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Steuern & Recht

Erbauseinandersetzung: Steuerbefreiung für ein Familienheim trotz verzögerter Selbstnutzung


Der Bundesfinanzhof hat aktuell entschieden, dass Kinder des Erblassers ein zu Wohnzwecken genutztes Familienheim steuerfrei erwerben können, wenn sie innerhalb angemessener Zeit diese vier Wände selbst für eigene Wohnzwecke nutzen.

Im entschiedenen Fall waren der Kläger und seine Schwester je zur Hälfte Miterben ihres Ende 2010 verstorbenen Vaters. Zum Nachlass gehörte ein Zweifamilienhaus. Eine Wohnung war vom Vater und der Schwester gemeinsam genutzt worden; eine Wohnung war fremdvermietet. Ende 2011 zog der Kläger mit seiner Ehefrau in die vormalige Wohnung des Vaters ein. Bei der Erbauseinandersetzung im März 2012 erhielt der Kläger dann das Alleineigentum an dem Zweifamilienhaus. Das Finanzamt gewährte die Steuerbefreiung für die selbstgenutzte Wohnung allerdings nur entsprechend dem Erbteil des Klägers und damit nur zur Hälfte.

 
Der BFH folgte indes der Rechtsauffassung des Finanzgerichts, wonach die Steuerbegünstigung in voller Höhe, also auch für den erst im Rahmen der Erbauseinandersetzung erworbenen Anteil am Zweifamilienhaus zu berücksichtigen sei. Richterliche Begründung: Dem Kläger stehe die Steuerbefreiung für die selbstgenutzte Wohnung zu, weil er ca. ein Jahr nach dem Erbfall und damit innerhalb angemessener Zeit eingezogen sei. Eine unverzügliche Bestimmung zur Selbstnutzung könne auch vorliegen, wenn die Wohnung erst nach Ablauf von sechs Monaten nach dem Erbfall genutzt werde. Die Gründe für die verzögerte Nutzung der Wohnung müssten in einem solchen Fall aber dargelegt werden. Unschädlich sei, dass die Erbauseinandersetzung erst über ein Jahr nach dem Erbfall erfolgt sei. Die gleichen Grundsätze gelten nach der Entscheidung des BFH auch für die vermietete Wohnung.
Fundstelle
BFH-Urteil vom 23. Juni 2015 (II R 39/13), veröffentlicht am 9. September 2015