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Steuern & Recht

Unangemessener Kfz-Aufwand eines Freiberuflers bei Nutzung eines Sportwagens


Kosten für betriebliche Fahrten mit einem Sportwagen sind selbst dann dem Grunde nach betrieblich veranlasst, wenn die Aufwendungen unangemessen sind. Die Höhe der Aufwendungen und damit deren Unangemessenheit sind separat und unter Berücksichtigung der im Einkommensteuergesetz (hier: § 4 Abs. 5) geregelten Abzugsverbote oder Abzugsbeschränkungen zu bestimmen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte über die einkommensteuerliche Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für einen teilweise betrieblich genutzten Sportwagen (Ferrari Spider) eines selbständig tätigen Tierarztes (Kläger) für die Jahre 2005 bis 2007 zu entscheiden. Der Kläger unterhielt als betriebliches Fahrzeug einen VW Multivan, dessen Privatanteil nach der 1%-Regelung angesetzt wurde. Bis Oktober 2005 fuhr er zusätzlich einen Porsche, den er ebenfalls als Betriebsvermögen behandelte. Ab Oktober 2005 leaste er dann besagten Ferrari. Das Finanzgericht hatte der Klage insoweit teilweise stattgegeben, als es den seitens des Finanzamts angemessenen Teil der Fahrzeugkosten von 1 Euro auf 2 Euro pro Kilometer erhöhte; ansonsten ging es von einer Zugehörigkeit des Ferrari zum notwendigen Privatvermögen aus. Der BFH lehnte die weitergehende Revision des Klägers ab – mit teilweise anderer Begründung.

Ein geleastes Fahrzeug gehört zum Betriebsvermögen des Leasingnehmers, wenn die vereinbarte Grundmietzeit – wie hier – 36 Monate beträgt oder wenn es zu mehr als 50% betrieblich genutzt wird. Ob ein unangemessener betrieblicher Repräsentationsaufwand i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 Einkommensteuergesetz (EStG) bei Beschaffung und Unterhaltung eines Sportwagens durch einen Freiberufler vorliegt, ist hingegen separat danach zu beurteilen, ob ein ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer angesichts der erwarteten Vorteile und Kosten die Aufwendungen ebenfalls auf sich genommen haben würde. Sind Kfz-Kosten durch betriebliche Anlässe – wie im Streitfall anhand des ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs nachgewiesen – entstanden, so kann die ggf. festzustellende Unangemessenheit der Aufwendungen nicht die betriebliche Veranlassung der Aufwendungen in Frage stellen. Vielmehr, so der BFH, sei die Abziehbarkeit unangemessener (betrieblicher) Aufwendungen allein durch die in § 4 Abs. 5 EStG geregelten Abzugsverbote oder -beschränkungen begrenzt. Auf dieser Grundlage habe das Finanzgericht zu Recht eine Unangemessenheit bejaht, insbesondere wegen des absolut geringen betrieblichen Nutzungsumfangs des Ferrari (in drei Jahren nur 20 Tage) sowie der Beschränkung der wenigen Fahrten auf Reisen zu Fortbildungsveranstaltungen oder Gerichtsterminen und damit wegen fehlenden Einsatzes in der berufstypischen tierärztlichen Tätigkeit einerseits und des hohen Repräsentationswerts andererseits. Ebenfalls einverstanden war der BFH mit dem Ansatz der Vorinstanz, den angemessenen Teil der Betriebsausgaben unter Rückgriff auf durchschnittliche Fahrtkostenberechnungen in Internetforen zu schätzen und zugunsten des Klägers bei Ermittlung der noch angemessenen Betriebskosten den sich für das teuerste Vergleichsfahrzeug ergebenden Durchschnittswert von 2 Euro je Fahrtkilometer zugrunde zu legen.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 29. April 2014 (VIII R 20/12), veröffentlicht am 6. August 2014