PwC

Steuern & Recht

Grunderwerbsteuer bei Anteilserwerb als sofort abziehbare Werbungskosten


Die im Zuge eines Beteiligungswechsels an einer Personengesellschaft angefallene Grunderwerbsteuer stellt keine Anschaffungskosten der erworbenen Kommanditanteile oder des vorhandenen Grundbesitzes der Objektgesellschaft dar. Sie ist als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar. Entscheidend ist nämlich nicht die geänderte Sachherrschaft in Bezug auf den einzelnen Neugesellschafter, sondern die geänderte Zuordnung der Gesellschaftsgrundstücke auf Gesellschaftsebene. 

Aufgrund des Erwerbs sämtlicher Anteile an einer grundbesitzenden GmbH & Co. KG (Klägerin) durch eine Fondsgesellschaft wurde Grunderwerbsteuer (GrESt) wegen der Anteilsvereinigung zu insgesamt 99.98% fällig. Diese wurde von der Klägerin gezahlt, an die Fondsgesellschaft – ebenfalls eine GmbH & Co. KG, mit drei natürlichen Personen als Kommanditisten – weiterbelastet und dort als Aufwand berücksichtigt. Der Behandlung der GrESt als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung stimmte das Finanzamt nicht zu, sondern sah darin zu aktivierende Anschaffungsnebenkosten.

Keine Anschaffungsnebenkosten des Grundbesitzes der Personengesellschaft

Die GrESt ist nicht für die Anschaffung der KG-Anteile entstanden, so der Bundesfinanzhof (BFH) in seiner Entscheidung. Es fehle ertragsteuerlich an einem inhaltlichen Zusammenhang zwischen Anschaffung der KG-Anteile und der GrESt. Da der Anknüpfungspunkt für die Entstehung der Steuer nicht der Gesellschafterwechsel als solcher, sondern die grunderwerbsteuerliche Fiktion (des Grundstücksübergangs) ist, handelt es sich um Aufwand, der aus ertragsteuerlicher Sicht nicht spezifisch den erworbenen KG-Anteilen zugeordnet werden kann. Denn nicht die geänderte Sachherrschaft in der Person des einzelnen Neugesellschafters ist Gegenstand der Besteuerung, sondern die geänderte Zuordnung der Grundstücke auf Ebene der Gesellschaft (Gesamthand als eigenständiger Rechtsträger). Die GrESt ist Aufwand der Klägerin und nicht der Gesellschafter, nur die Klägerin sei – so der BFH – Steuerschuldner. Diese könne auch davon abweichend den Aufwand auf ihre Gesellschafter verteilen.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 2. September 2014 (IX R 50/13), veröffentlicht am 4. Februar 2015