PwC

Steuern & Recht

Verlust aus dem Verfall von Optionen steuerlich berücksichtigungsfähig


Der Bundesfinanzhof hat gleich in drei Fällen zur steuerlichen Behandlung von Einkünften bei einem Termingeschäft Recht gesprochen. Danach mindern Verluste aus dem Verfall von Optionen die Einkünfte aus Kapitalvermögen. Die obersten Finanzrichter widersprachen damit ausdrücklich der Auffassung des Bundesfinanzministeriums.

In den entschiedenen Fällen war streitig, ob die Kläger durch das „Verfallenlassen“ von Aktienoptionen einen steuerlich zu berücksichtigenden Verlust i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a Einkommensteuergesetz (EStG) erzielt hatten. Konkret hatten Privatanleger jeweils Aktien- und Indexoptionen erworben. Die Krux: Der Kurs der Wertpapiere und Aktienindizes entwickelte sich nicht wie erwartet. Die Optionen „liefen aus dem Geld“ und mussten nach dem Ende der Laufzeit als wertlos aus den Wertpapierdepots der Anleger ausgebucht werden. Die Steuerpflichtigen machten den Wertverlust als Werbungskosten bei ihren Einkünften aus Kapitalvermögen geltend.

 

Während der Einspruch in allen drei Fällen erfolglos blieb, gaben die mit den Fällen betrauten Finanzgerichte den Klägern Recht. Danach sei ein Verlust nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a, Abs. 4 Satz 5 EStG in Höhe der Anschaffungskosten der verfallenen Optionen zu berücksichtigen. Bei den erworbenen Optionsscheinen auf den DAX handele es sich beispielsweise um ein Geschäft, das nur durch Barausgleich (Differenzausgleich) zu erfüllen gewesen wäre, weil der Basiswert (DAX) seiner Natur nach nicht lieferbar sei. Der Kläger habe durch das Verfallenlassen der Optionen das Termingeschäft steuerbar beendet, auch wenn er tatsächlich keinen Differenzausgleich oder anderen Vorteil „erlangt“ habe. Vielmehr gelte das Verfallenlassen der vom Kläger erworbenen Optionen auch ohne das Erlangen eines Differenzausgleichs (Barausgleichs) als steuerpflichtiger Beendigungstatbestand i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a EStG. Die zu § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG a.F. ergangene Rechtsprechung sei auf die neue Rechtslage nach Inkrafttreten der Abgeltungssteuer dabei zu übertragen. Der Grund: Nach Einführung der Abgeltungssteuer werde nicht mehr zwischen Vermögens- und Ertragsebene unterschieden, weil im Bereich des § 20 EStG sämtliche Vermögenszuwächse der Besteuerung unterworfen werden.

 

BFH betrachtet die Anschaffung der Option und den Ausgang des Optionsgeschäfts als Einheit
Da sämtliche Vermögenszuwächse beim Inhaber der Optionsscheine erfasst werden, müsse dies aufgrund des verfassungsrechtlich gebotenen objektiven Nettoprinzips auch für vergebliche Optionsgeschäfte gelten, die zu einer Minderung privaten Vermögens führten. Die Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten der Optionsscheine stünden in einem unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft und seien daher zum steuerlichen Abzug zuzulassen. Dieser Auffassung folgte auch der Bundesfinanzhof in allen drei Revisionen. Die obersten Finanzrichter erkennen die Verluste aus dem Verfall der wertlos gewordenen Optionen somit steuerlich an. Optionsbedingte Verluste sind danach bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen zu berücksichtigen. Dies folge aus dem Wortlaut, der systematischen Stellung und dem Sinn und Zweck der Regelung. Es sei nach Ansicht der BFH-Richter dabei unerheblich, ob der Anleger aufgrund der Option auch den zugrundeliegenden Basiswert erwerbe oder ob er einen sich aus dem Optionsgeschäft ergebenen Unterschiedsbetrag in bar ausgleiche. Fazit: Der BFH betrachtet die Anschaffung der Option und den Ausgang des Optionsgeschäfts als Einheit. Die Steuerpflichtigen dürfen daher den Wertverlust mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen (z.B. Einnahmen aus Zinsen oder Dividenden) verrechnen und steuerlich nutzen. Mit seinen Urteilen wendet sich der BFH ausdrücklich gegen die Auffassung des BMF (BMF-Schreiben vom 9. Oktober 2012, BStBl I 2012, 953, Rz. 27 und vom 27. März 2013, BStBl I 2013, 403). Lediglich im Streitfall IX R 48/14 folgte der BFH der Auffassung der Finanzverwaltung, dass die vom Kläger aufgewandten Kreditzinsen zur Finanzierung von Kapitalanlagen nicht abziehbar sind. Das Abzugsverbot des § 20 Abs. 9 EStG sei danach verfassungskonform.

 

Fundstellen
BFH-Urteil vom 12. Januar 2016 (IX R 48/14, IX R 49/14, IX R 50/14), veröffentlicht am 2. März 2016