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Steuern & Recht

Kein Abzug der Aufwendungen für häusliches Arbeitszimmer bei gemischt genutzten Räumen


Der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers setzt voraus, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche bzw. berufliche Zwecke genutzt wird. Eine Aufteilung und anteilige Berücksichtigung im Umfang der betrieblichen oder beruflichen Verwendung scheidet aus. Dies hat der Große Senat des Bundesfinanzhofes in einer Grundsatzentscheidung bekanntgegeben.

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind nur unter der Voraussetzung abziehbar, dass für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Höhe der abziehbaren Aufwendungen ist dabei grundsätzlich auf 1.250 € begrenzt; ein weiter gehender Abzug ist nur möglich, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung bildet.

Können solche Aufwendungen nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn der jeweilige Raum (nahezu) ausschließlich für betriebliche/berufliche Zwecke genutzt wird oder können diese Aufwendungen entsprechend der jeweiligen Nutzung aufgeteilt werden? Der IX. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hatte diese Fragen mit Entscheidung vom 21. November 2013 (IX R 23/12) dem Großen Senat vorgelegt. Das zuständige Finanzgericht hatte zuvor geurteilt, dass der Kläger 60 % des von ihm geltend gemachten Aufwands als Werbungskosten absetzen kann. Der Große Senat des BFH hat nun die lange erwartete abschließende Entscheidung zu dieser Frage verkündet und eine Aufteilung verneint.

Der Gesetzgeber habe ausdrücklich an den herkömmlichen Begriff des „häuslichen Arbeitszimmers“ anknüpfen wollen, so der Große Senat in seiner Begründung. Der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers setze seit jeher voraus, dass der Raum wie ein Büro eingerichtet ist und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einnahmen genutzt wird. Diese Auslegung dient nach Auffassung des Großen Senats dazu, den betrieblich/beruflichen und den privaten Bereich sachgerecht voneinander abzugrenzen, Gestaltungsmöglichkeiten zu unterbinden und den Verwaltungsvollzug zu erleichtern. Im Fall einer Aufteilung seien diese Ziele nicht zu erreichen, da sich der Umfang der jeweiligen Nutzung innerhalb der Wohnung des Steuerpflichtigen nicht objektiv überprüfen lasse.

Das Abzugsverbot gilt insofern und gerade auch für Zimmer, die räumlich sowohl zur Erzielung von Einnahmen als auch zu privaten Wohnzwecken genutzt werden (sog. „Arbeitsecke“) und die insofern ihrer Ausstattung nach sowohl der Erzielung von Einkünften als auch privaten Wohnzwecken dienen.

Fazit: Mögliche zukünftige Probleme bei der Aufteilung der Aufwendungen werden aufgrund dieser Klarstellung nun zwar vermieden. Die Münchener Entscheidung erscheint allerdings konträr zu der in der Arbeitswelt mittlerweile herrschenden Flexibilität, die sich auch in entsprechenden Arbeitsplatzmodellen niedergeschlagen hat.

Fundstelle

BFH-Beschluss vom 27. Juli 2015 (GrS 1/14), veröffentlicht am 28. Januar 2016