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Steuern & Recht

Nachträgliche Anschaffungskosten bei Finanzierungsmaßnahmen eines unternehmerisch beteiligten Aktionärs


Die Gewährung eines krisenbestimmten Darlehens an die AG durch einen Aktionär, der zu diesem Zeitpunkt an der Gesellschaft unternehmerisch beteiligt ist, führt nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu nachträglichen Anschaffungskosten der Beteiligung. Der Fall betraf die Rechtslage vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen.

Im entschiedenen Fall war streitig, ob ein ausgefallenes Darlehen in Höhe von 500.000 DM, das der Kläger im Jahr 1999 der S-AG als deren Aktionär gewährte, als nachträgliche Anschaffungskosten bei der Ermittlung des Auflösungsverlustes nach § 17 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Streitjahres 2001 (EStG) zu berücksichtigen war.

Nach § 17 Abs. 1 und 4 EStG gehört zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb auch der Gewinn aus der Auflösung einer Kapitalgesellschaft, wenn der Gesellschafter innerhalb der letzten fünf Jahre am Kapital der Gesellschaft wesentlich beteiligt war und er die Beteiligung in seinem Privatvermögen hielt. Entsprechendes gilt für die aus der Auflösung einer Kapitalgesellschaft entstehenden Verluste. Die Entstehung eines im Jahre 2001 zu berücksichtigenden Auflösungsverlustes setzt dabei voraus, dass mit Zuteilungen und Rückzahlungen aus dem Gesellschaftsvermögen nicht mehr zu rechnen ist und feststeht, ob und in welcher Höhe noch nachträgliche Anschaffungskosten oder sonstige im Rahmen des § 17 Abs. 2 EStG zu berücksichtigende wesentliche Aufwendungen anfallen werden. Diese Voraussetzung war im Streitfall erfüllt. Denn die Höhe des Verlustes bestimmenden Umstände standen nach der Bestätigung des Insolvenzverwalters bereits im Jahr 2001 fest. Danach fiel der Kläger mit seinem Darlehen in voller Höhe aus.

 
Fundstelle
BFH-Urteil vom 6. Dezember 2017 (IX R 12/15); veröffentlicht am 1. März 2017