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Steuern & Recht

Vorab enstandene Werbungskosten nur bei Bebauungs- und Vermietungsabsicht


Aufwendungen für ein unbebautes Grundstück sind als vorab entstandene Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar, wenn ein ausreichender wirtschaftlicher Zusammenhang mit einer (beabsichtigten) Bebauung des Grundstücks und anschließender Vermietung oder Verpachtung des Gebäudes besteht. Das bedeutet nicht, dass in jedem Fall schon mit der Bebauung begonnen worden sein muss; die Absicht kann sich auch aus eindeutigen Vorbereitungshandlungen ergeben.

Im Streitfall hatte das Finanzgericht die Klage u. a. deswegen abgewiesen, weil zwischen Erwerb des Grundstücks und seiner Bebauung ein sehr langer Zeitraum von zehn Jahren gelegen habe. Der Kläger habe erst danach konkret mit der Umsetzung seiner Bebauungsabsicht begonnen. Der Bundesfinanzhof (BFH) befand die Würdigung der Vorinstanz als nicht substantiiert genug.

Nach Ansicht der obersten Steuerrichter habe das Finanzgericht unbeachtet gelassen, dass das Grundstück bebaubar war und dass sich der Kläger zur Bebauung kaufvertraglich verpflichtet hatte, dass er mit der Bebauung aber erst beginnen wollte, wenn das Grundstück bezahlt war und er genügende Eigenmittel für die Baufinanzierung angespart hatte und dass er diese Ziele erwiesenermaßen innerhalb von knapp zehn Jahren auch erreicht hat. Aufgrund der Art der Finanzierung (Annuitätendarlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren) lagen ferner weder Anhaltspunkte für eine kurzfristige Veräußerung des Grundstücks noch für eine Veräußerung nach Ablauf der 10-jährigen Behaltensfrist für private Veräußerungsgeschäfte vor. Zwar hatte der BFH in seinem Urteil vom 16. Juni 2015 (IX R 27/14) auf folgendes hingewiesen: Kommt es über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren nicht zu der beabsichtigten Vermietung, sei es nicht zu beanstanden, wenn die Vermietungsabsicht verneint wird. Der entschiedene Fall betraf aber bebaute Grundstücke, bei unbebauten Grundstücken müsse dieser Zeitrahmen großzügiger gehandhabt bzw. ausgelegt werden. Summa summarum wird das Finanzgericht seine Entscheidung anhand der Vorgaben des BFH (Berücksichtigung der besonderen Umstände des Streitfalls) wohl revidieren – da der BFH sich jedoch hinsichtlich der Sachverhaltswürdigung nicht an die Stelle des Finanzgerichts setzen darf, hat er den Fall nach dort zurückverwiesen.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 1. Dezember 2015 (IX R 9/15), veröffentlicht am 23- März 2016