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Steuern & Recht

Keine Teilwertabschreibung wegen Unverzinslichkeit einer Forderung


Die auf der Unverzinslichkeit einer im Anlagevermögen gehaltenen Darlehensforderung gegen eine Tochtergesellschaft beruhende Wertminderung ist keine voraussichtlich dauernde Wertminderung und rechtfertigt deshalb keine Teilwertabschreibung.

Abzinsung der Darlehensforderung steuerlich kein Aufwand

Mit seinem Urteil wies der Bundesfinanzhof (BFH) die Revision einer GmbH zurück, die 2003 auf eine unverzinsliche Darlehensforderung an ihre Tochtergesellschaft eine Teilwertabschreibung vornehmen wollte. Die GmbH hatte im  März 2003 u.a. alle Geschäftsanteile an der Tochtergesellschaft zum Preis von jeweils 1 EUR gekauft und dieser bis April 2003 Gelder zur laufenden Finanzierung zur Verfügung gestellt. In den Monaten Juni und Juli 2003 überwies die GmbH weitere 1,8 Mio. EUR als Darlehen. Das Darlehen hatte die GmbH im Hinblick auf dessen Unverzinslichkeit und Laufzeit abgezinst und mit einem niedrigeren Buchwert bilanziell als Anlagevermögen (Finanzanlagen, Ausleihungen an verbundene Unternehmen) erfasst. Der Aufwand aus der Abzinsung konnte steuerlich aber nicht anerkannt werden.

Minderung des Darlehens allein aufgrund Unverzinslichkeit ausgeschlossen

Auch unverzinsliche Darlehensforderungen sind grundsätzlich mit dem Nominalbetrag anzusetzen, es sei denn, deren Teilwert ist aufgrund voraussichtlich dauernder Wertminderung niedriger. Selbst wenn die Unverzinslichkeit des Gesellschafterdarlehens eines Alleingesellschafters zu einer Minderung des Teilwerts der Darlehensforderung fĂĽhrt, sei – so der BFH – eine solche Wertminderung jedenfalls nicht „voraussichtlich dauernd“. Ob dies der Fall ist, muss nämlich unter BerĂĽcksichtigung der Eigenart des jeweiligen Wirtschaftsguts beurteilt werden. In Bezug auf gesunkene Wechselkurse von festverzinslichen Wertpapieren hatte das höchste Steuergericht in der jĂĽngeren Vergangenheit die Dauerhaftigkeit der Wertminderung verneint, weil der Inhaber eines solchen Papiers unabhängig vom Verlauf des Wechselkurses das gesicherte Recht hat, am Ende der Laufzeit des Wertpapiers dessen Nominalwert zu erhalten (BFH-Urteil vom 8. Juni 2011, I R 98/10). Diese Ăśberlegung sei, so die Richter jetzt, auf eine Wertminderung, die auf der Unverzinslichkeit einer noch nicht fälligen Forderung beruht, zu ĂĽbertragen: Auch in diesem Fall ist zwar der aktuelle Wert der Forderung zu den Bilanzstichtagen, die vor dem Fälligkeitszeitpunkt liegen, gemindert. Jedoch steigt der Wert in der Folge zwangsläufig sukzessive an und erreicht im Fälligkeitszeitpunkt den Nominalbetrag der Forderung. Die mit dem Fehlen der Fälligkeit einer unverzinslichen Forderung verbundene Wertminderung erweist sich somit dann, wenn sich darin nicht ein Risiko hinsichtlich der RĂĽckzahlung widerspiegelt, als nur vorĂĽbergehend und folglich als nicht dauerhaft. Der Forderungsinhaber hatte mithin die gesicherte Aussicht, zum Fälligkeitszeitpunkt den Nominalwert der Forderung zu erhalten. Der Umstand, dass das Darlehensgeschäft fĂĽr die GmbH isoliert betrachtet ein Verlustgeschäft ist, war nicht relevant: Das Erfordernis der Dauerhaftigkeit beziehe sich nämlich nur auf den Teilwert der RĂĽckzahlungsforderung und nicht auf die Vorteilhaftigkeit bzw. Nachteiligkeit des Geschäftes insgesamt.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 24. Oktober 2012 (I R 43/11), veröffentlicht am 2. Januar 2013

Eine kurze englische Zusammenfassung dieses Urteils finden Sie hier (No write-down of interest-free loan asset).