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Steuern & Recht

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer bei nicht nutzbarem „anderen Arbeitsplatz“


Ein anderer Arbeitsplatz, der die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer ausschließt, steht erst dann zur Verfügung, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den Arbeitsplatz auch tatsächlich zugewiesen hat. Ein Raum ist nicht zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet, wenn wegen Sanierungsbedarfs Gesundheitsgefahr besteht. So die vom Bundesfinanzhof in einem weiteren aktuellen Fall zu dieser Thematik aufgestellten Kriterien.

Die Frage der steuerlichen Berücksichtigung von Aufwendungen für ein Arbeitszimmer beschäftigt die Steuergerichte über die Maßen und zieht sich durch alle Berufssparten. Diesmal war es ein Pfarrer (Kläger), der Aufwendungen für ein im Obergeschoss des Pfarrhofes gelegenes häusliches Arbeitszimmer in Höhe von 635 Euro als Werbungskosten geltend machte. Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können bekanntermaßen grundsätzlich nicht als Werbungskosten abziehen, es sei denn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Den Antrag des Klägers hatte das Finanzamt mit der Begründung abgelehnt, ihm habe im Erdgeschoss des Pfarrhauses ein Amtszimmer als Arbeitszimmer zur Verfügung gestanden. Der Kläger trug vor, dieser Raum sei wegen Baumängeln nicht als Arbeitszimmer, sondern nur als Abstellraum nutzbar. Die übrigen im Erdgeschoss gelegenen Räume würden anderweitig genutzt und ständen ihm nicht zur Verfügung. Das Finanzgericht hatte die Klage mit der Begründung abgewiesen, dass der Kläger die Möglichkeit gehabt habe, eines der sonstigen im Erdgeschoss des Pfarrhofs vorhandenen Zimmer für sich als Büro einzurichten. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat diese Entscheidung nun aufgehoben und den Rechtsstreit an das Finanzgericht zurückverwiesen. Dieses muss nun klären, ob das vom Arbeitgeber als Arbeitsplatz zugewiesene Amtszimmer tatsächlich nicht nutzbar war.

Ein “anderer Arbeitsplatz“ in diesem Sinne ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist und den der Arbeitnehmer in dem konkret erforderlichen Umfang tatsächlich nutzen kann. Im Zuge seiner Urteilsbegründung hat der BFH darauf hingewiesen, dass dies dann vorliegt, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den Arbeitsplatz tatsächlich zugewiesen hat. Der Arbeitnehmer habe bei der Inanspruchnahme und Ausgestaltung eines „anderen Arbeitsplatzes“ das Direktionsrecht des Arbeitgebers zu beachten (dieser hatte dem Kläger hier aber konkret das Amtszimmer und nicht andere Räume tatsächlich zur Verfügung gestellt). Ferner ist ein Raum dann nicht zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet, so der BFH abschließend, wenn wegen Sanierungsbedarfs Gesundheitsgefahr besteht.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 26. Februar 2014 (VI R 11/12), veröffentlicht am 9. Juli 2014