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Steuern & Recht

Verlust von Genussrechtskapital als Werbungskosten


Ein Arbeitnehmer kann den insolvenzbedingten Verlust von Genussrechtskapital als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend machen, wenn die Investition in einem relevanten Zusammenhang zu dem Arbeitsverhältnis steht und nicht auf Renditeerwartungen beruht – so ein nicht rechtskräftiges Urteil des Finanzgerichts Köln.

Überwiegend berufliche Gründe für die Umwandlung in Genussrechtskapital

Der Fall betraf die Frage, ob ein Arbeitnehmer Werbungskosten oder negative Einnahmen geltend machen kann, weil er durch die Insolvenz seines Arbeitgebers Genussrechtskapital verloren hat. Die Besonderheit lag darin, dass das Kapital aus einer Umwandlung eines Überstunden-Guthabens resultierte und die Überstunden ohne die Umwandlung nicht vergütet worden wären. Das Finanzgericht bejahte den Veranlassungszusammenhang zum Arbeitsverhältnis, denn zum einen habe der Steuerpflichtige die Umwandlung in Genussrechtskapital und damit den Verlust des Kapitals nur riskiert, um überhaupt eine Überstunden-Vergütung erhalten zu können – auf eine Verzinsung der Kapitalforderung sei es ihm nicht angekommen. Die Richter waren davon überzeugt, dass der Steuerpflichtige aufgrund seiner starken beruflichen Einbindung nicht in der Lage gewesen wäre, das sehr hohe Zeitguthaben durch Freizeitausgleich spürbar abzubauen, ohne dabei erhebliche Probleme mit seinem Arbeitgeber und letztlich sogar seinen Arbeitslatz zu riskieren. Ihm war bei einer Mindestlaufzeit von fünf Jahren lediglich eine Mindestverzinsung von 2 % p.a. garantiert, während vergleichbare Kapitalmarktzinsen bei etwa 3,6 % lagen. Trotz der in Aussicht gestellten gewinnabhängigen Vergütung spreche dies letztlich dafür, dass der Steuerpflichtige in den Umwandlungsjahren jederzeit wesentlich sicherere Kapitalanlagen hätte finden können.

Auch unter Berücksichtigung der einmaligen und auf 135 bzw. 154 Euro beschränkten Zuzahlungen des Arbeitgebers liege keine außergewöhnlich hohe Vergütung vor. Denn bereits eine Umwandlung eines (Netto-)Lohnes in Höhe der Arbeitgeberzahlungen hätte ausgereicht, um diese zu erlangen; der Steuerpflichtige hatte aber gleichwohl sein gesamtes Guthaben umgewandelt. Wäre es ihm auf eine gute Verzinsung durch Erlangung des Arbeitgeberzuschusses angekommen, so hätte er bei einer Beschränkung der Umwandlung auf die Mindestbeträge ein weitaus besseres Resultat erreicht. Dass der Steuerpflichtige die fragliche Anlage tatsächlich nicht als zukunftsträchtiges aussichtsreiches Investment einschätzte, zeige sich – so das Gericht – letztlich auch darin, dass er sein Kapital zum Ende der Mindestvertragslaufzeit fristgerecht gekündigt hat.

Fundstelle

Finanzgericht Köln, Urteil vom 22. Mai 2013 (7 K 187/10), Revision eingelegt