PwC

Steuern & Recht

Teilwertabschreibung auf Fondsanteile möglich?


Das Niedersächsische Finanzgericht hat Teilwertabschreibungen auf Anteile an Fonds, die zum Bilanzstichtag zu weniger als 50% in börsennotierte Aktien investiert sind bejaht, weil auf Fondsebene Veräußerungsverluste realisiert wurden.

Die Klägerin hatte in zwei speziell aufgelegte Investmentfonds investiert. Die Fondseinlagen waren zunächst überwiegend in börsennotierte Aktien angelegt worden. In 2001 hatten die Kapitalanlagegesellschaften den Großteil der Aktien unter Inkaufnahme von Verlusten veräußert und das Fondsvermögen so gut wie in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Die Klägerin hatte ihre Beteiligungen an den Spezialfonds in 2000 als Umlaufvermögen, 2001 als Anlagevermögen und 2002 wieder als Umlaufvermögen bilanziert. In den Bilanzen auf den 31.12.2000 bzw. 31.12.2002 hatte sie erhebliche Teilwertabschreibungen auf die Fondsbeteiligungen vorgenommen. Nach Auffassung des Finanzamts sind die Fondsbeteiligungen zum 31.12.2001 dem Anlagevermögen zuzuordnen und insofern mit den Anschaffungskosten zu bewerten. Das Finanzgericht gab der Klage statt und erkannte die Wertberichtigungen aufgrund voraussichtlich dauernder Wertminderung an. Die Gründe:

Der Rücknahmepreis der Anteile war zum betreffenden Bilanzstichtag bereits circa 24 % unter die Anschaffungskosten gesunken und lag somit erheblich unter dem von der Klägerin aktivierten Buchwert. Diese Minderung war maßgeblich auf realisierte Verluste zurückzuführen: So habe der Fonds per Saldo insgesamt durch Veräußerungen Verluste in erheblicher Höhe erwirtschaftet, die anteilig der Klägerin zuzurechnen waren. Durch die Realisierung dieser Veräußerungsverluste hätten sich die Vermögensminderungen des Fonds verfestigt, ohne dass in gleichem Maße Aussicht auf künftige Vermögenszuwächse bestand. Auch die Laufzeit des Fonds sprach nicht gegen diese Schlussfolgerung, da sich – aufgrund der Prognose zum Bilanzstichtag – mehr Gründe für als gegen ein voraussichtliches Andauern der Wertminderung ergaben. Eine Wertaufholung sei nicht absehbar gewesen, umso mehr als sich die weltweiten Finanzmärkte u. a. angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 sowie dem Kurssturz der Börsen in 2000/2001 infolge der sog. Technologieblase in einer schwierigen Phase befunden hätten.

Anmerkungen: Der BFH hatte in einem Urteil vom 21. September 2011 (I R 7/11) festgestellt, dass die Frage der Teilwertabschreibung von Investmentanteilen nach den für börsennotierten Aktien geltenden Grundsätzen zu entscheiden ist (d. h. Teilwertabschreibung, wenn der Börsenkurs der Aktie zum Stichtag unter den Buchwert gesunken ist), sofern das Vermögen des Investmentfonds überwiegend in an Börsen gehandelten Aktien angelegt ist. Dies lag im Streitfall jedoch nicht vor; die voraussichtlich dauernde Wertminderung ergab sich aber nach Dafürhalten des Finanzgerichts unter Anwendung der allgemeinen Grundsätze. Insofern bleibt interessant, wie das höchste Steuergericht im Revisionsverfahren entscheidet.

Das BFH-Urteil vom September 2011 wird übrigens auch von der Finanzverwaltung angewendet. Voraussetzung (wie im BFH-Urteil en detail vorgegeben): Das Fondsvermögen besteht überwiegend aus börsennotierten Aktien. Außerdem muss der Rücknahmepreis zum Bilanzstichtag um mindestens 40 % oder an diesem und dem vorhergehenden Bilanzstichtag um mindestens 25 % unter die Anschaffungskosten gesunken sein.

Fundstelle

Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 26. November 2015 (6 K 261/13), die Revision ist unter dem Az. I R 4/16 beim BFH anhängig