten nach dem 8. Juni 2011 (Tag der BFH-Entscheidung) aufzustellenden Bilanz berücksichtigt werden können. Die Bewertung festverzinslicher Wertpapiere im Anlagevermögen wird durch diese Regelung indes nicht berührt.

Fundstelle

BMF-Schreiben vom 10. September 2012, IV C 6 – S2171-b/0 :005