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Steuern & Recht

Verlust aus verfallenen (wertlosen) Optionen steuerlich zu berücksichtigen


Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten (Optionsprämien) von verfallenen Optionsscheinen stehen unmittelbar mit dem erfolglosen bedingten Termingeschäft in sachlichem Zusammenhang und sind steuerlich abzugsfähig. Damit führt das Finanzgericht Düsseldorf fort, was der Bundesfinanzhof in 2012 – allerdings noch bezüglich der Rechtslage vor Einführung der Abgeltungsteuer – entschieden hat.

Hintergrund: Finanzverwaltung und Bundesfinanzhof (BFH) hatten in der Vergangenheit stets daran festgehalten, dass die gezahlten Optionsprämien wertlos gewordener Optionen bei Verfall der Option steuerlich unbeachtlich sind. Vor allem im Urteil vom 26. September 2012 (IX R 50/09) machte der BFH dann eine Kehrtwendung, allerdings noch mit Blick auf die Rechtslage vor 2009: Bei Verfall des Optionsrechts seien die gezahlten Optionsprämien als sog. vergebliche Werbungskosten bei den „sonstigen Einkünften aus Termingeschäften“ absetzbar. Die Finanzverwaltung akzeptierte dies, nicht jedoch für die neue Rechtslage ab 2009 zur Abgeltungsteuer. Seit dieser Zeit gehören die Einnahmen aus Optionsgeschäften zu den „Einkünften aus Kapitalvermögen“, beim Kauf der Optionsscheine handelt es sich um ein Termingeschäft. Zwar ist der Werbungskostenabzug ausgeschlossen, doch als Gewinn aus solchen Termingeschäften gilt nun der „Differenzausgleich bzw. Geldbetrag abzüglich der Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft stehen“.

Nun hat sich erstmals zur neuen Rechtslage das Finanzgericht Düsseldorf geäußert und in einem Fall aus 2010 zu Gunsten der Anleger entschieden: Das Verfallenlassen der Optionsrechte gelte auch ohne das Erlangen eines Differenzausgleichs als beendetes Termingeschäft. Dem Besteuerungskonzept der Abgeltungsteuer sei Trennung zwischen Ertrags- und Vermögensebene fremd, denn es solle der verbleibende Vermögenszuwachs versteuert werden. Der Kläger hatte die Optionsscheine (als quasi wertlos) verfallen lassen, da sich bei Ausübung der Option für ihn ein negativer Differenzbetrag ergeben hätte.

Da sämtliche positiven Vermögenszuwächse beim Inhaber der Optionsscheine, die er durch Ausübung oder Veräußerung  der Option erlangt hat, der Besteuerung unterliegen, müssten auch vergebliche Optionsgeschäfte, die zu einer Minderung des privaten Vermögens geführt haben, als Verlust bei der Besteuerung berücksichtigt werden. Die Krux, um die es jetzt vor dem BFH auch gehen wird: Die Interaktion des § 20 Abs. 9 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG), nach der ab 2009 ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten ausgeschlossen ist, mit der Vorschrift des § 20 Abs. 4 Satz 5 EStG, wonach Kosten vom erlangten Differenzausgleich, die in unmittelbarem sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft stehen, abgezogen werden können. Letztere Vorschrift sei wegen der speziellen Gewinnermittlungsart gegenüber dem Abzugsverbot des § 20 Abs. 9 EStG vorrangig – meint das Finanzgericht.

Fazit der Düsseldorfer Richter: Das Gesetz verlange von Steuerpflichtigen kein wirtschaftlich sinnloses Verhalten, sondern besteuere nach dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit. Diese sei im Hinblick auf die aufgewandten Optionsprämien ungeachtet der Durchführung eines Differenzausgleichs gemindert.

Fundstelle

Finanzgericht Düsseldorf, Urteil vom 27. Juni 2014 (1 K 3740/13E), Revision eingelegt (Aktenzeichen beim BFH: VIII R 31/14)