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Steuern & Recht

Zufluss und Bewertung von Aktienoptionsrechten als geldwerter Vorteil


Der Vorteil aus einem vom Arbeitgeber eingeräumten Aktienoptionsrecht fließt dem Arbeitnehmer zu, wenn dieser das Recht ausübt oder anderweitig verwertet. Eine solche anderweitige Verwertung liegt auch vor, wenn der Arbeitnehmer das Recht auf einen Dritten überträgt.

Lohnzufluss bei verdeckter Einlage von Aktienoptionen

Der Bundesfinanzhof (BFH) beschäftigte sich mit dem Fall eines Arbeitnehmers, dem in 2002 von seinem Arbeitgeber die Option zum Erwerb bestimmter Aktien eingeräumt wurde, welche er allerdings nicht selbst ausübte, sondern diese bereits einen Monat später an eine von ihm beherrschte GmbH zu einem quasi symbolischen Preis von 0,10 Euro/Aktie übertrug. Diese übte die Option dann in 2004 aus und erhielt Aktien, deren Kurswert (5,41 Euro/Aktie) erheblich über dem zwischen dem Arbeitnehmer und seinem Arbeitgeber vereinbarten Optionspreis (0,65 Euro/Aktie) lag. Die Frage war nun folgende: Führt die verdeckte Einlage des Aktienoptionsrechts des Arbeitnehmers in die von ihm beherrschte GmbH bereits im Zeitpunkt der verdeckten Einlage oder erst nach Ausübung des Optionsrechts im Zeitpunkt der Einbuchung der Aktien im Depot der GmbH zu Lohnzufluss? Das Finanzamt hatte den geldwerten Vorteil zum Zeitpunkt der Übertragung der Optionen an die GmbH in 2004 in Höhe der Differenz zwischen 5,41 Euro/0,65 Euro steuerlich erfasst. Damit war der BFH aber nicht einverstanden.

Spätere tatsächliche Optionsausübung durch die GmbH nicht relevant

Die Differenz zwischen dem Optionspreis und dem Kaufpreis von 0,10 Euro/Aktie stellte unstreitig eine verdeckte Einlage dar. Der geldwerte Vorteil war dem Arbeitnehmer aber bereits in 2002, nämlich zum Zeitpunkt der Übertragung der Optionsrechte auf die GmbH, zugeflossen und entsprechend zu bewerten. Denn: Eine Realisierung des den Optionsrechten innewohnenden Werts liegt auch vor, wenn der Arbeitnehmer anderweitig über das Recht verfügt, etwa, wenn er die Optionen gegen Entgelt auf einen Dritten überträgt. Richterliches Fazit: Der Arbeitnehmer habe das ihm von seinem Arbeitgeber eingeräumte Optionsrecht bereits in 2002 dadurch verwertet, dass er es auf die GmbH übertragen hatte. Der geldwerte Vorteil lag allerdings deutlich unter dem Ansatz des Finanzamts, er errechnet sich nämlich aus der Differenz des Kurswerts der Aktien zum Zeitpunkt der Übertragung der Optionsrechte auf die GmbH (1,84 Euro/Aktie) und dem ursprünglich vereinbarten Optionskurs (0,65/Aktie).

Die gewählte Gestaltung sei – so der BFH abschließend – auch nicht rechtsmissbräuchlich, denn die GmbH war als selbständiges Steuersubjekt weder ausschließlich in Zusammenhang mit der Einräumung des Optionsrechts gegründet worden, noch habe sie den alleinigen Zweck gehabt, das Optionsrecht zu verwalten.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 18. September 2012 (VI R 90/10), veröffentlicht am 30. Januar 2013
Eine kurze englische Zusammenfassung dieses Urteils finden Sie hier (Stock option benefit realised on disposal).