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Steuern & Recht

Aufwendungen für häusliches Arbeitszimmer bei Poolarbeitsplatz bzw. Telearbeitsplatz


Der Bundesfinanzhof hat sich in zwei Urteilen zur Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geäußert – mit für die betroffenen Steuerpflichtigen jeweils unterschiedlichem Ergebnis.

Hintergrund: Ein Steuerpflichtiger kann Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht als Werbungskosten abziehen. Anders, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 Euro begrenzt; eine Beschränkung der Höhe nach gilt aber dann nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. „Anderer Arbeitsplatz“ in diesem Sinne ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Der Bundesfinanzhof (BFH) war nun in zwei Fällen gefordert, zur Auslegung und Anwendung dieser einkommensteuerlichen Vorschrift abschließend Stellung zu nehmen.

Der Urteilsfall VI R 37/13 betraf einen Betriebsprüfer, dem kein fester Arbeitsplatz, sondern lediglich ein Poolarbeitsplatz im Verhältnis von acht Prüfern zu drei Arbeitsplätzen zur Verfügung stand. Die Prüfungen einschließlich der Schlussbesprechungen führte der Prüfer regelmäßig in den Unternehmen durch, die vor- und nachbereitenden Arbeiten (Fallauswahl, Fertigen der Prüfberichte etc.) erledigte er in seinem häuslichen Arbeitszimmer. Den Poolarbeitsplatz nutzte er lediglich für das Abrufen von E-Mails und das Updaten seines Rechners. Dessen Antrag, Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten zu berücksichtigen, hielt der BFH für rechtens. Begründung: Der Poolarbeitsplatz stand nicht in dem zur Verrichtung der gesamten Innendienstarbeiten (Fallauswahl, Fertigen der Prüfberichte etc.) konkret erforderlichen Umfang zur Verfügung. Dies muss aber nicht bei jedem Poolarbeitsplatz so sein. Ein Poolarbeitszimmer könne dann ein anderer Arbeitsplatz sein, wenn aufgrund der Umstände des Einzelfalls (ausreichende Anzahl an Poolarbeitsplätzen, ggf. dienstliche Nutzungseinteilung etc.) gewährleistet ist, dass der Arbeitnehmer seine berufliche Tätigkeit in dem konkret erforderlichen Umfang dort erledigen kann. Dies war jedoch hier nicht gewährleistet. Denn aufgrund der geringen Anzahl der Poolarbeitsplätze war gerade nicht sichergestellt, dass der Prüfer in zeitlicher Hinsicht dort seine gesamte Innendiensttätigkeit verrichten konnte.

Im Streitfall VI R 40/12 ging es um einen Steuerpflichtigen, der sich in seinem häuslichen Arbeitszimmer einen sog. Telearbeitsplatz eingerichtet hatte, in dem er gemäß einer Vereinbarung mit seinem Dienstherrn nur an bestimmten Wochentagen arbeitete. Hier war das Ergebnis der höchstrichterlichen Rechtsfindung für den Steuerpflichtigen ungünstig: Der genutzte Telearbeitsplatz entsprach grundsätzlich dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers und ihm stand an der Dienststelle auch ein anderer Arbeitsplatz „zur Verfügung“. Denn dem Steuerpflichtigen war es weder untersagt, seinen dienstlichen Arbeitsplatz jederzeit und damit auch an den eigentlich häuslichen Arbeitstagen zu nutzen, noch war die Nutzung des dienstlichen Arbeitsplatzes in tatsächlicher Hinsicht in irgendeiner Weise eingeschränkt.

Fundstelle

BFH-Urteile vom 26. Februar 2014 (VI R 37/13 und VI R 40/12), veröffentlicht am 5. Juni 2014

Eine englische Zusammenfassung des Urteils VI R 37/13 finden Sie hier (Shared workspace can lead to home office deduction).