PwC

Steuern & Recht

Liebhaberei: Einkünfteerzielungsabsicht bei langjährigem Leerstand einer Wohnung


Kann ein Steuerpflichtiger eine in seinem Eigentum stehende Wohnung aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen dauerhaft nicht in einen betriebsbereiten Zustand versetzen und zur Vermietung bereitstellen, ist vom Fehlen der Einkünfteerzielungsabsicht auszugehen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesfinanzhof in einem Fall, in dem die Beteiligten über das Vorliegen der Einkünfteerzielungsabsicht hinsichtlich einer seit 1999 leerstehenden Wohnung streiten.


Im Streitfall befand sich die Wohnung des Klägers in einem Gebäude, das aufgrund eines Sanierungsstaus bereits seit 1993 in einem völlig desolaten und maroden Zustand war. Ein mit der Vermietung betrauter Makler teilte im April 2012 mit, dass alle Bemühungen, die Wohnung zu vermieten, aufgrund des Gesamtzustands der Anlage und der nicht abgeschlossenen Sanierung gescheitert seien. Das Finanzamt erkannte die Werbungskostenüberschüsse zunächst vorläufig an. Im April 2012 erließ das Finanzamt jedoch geänderte Bescheide für die Streitjahre 2006 bis 2009, in denen die Einkommensteuer ohne die Werbungskostenüberschüsse aus Vermietung und Verpachtung der Wohnung festgesetzt wurden. Im gleichen Monat erging ein erstmaliger Einkommensteuerbescheid für 2010, in dem der geltend gemachte Werbungskostenüberschuss ebenfalls nicht berücksichtigt wurde. Einspruch und Klage blieben erfolglos. Fazit der BFH-Richter: Ausgehend von der Vermietungssituation und damit objektiven Umständen sei der Schluss der Vorinstanz, der Kläger habe die Einkünfteerzielungsabsicht für die streitige Wohnung bereits vor Beginn des Streitzeitraums aufgegeben und bis zum Ende des Streitzeitraums nicht wieder aufgenommen, nicht zu beanstanden.

 
Fundstelle
BFH-Urteil 31. Januar 2017 (IX R 17/16); veröffentlicht am 5. April 2017