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Steuern & Recht

Veräußerungskosten und nachträgliche Kaufpreisänderungen bei Anteilsveräußerungen


Die Finanzverwaltung äußert sich in einem aktuellen Schreiben zur Behandlung von nachträglichen Kaufpreisveränderungen und Veräußerungskosten, die vor oder nach dem Wirtschaftsjahr der Anteilsveräußerung entstanden sind und zwar u.a. hinsichtlich der zwingend vorzunehmenden außerbilanziellen Korrekturen, die vom Bundesfinanzhof in zwei früheren Urteilen angemahnt wurden.

Veräußerungskosten und nachträgliche Kaufpreisänderungen unter dem Regime der Veräußerungsgewinnbefreiung nach § 8b Abs. 2 KStG

Zuletzt mit Urteil vom 12.3.2014 (I R 55/13) hatte der BFH in Fortführung seines Urteils vom 22. Dezember 2010 (I R 58/10) und teilweise entgegen der bis dato vertretenen Auffassung der Finanzverwaltung entschieden, dass nachträgliche Veränderungen des Veräußerungspreises und nachträgliche Veräußerungskosten auf den Veräußerungszeitpunkt zurück wirken – und zwar sowohl für die außerbilanziell vorzunehmende Einkünftekorrektur als auch für die Ermittlung des Gewinns aus der Veräußerung der Anteile im betreffenden Veranlagungszeitraum (VZ). Letzteres geschieht als Korrektur des bilanziellen Ergebnisses ebenfalls außerbilanziell. Im VZ, in dem die Korrektur des Kaufpreises erfolgt oder in dem die nachträglichen Veräußerungskosten anfallen, ist im Gegenzug kein Ertrag oder Aufwand zu erfassen. Die bilanzielle Erfassung ist wiederum außerbilanziell zu korrigieren. Das gilt übrigens auch, wenn die Veräußerung der Anteile durch eine Organgesellschaft erfolgt und § 8b KStG auf Ebene des Organträgers anzuwenden ist (sog. Bruttomethode). Aus alledem ergibt sich das folgende ministerielle Fazit:

  • Sowohl die Veranlagung für den Veranlagungszeitraum der Veräußerung, als auch die Veranlagungen für die Veranlagungszeiträume, in denen sich die nachträglichen Veräußerungskosten oder die Kaufpreisveränderungen steuerbilanziell ausgewirkt haben, müssen entsprechend angepasst werden.
  • Vor dem Wirtschaftsjahr der Anteilsveräußerung entstandene Veräußerungskosten sind bei der Veranlagung für den Veranlagungszeitraum, in dem das Wirtschaftsjahr endet, in dem sie angefallen sind, zu berücksichtigen. Die außerbilanzielle Korrektur der vor dem Wirtschaftsjahr der Anteilsveräußerung angefallenen Veräußerungskosten ist erst mit Wirksamkeit der Veräußerung vorzunehmen.
  • Die Änderungen der entsprechenden Veranlagungen sind nach Maßgabe der in Frage kommenden Korrekturvorschriften der Abgabenordnung vorzunehmen.
  • Auf einen Aufwand oder Ertrag aus einer Auf- oder Abzinsung der Kaufpreisforderungen ist § 8b KStG nicht anzuwenden.
  • Zu den Veräußerungskosten können auch die Verluste aus gegenläufigen Sicherungsgeschäften gehören.

Das ursprüngliche zu dieser Thematik ergangene BMF-Schreiben vom 13. März 2008 ist nicht mehr anzuwenden.

Fundstelle

BMF-Schreiben vom 24. Juli 2015 (IV C 2 – S 2750-a/07/10002 :002); das ausführliche Schreiben (mit Rechenbeispiel) kann auf der Internetseite des BMF heruntergeladen werden