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Steuern & Recht

Aufwendungen für Geburtstagsfeier als Werbungskosten


Aufwendungen für eine Feier anlässlich eines Geburtstags werden von der Finanzverwaltung im Allgemeinen nicht als Werbungskosten anerkannt. Allerdings kann sich trotz des „herausgehobenen persönlichen Ereignisses“ aus den übrigen Umständen des einzelnen Falls ergeben, dass die Kosten für eine solche Feier ausnahmsweise ganz oder teilweise beruflich veranlasst sind. Mit der Folge, dass in diesem Fall ein Werbungskostenabzug möglich ist.


Regelmäßig geht die Finanzverwaltung davon aus, dass Bewirtungskosten eines Arbeitnehmers für Geburtstags-, Beförderungs- und ähnliche Feiern, mit denen gewisse gesellschaftliche Repräsentationsverpflichtungen erfüllt werden, steuerlich nicht abzugsfähige Aufwendungen für die Lebensführung darstellen und somit nicht als Werbungskosten abzugsfähig sind. Ausnahmsweise werden aber solche Kosten vom Finanzamt anerkannt, wenn ein nahezu ausschließlich beruflicher Anlass einer solchen Feier vorliegt. In einem aktuellen Fall hatte der Bundesfinanzhof über einen solchen Grenzfall zu entscheiden.

 

Streitig war, ob Aufwendungen eines angestellten GmbH-Geschäftsführers für die Feier anlässlich seines runden Geburtstags steuerlich als Werbungskosten zu berücksichtigen waren. Konkret lud der Kläger sämtliche Mitarbeiter der GmbH sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden (insgesamt ca. 70 Personen) in eine Werkstatthalle des Arbeitgebers ein, der in die Organisation der Geburtstagsfeier eingebunden war. Die Werkstatthalle wurde für die Feierlichkeit mit Mobiliar des Arbeitgebers (Bierzeltgarnituren) ausgestattet. Die Feier fand an einem Freitag von 12 Uhr bis 17 Uhr statt und ein Teil der Gäste erschien in Arbeitskleidung. Die Kosten der Feier beliefen sich auf ca. 35 EUR pro Person. In der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2011 machte der Jubilar insoweit Aufwendungen für die Geburtstagsfeier in Höhe von 2.470 EUR als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend. Ohne Erfolg, denn das Finanzamt berücksichtigte die streitigen Aufwendungen bei der Einkommensteuerfestsetzung des Streitjahres nicht. Anders beurteilte das mit dem Fall betraute Finanzgericht Rheinland-Pfalz den Fall und gab der nach erfolglos eingelegtem Einspruch erhobenen Klage mit Urteil vom 12. November 2015 6 K 1868/13 statt. Dieser Auffassung folgte auch der Bundesfinanzhof (BFH).

 
Die obersten Finanzrichter wiesen die Revision des Finanzamtes als unbegründet zurück. Danach habe das Finanzgericht die Aufwendungen des Klägers für die Feier seines 60. Geburtstags zu Recht als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit berücksichtigt.

 
Anlass der Feier ist nur ein erhebliches Indiz, nicht aber alleinentscheidendes Kriterium

 
Bei der Beurteilung ob die Aufwendungen beruflich oder privat veranlasst sind, ist nach der Rechtsprechung des BFH in erster Linie auf den Anlass der Feier abzustellen. Allerdings sei der Anlass einer Feier nur ein erhebliches Indiz, nicht aber das alleinentscheidende Kriterium. Trotz eines herausgehobenen persönlichen Ereignisses könne sich aus den übrigen Umständen des Einzelfalls durchaus ergeben, dass die Aufwendungen für die Feier beruflich veranlasst sind. Umgekehrt begründet ein Ereignis in der beruflichen Sphäre allein nicht die Annahme, die Aufwendungen für eine Feier seien nahezu ausschließlich beruflich veranlasst. Denn auch diese Ereignisse werden häufig im Rahmen eines privaten Festes unter Einschluss befreundeter Arbeitskollegen begangen. Ob die Aufwendungen Werbungskosten sind, ist daher anhand weiterer Kriterien zu beurteilen. So ist von Bedeutung, wer als Gastgeber auftritt, wer die Gästeliste bestimmt, ob es sich bei den Gästen um Kollegen, Geschäftsfreunde oder Mitarbeiter (des Steuerpflichtigen oder des Arbeitgebers), um Angehörige des öffentlichen Lebens, der Presse, um Verbandsvertreter oder um private Bekannte oder Angehörige des Steuerpflichtigen handelt. Zu berücksichtigen ist außerdem, an welchem Ort die Veranstaltung stattfindet, ob sich die finanziellen Aufwendungen im Rahmen vergleichbarer betrieblicher Veranstaltungen bewegen und ob das Fest den Charakter einer privaten Feier aufweist oder ob das nicht der Fall ist.

 
Gesamtwürdigung aller Umstände entscheidend

 
Dabei obliegt die Beurteilung, ob Aufwendungen beruflich oder privat veranlasst sind, in erster Linie dem Finanzgericht als Tatsacheninstanz. Es hat anhand einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls zu bestimmen, wo die Grenze zwischen betrieblichem und privatem Bereich verläuft und welche Indizien für sich allein ausreichend sind, um eine betriebliche Veranlassung zu bejahen. Der BFH ist hieran gebunden, soweit die Würdigung verfahrensrechtlich einwandfrei zustande gekommen und nicht durch Denkfehler oder die Verletzung von Erfahrungssätzen beeinflusst ist. Nach diesen Grundsätzen beanstandete der BFH die Entscheidung des FG, die Aufwendungen des Klägers für die Feier seines 60. Geburtstags seien so gut wie ausschließlich beruflich veranlasst, revisionsrechtlich nicht.

 
Fundstelle

 
BFH-Urteil vom 10. November 2016 (VI R 7/16), veröffentlicht am 4. Januar 2017