PwC

Steuern & Recht

Kostenfaktor Grunderwerbsteuer: Die Grunderwerbsteuersätze in Deutschland


Seit September 2006 sind die Bundesländer berechtigt, die Höhe des Grunderwerbsteuersatzes selbst festzulegen. Von diesem Recht machen sie seit 2007 regen Gebrauch.

Die Bundesregierung will mit Hilfe eines neuen Gesetzes zur steuerlichen Förderung des Mietwohnungsneubaus den Wohnungsbau ankurbeln, um so den Anstieg der Mieten in den Großstädten zu bremsen. Auf die vielerorts gestiegene Grunderwerbsteuer kann sie dadurch jedoch keinen Einfluss nehmen. Denn der im Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG) festgelegte bundeseinheitliche Satz von 3,5 Prozent gilt nur, wenn die Bundesländer keinen eigenen Steuersatz festsetzen. Dieses Recht haben sie, seit 2006 der Artikel 105 Abs. 2 a Satz 2 ins Grundgesetz aufgenommen wurde.

„Die Mehrheit der Bundesländer hat in den letzten Jahren von dem Änderungsrecht Gebrauch gemacht und den jeweiligen Grunderwerbsteuersatz schrittweise angehoben. Dies geschah jedoch nicht gleichzeitig, sondern oftmals zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Diese Steuersätze gelten jeweils für diejenigen Grundstücke, die im Hoheitsgebiet der jeweiligen Bundesländer belegen sind“, erläutert Marcel Mies, Partner bei PwC im Bereich Real Estate Tax.

Deutschlandkarte_politisch
Die Steuersätze bei der Grunderwerbsteuer liegen derzeit zwischen 3,5 und 6,5 Prozent (Stand: 1. Februar 2016)
Den Satz von 3,5 Prozent erheben nur noch Bayern und Sachsen. In Hamburg sind 4,5 Prozent Grunderwerbsteuer fällig; in Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen jeweils fünf Prozent. In Berlin und Hessen liegt der Steuersatz bei sechs Prozent und in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und im Saarland ist die Grunderwerbsteuer mit 6,5 Prozent derzeit am höchsten.

Weitere Erhöhungen werden nicht ausbleiben

„So hat der thüringische Landtag bereits eine Erhöhung des Steuersatzes auf 6,5 Prozent ab dem 1. Januar 2017 beschlossen. Dem Vernehmen nach wird des Weiteren sowohl in Niedersachsen als auch in Baden-Württemberg ebenfalls über eine Erhöhung nachgedacht“, skizziert Marcel Mies die weiteren Entwicklungen.
Gedanken macht man sich aber auch in Berlin. So kündigte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel im Tagesspiegel an, die Grunderwerbsteuer “ verändern“ zu wollen. Im Mai will er einen entsprechenden Vorschlag vorlegen. Ob es um eine reine Erhöhung geht (etwa auf 6,5 Prozent wie in Brandenburg) oder gar um eine Reform, ließ er allerdings offen.

Kurzfristige Änderungen mit Folgen. Da die Bundesländer berechtigt sind, die Grunderwerbsteuersätze jederzeit und damit auch unterjährig anzupassen, kann dies sehr kurzfristig geschehen. In der Regel gelten die erhöhten Sätze dann für Erwerbsvorgänge, die ab einem – im jeweiligen Landesgesetz genannten – Stichtag verwirklicht werden. Der Zeitpunkt der „Verwirklichung „ eines steuerpflichtigen Erwerbsvorgangs kann jedoch – je nach Einzelfall – bereits mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag, mit Eintritt einer aufschiebenden Bedingung oder erst mit der „dinglichen Übereignung“ eintreten. Daher sollten Käufer vor dem Vertragsabschluss nicht nur den aktuellen Grunderwerbsteuersatz kennen, sondern auch etwaige Steuererhöhungspläne im jeweiligen Bundesland im Blick haben.