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Steuern & Recht

Abschreibung in Ergänzungsbilanz bei Erwerb von KG-Anteilen


Der Erwerber eines KG-Anteils, der einen über dem Buchwert des übernommenen Kapitalkontos liegenden Kaufpreis zahlt, muss den Mehrpreis als Anschaffungskosten so abschreiben, als hätte er die betreffenden Wirtschaftsgüter als Einzelunternehmer erworben. Grundlage für die Abschreibung ist die Restnutzungsdauer im Zeitpunkt des Anteilserwerbs und nicht die in der Gesamthandsbilanz ursprünglich zugrunde gelegte Restnutzungsdauer.

Eine Kommanditgesellschaft hatte ein Containerschiff erworben und auf Basis der seinerzeitigen Nutzungsdauer abgeschrieben. Später verkauften einige Gesellschafter ihre Anteile zu Kaufpreisen, die über den Buchwerten der jeweiligen Kapitalkonten lagen. Die Neugesellschafter wollten die Mehrbeträge, die auf das bereits weitgehend abgeschriebene Schiff entfielen, in ihren Ergänzungsbilanzen korrespondierend zur (Rest-)Abschreibung des Schiffs in der Gesellschaftsbilanz abschreiben. Das Finanzamt vertrat demgegenüber die Auffassung, die Abschreibung sei über einen längeren Zeitraum, nämlich über die für ein gebraucht erworbenes Seeschiff geltende Restnutzungsdauer im Erwerbszeitpunkt der Anteile vorzunehmen.

Das Finanzgericht hatte der Klage zunächst stattgegeben. Der Bundesfinanzhof (BFH) revidierte dieses Urteil zugunsten des Finanzamts. Das Finanzgericht war, so die Münchner Richter, zu Unrecht davon ausgegangen, dass die in den Ergänzungsbilanzen aktivierten Mehrwerte des abnutzbaren Wirtschaftsguts „Containerschiff“ entsprechend der in der Gesamthandsbilanz der Klägerin zugrunde gelegten (Rest-)Nutzungsdauer abzuschreiben waren. Vielmehr war in den Ergänzungsbilanzen auf den Zeitpunkt des Anteilserwerbs abzustellen. Zweck der Ergänzungsbilanz ist es, den Gesellschafter so weit wie möglich einem Einzelunternehmer gleichzustellen, der entsprechende Wirtschaftsgüter erwerben würde. Deshalb muss bezogen auf die Abschreibung der in der Ergänzungsbilanz ausgewiesenen Mehrwerte die Restnutzungsdauer im Zeitpunkt des Anteilserwerbs neu geschätzt werden. Zugleich stünden dem Gesellschafter die gleichen Abschreibungswahlrechte zu wie einem Einzelunternehmer. Da Feststellungen zur aktualisierten Restnutzungsdauer und zur Wahlrechtsausübung fehlten, verwies der BFH die Sache an das Finanzgericht zur weiteren Feststellung zurück.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 20. November 2014 (IV R 1/11), veröffentlicht am 4. Februar 2015