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Steuern & Recht

Berechnung des geldwerten Vorteils bei Kfz-Gestellung mit Fahrer


Das Bundesfinanzministerium greift in seinem jüngsten Schreiben ein Urteil des Bundesfinanzhofes vom 15. Mai 2013 (VI R 44/11) auf, der dort entschieden hatte, dass die arbeitgeberseitige Gestellung eines Fahrers zu Fahrten zwischen  Wohnung und (regelmäßiger) Arbeitsstätte einen lohnsteuerlichen Vorteil darstellt. Das BMF wendet die Urteilsgrundsätze allgemein in allen offenen Fällen an, und zwar unabhängig, ob der Nutzungswert des Fahrzeugs pauschal oder nach der Fahrtenbuchmethode ermittelt wird.

Maßstab zur Bewertung des geldwerten Vorteils aus der arbeitgeberseitigen Gestellung eines Fahrers ist grundsätzlich der Preis für eine von einem fremden Dritten bezogene vergleichbare Dienstleistung (üblicher Endpreis). Nach Meinung des BMF bestehen keine Bedenken, einheitlich für das Kalenderjahr für Privatfahrten, für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie für Familienheimfahrten als üblichen Endpreis am Abgabeort den Anteil an den tatsächlichen Lohn- und Lohnnebenkosten des Fahrers (d. h. insbesondere: Bruttoarbeitslohn, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Verpflegungszuschüsse sowie Kosten beruflicher Fort- und Weiterbildung für den Fahrer) anzusetzen, welcher der Einsatzdauer des Fahrers im Verhältnis zu dessen Gesamtarbeitszeit entspricht. Der BFH hatte im Urteilsfall noch den Vorbehalt gemacht, dass der Wert eines vom Arbeitgeber erlangten Vorteils sich nicht stets und unmittelbar in den Kosten abbilde, die der Arbeitgeber selbst dafür aufgewendet hat.

Zur Ermittlung des geldwerten Vorteils gelten behördlicherseits alternativ dazu folgende Vereinfachungsregelungen.

  • Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte: Der für diese Fahrten durch eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten ermittelte Nutzungswert des betrieblichen Kraftfahrzeugs ist um 50 % zu erhöhen. Für die zweite und jede weitere Familienheimfahrt anlässlich einer doppelten Haushaltsführung erhöht sich der auf die einzelne Familienheimfahrt entfallende Nutzungswert nur dann um 50 %, wenn für diese Fahrt ein Fahrer in Anspruch genommen worden ist.
  • Privatfahrten: Der entsprechende private Nutzungswert ist um 50 % zu erhöhen, wenn der Fahrer überwiegend in Anspruch genommen wird, um 40 %, wenn der Arbeitnehmer das Kraftfahrzeug häufig selbst steuert und um 25 %, wenn der Arbeitnehmer das Kraftfahrzeug weit überwiegend selbst steuert.
  • Wird der pauschal anzusetzende Nutzungswert auf die Gesamtkosten des Kraftfahrzeugs begrenzt, ist der anzusetzende Nutzungswert ebenfalls um 50 % zu erhöhen.

Das Wahlrecht des Arbeitgebers im Lohnsteuerabzugsverfahren (Bewertung mit dem Endpreis bzw. den tatsächlichen Fahrerkosten oder nach der Vereinfachungsregelung) kann im Kalenderjahr insgesamt nur einheitlich ausgeübt werden. Geht der Arbeitgeber nach der Regelbewertung vor, muss er die Berechnungsgrundlagen dokumentieren, als Belege zum Lohnkonto aufbewahren und dem Arbeitnehmer auf Verlangen formlos mitteilen. Wichtig: Der Arbeitnehmer kann den geldwerten Vorteil aus der Fahrergestellung im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung abweichend von dem Ansatz des Arbeitgebers bewerten, muss dies allerdings auch gegenüber dem Finanzamt nachweisen. Aber auch hier gilt: Die Methodenwahl kann im Kalenderjahr insgesamt nur einheitlich ausgeübt werden.

Fundstelle

BMF-Schreiben vom 15. Juli 2014 (IV C 5 – S 2334/13/10003)

Eine kurze englische Zusammenfassung dieses Schreibenss finden Sie hier (Driver as benefit in kind).