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Steuern & Recht

Aufwendungen für Ausbildung zum Berufspiloten als vorweggenommene Werbungskosten


Ausbildungskosten für eine Tätigkeit als Berufspilot sind vorweggenommene Werbungskosten. So entschied das Finanzgericht Münster in Bestätigung diverser höchstrichterlicher Entscheidungen, hat allerdings wegen eines davon abweichenden und derzeit beim Bundesfinanzhof anhängigen Finanzgerichtsurteils die Revision zugelassen.

Der Kläger, der in den Ausbildungsjahren keine steuerpflichtigen Einnahmen erzielt hatte, machte Kosten der Ausbildung zum Flugzeugführer als vorweggenommene Werbungskosten geltend und beantragte, für die Streitjahre entsprechend einen verbleibenden Verlustvortrag festzustellen. Dies lehnte das Finanzamt ab: Die fraglichen Ausbildungskosten seien Sonderausgaben und der Gesamtbetrag der Einkünfte betrage jeweils 0 Euro. Das Finanzgericht gab der Klage statt, ließ aber die Revision wegen eines weiteren abweichenden Urteils des Finanzgerichts Schleswig-Holstein zu (derzeit beim Bundesfinanzhof anhängig unter VI R 72/13).

Bereits mehrfach hatte der Bundesfinanzhof entschieden (Urteil vom 28. Juli 2011, VI R 5/10 und vom 27. Oktober 2011, VI R 52/10), dass Aufwendungen einer erstmaligen Berufsausbildung als vorab entstandene Werbungskosten anerkannt werden können. Dies gelte grundsätzlich auch dann, wenn der Steuerpflichtige gegenwärtig noch keine Einnahmen erzielt. Allerdings: Die Aufwendungen müssen in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Veranlassungszusammenhang mit späteren Einnahmen stehen. Ein Werbungskostenabzug sei gegenüber dem Abzug als Sonderausgaben vorrangig. Darauf hatte sich der Kläger hier berufen.

Nach Meinung der Richter war hier der unmittelbare sachliche Zusammenhang mit dem betreffenden Schulungsvertrag gegeben, in dem das nachfolgende Beschäftigungsverhältnis geregelt war. Mit dem Schulungsvertrag sei – so die Richter – die Ausbildung auch im Rahmen eines Dienstverhältnisses begründet worden und das Abzugsverbot in § 9 Abs. 6 Einkommensteuergesetz (keine Werbungskosten, falls die Ausbildung nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet) nicht anwendbar. Dass dem Kläger für die Dauer der Ausbildung kein Entgelt gezahlt wurde, war unerheblich. Zwar setze die Definition eines Arbeitnehmers die Vereinnahmung eines Arbeitsentgelts voraus, nicht aber die Bejahung eines Dienstverhältnisses. Für die Richter ist es ausreichend, wenn das Ausbildungsverhältnis für den Auszubildenden Pflichten enthält, die arbeitsrechtlichen Pflichten wie die Teilnahme an allen Ausbildungsmaßnahmen gleichkommen, dass die Ausbildung berufsbezogen ist und die Ausbildung die Voraussetzung für die geplante Berufsausübung darstellt.

Fundstelle

Finanzgericht Münster, Urteil vom 4. April 2014 (14 K 4281/11 F), Revision eingelegt (Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof: VI R 50/14)